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Autor

Sandra Middendorf

Freie Journalistin

im Heft

7/2012

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Parteisprecher (1): FDP

Raus aus dem Tal

Für die FDP steht bei der nächsten Bundestagswahl viel auf dem Spiel. Denn nur langsam kämpfen sich die Liberalen aus dem Umfragetief. Den zaghaften Positivtrend zu beschleunigen, ist Aufgabe von Pressesprecher Wulf Oehme. Erfahrung im politischen Geschäft hat der 63-Jährige genug. Teil eins unserer Porträtserie über die PR-Profis der Bundesparteien in Berlin.

Inhaltlich mitzudenken, gehört für Oehme dazu: „Wir liefern den Chefs den Input und beraten gemeinsam, wie das kommunikativ, manchmal aber auch politisch verarbeitet wird.“ (Foto: Jan Zappner)

"Ich weiß nicht, wer den Artikel auf Spiegel Online schon gesehen hat, aber den sollten wir vielleicht auf der Webseite behandeln", sagt Wulf Oehme und legt den ausgedruckten Text vor sich auf den Tisch. Thema des Beitrags ist das Spitzengespräch, zu dem sich am folgenden Montag die Vorsitzenden der Regierungsparteien Angela Merkel, Philipp Rösler und Horst Seehofer treffen, um den Kurs der schwarz-gelben Regierung zu beraten. "Vor allem beschäftigt sich der Artikel damit, dass unser Partner CSU die Tagesordnung schon im Vorfeld bestimmen will", sagt der Sprecher zu seinen Kommunikationskollegen, mit denen er wie jeden Vormittag zusammensitzt, um die Aufgaben des Tages zu besprechen.

Platz genommen haben auf den blaugelb bezogenen Stühlen um den ovalen Besprechungstisch in Oehmes Büro heute seine Sekretärin Ulla Faets, seine Stellvertreterin Kathrin Klawitter, der Chef der Abteilung politische Planung Dennis Schmidt-Bordemann und eine Redakteurin der Firma Universum Media, die mit einem Team die Beiträge für die Internetauftritte der Partei verfasst. Thomas Diener, der sich um den Auftritt der Partei in sozialen Medien kümmert, ist krank. "Anders als die CSU gehen wir nicht auf Konfrontationskurs", sagt Oehme ruhig und mit tiefer Stimme. "Die CSU versucht schon seit Tagen mit medialer Brachialgewalt, die Themen für das Gespräch zu platzieren." Das aber bringe nichts. "Außerdem haben wir dazugelernt und wissen, dass es nicht immer das Waffengeklirr auf offener Bühne ist, das die Menschen fasziniert."

Damit spielt er auf einen Streit an, den die beiden kleinen Koalitionspartner vor zwei Jahren öffentlich austrugen. In der Debatte über eine gehaltsunabhängige Krankenkassenprämie - die sogenannte Kopfpauschale - hatte die FDP der CSU "Wildsau"-Politik vorgeworfen, die Christsozialen hatten die Liberalen als "Gurkentruppe" beschimpft. Der Zwist zog weite Kreise und löste in den Medien viel Häme aus. So weit müsse man es nicht treiben, sagt Oehme: "Am Ende will die Bevölkerung vor allem Lösungen sehen."

Der tägliche Austausch um zehn Uhr mit den Kollegen ist an diesem Tag Oehmes erste Besprechung. Normalerweise geht ihr eine frühmorgendliche Telefonkonferenz mit einem Dutzend Funktionsträgern aus Partei und Wirtschaftsministerium voraus, darunter auch der Parteivorsitzende und Wirtschaftsminister Philipp Rösler, Generalsekretär Patrick Döring und Bundesgeschäftsführerin Gabriele Renatus. Rösler aber ist auf dem Weg nach Portugal, so dass die Telefonkonferenz an diesem Morgen ausgefallen ist "Das ist sehr selten", sagt Oehme. "Wir sind heute also ganz auf uns allein gestellt." Da nichts Drängendes anstehe, sei das aber nicht weiter dramatisch.

Es scheint nicht viel zu geben, was den Mann aus der Ruhe bringen kann. Seit 22 Jahren kommuniziert Oehme in verschiedenen Positionen für die freien Demokraten. Pressesprecher und Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundespartei wurde er Anfang 2010. Seitdem hat er mehrere liberale Berg- und Talfahrten miterlebt. Auch derzeit ist es kein einfacher Job, das Image der FDP in der Öffentlichkeit zu stärken.

Erst seit den jüngsten Landtagswahlen - die in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sind gerade vorbei - verzeichnen die Freidemokraten wieder leicht steigende Umfragewerte. "Ein langsamer, beschwerlicher Wiederaufstieg", sagt der gebürtige Sachse, den es bis zur Bundestagswahl 2013 noch stark auszubauen gelte. Denn derzeit ist eine Rolle in der Regierung mehr als unsicher, im schlimmsten Fall verpasst die FDP den Einzug in den Bundestag. Dieser Gefahr gegenzusteuern, ist auch Oehmes Aufgabe - "als Teil eines langfristigen Konzepts, das die Partei jetzt für den Wahlkampf ausarbeitet", so der Sprecher.

 

Den ganzen Artikel lesen Sie in der Juli-Ausgabe des prmagazins. Hier geht es zum E-Paper.

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