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Autor

Wolf-Dieter Rühl

Geschäftsführender Redakteur

im Heft

2/2011

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Pressespiegel: Maschmeyer / NDR

Selbstdemontage

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und AWD-PR-Chef Belá Anda (links) ist das Lachen vergangen.

(Dieser Text wurde aufgrund einer Unterlassungserklärung an einigen Stellen geändert. Bitte lesen Sie dazu auch den Widerruf am Ende dieses Beitrags.)


Carsten Maschmeyer hat sein Image nachhaltig ramponiert. Was eine NDR-Reportage von Christoph Lütgert nicht schaffte, erledigte der AWD-Gründer selbst, weil er Medienanwalt Matthias Prinz freie Hand ließ. PR-Chef Béla Anda saß dabei zwischen den Stühlen. Nun soll WMP Eurocom das Desaster beheben.

Dass er diesen Krieg nicht gewinnen kann, wurde Carsten Maschmeyer zu spät klar. Sein Krieg gegen den NDR und den Reporter Christoph Lütgert dauerte zwei Wochen. Anlass: Die Ausstrahlung der Reportage „Der Drückerkönig und die Politik“.

Nun ist Rückzug angesagt: Die MaschmeyerRürup AG beauftragte Ende Januar WMP Eurocom damit, das PR-Desaster zu beheben, das Maschmeyer gemeinsam mit seinem Anwalt Matthias Prinz angerichtet hat. „Wir wollen zunächst einmal abrüsten und dafür sorgen, dass beide Seiten wieder miteinander sprechen. Wir hoffen, dass der NDR das Signal auch hört“, umreißt WMP-Vorstandsmitglied Klaus-Peter Schmidt-Deguelle die Aufgabe. Ob es darüber hinaus gelingt, langfristig die Reputation des AWD-Gründers wieder aufzubauen, ist indes fraglich (Anm. d. Red.: Das Mandat wurde nach nur zwei Wochen wieder beendet).

Weil Maschmeyer seinen Medienanwalt schon vor der Ausstrahlung mit vollen Rohren gegen den Beitrag schießen ließ und so gut wie alle Medien diesen Konflikt begierig auf nahmen, dürfte nun fast jeder Deutsche den „Drückerkönig“ Carsten Maschmeyer kennen. Die Berichte über das juristische Scharmützel waren die beste PR für die Reportage, die rund vier Millionen Zuschauer sahen.

Dabei präsentierte Lütgert in dem journalistisch zweifelhaften Beitrag kaum neue Fakten über den Emporkömmling Maschmeyer, der AWD angeblich mit viel Druck und wenig Skrupel zu einem MDax-Konzern mit rund 6.500 Mitarbeitern und mehr als 700 Millionen Euro Jahresumsatz trimmte. Die Geschichte des Vertriebsgenies, dem das Wohl der AWD-Kunden angeblich weniger wichtig war als die Höhe der Provisionen, die beim Verkauf der Finanzprodukte für sein Unternehmen abfielen, hatte sich eigentlich schon lange totgelaufen.

Der Schritt zur Deeskalation war überfällig. Nicht nur, dass der NDR in seinen Sendungen „Zapp“ („Wie sich Maschmeyer in den Medien inszeniert“) und „Panorama“ („Carsten Maschmeyer: Die Unschuld vom Maschsee“) weiter gegen Maschmeyer keilte. Nach Berichten, dass nun sogar ein Strafrechtler gegen die NDR-Redakteure vorgehen sollte, solidarisierten sich auch andere Journalisten zunehmend gegen den ehemaligen AWD-Chef. So betitelte Michael Hanfeld einen Bericht in der FAZ Ende Januar mit „Ein Großangriff auf die Pressefreiheit“.

Maschmeyer erkannte zu spät, dass er einen guten PR-Berater braucht, der die Auseinandersetzung stoppt, indem er die Anwälte zurückpfeift. Dass dies der bessere Weg ist, hätte er eigentlich vorher wissen können: Als Folkert Mindermann kurz nach der Jahrtausendwende Kommunikationsberater des AWD wurde, befriedete er als eine seiner ersten Amtshandlungen die juristischen Kämpfe mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. Mehr als 20 Verfahren waren damals gegen verschiedene ARD-Anstalten angestoßen worden. Der Anwalt auch damals: Matthias Prinz.

Das PR-Debakel ist komplett hausgemacht. Noch im Januar dieses Jahres sah es aus, als sei Maschmeyer endlich wie ersehnt in der Gesellschaft angekommen. Die Liaison des Hannoveraners mit Schauspielerin Veronica Ferres, Freundschaften mit Bundespräsident Christian Wulff und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, dazu rührselige Auftritte wie in der Spendengala „Ein Herz für Kinder“ lieferten den Fernsehkameras schöne Bilder und Boulevardmedien nette Geschichten.

Doch die vermeintlich heile Maschmeyer-Welt, die AWD-Kommunikationschef Béla Anda dank guter Kontakte aus seiner Zeit als Bild-Journalist und Regierungssprecher mitzeichnete, war Kritikern mindestens eine Farbschicht zu rosig. Denn auf der anderen Seite stehen zahlreiche Kleinanleger, die Maschmeyer für den Verlust ihrer Ersparnisse verantwortlich machen. Diese Fallhöhe bemerkte der NDR-Reporter Christoph Lütgert und nutzte sie geschickt aus.

Bereits Anfang September 2010 sendete der NDR seine Reportage „Abzocker Maschmeyer: Liebling der Politik, Freund des Bundespräsidenten“. Wer damals auf neue Enthüllungen hoffte, wurde enttäuscht. Angeblich geprellte Kleinanleger präsentierten Lütgert ihre zehn Jahre und länger zurückliegenden Fälle, dazu zeichnete der NDR-Reporter ein wenig schmeichelhaftes Bild von Maschmeyer und seinen Verbindungen zur Politik. Das war allerdings lange bekannt, alles halb so schlimm.

PR-Profis fragen sich lediglich, warum Maschmeyer oder der AWD nicht mit einigen Statements ihre Bereitschaft zum Dialog demonstrierten, zumal die Vorwürfe entkräftbar waren. Ob sie Lütgert ein Interview verweigerten, wie der NDR sagt, oder ob sie keine konkreten Fragen gestellt bekamen, ist umstritten. Jedenfalls bemühte sich Maschmeyer nicht um eine eigene Darstellung der Dinge – sondern ließ die Juristen von der Leine.

Anwalt Prinz erwirkte sieben einstweilige Verfügungen auf Unterlassungen. Damit adelte Maschmeyer einen Beitrag, der sich sonst wahrscheinlich „versendet“ hätte. Beobachter behaupten, der NDR-Reporter habe seinen Bericht schon damals in die ARD hieven wollen, die Programmkommission habe ihn aber wegen dünner Faktenlage ins Dritte geschoben. Erst nach den Einschüchterungsversuch habe die ARD entschieden, erneut einen Beitrag über Maschmeyer zu senden – Mitte Januar im Ersten.

Dem widerspricht Dietmar Schiffermüller, Redaktionsleiter von „Panorama – die Reporter“: „Der Film war für den NDR geplant, qualitative Zweifel gab es nie.“ Grund für den neuen Beitrag seien „überragende Zuschauerreaktionen“ gewesen – nicht die rechtliche Auseinandersetzung.

Noch vor der Januar-Sendung zündete Medienanwalt Prinz die nächste Eskalationsstufe: Er schickte ein 61-seitiges Fax an alle ARD-Intendanten und beschwerte sich, sein Klient habe keine Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten.

AWD-Kommunikator Anda lässt durchblicken, dass er seinem früheren Chef nicht zur Konfrontation geraten hat, will sich aber nicht zu sehr distanzieren: „Herr Maschmeyer hat sich nach Beratung von Herrn Prinz zu juristischen Schritten entschieden. Wenn jemand in so einer reißerischen Machart angegangen wird, habe ich dafür persönlich Verständnis.“

Anda sitzt in der Sache zwischen den Stühlen, weil er noch unter Maschmeyer Kommunikationschef wurde und sich stark um dessen Personality-PR kümmerte. Aus dem AWD ist Maschmeyer ausgeschieden. Er ist seit 2009 Mitinhaber des Mutterkonzerns Swiss Life und sitzt dort im Aufsichtsrat. Deswegen verweist Anda darauf, er habe sich mit seinem ehemaligen Chef nur „über AWD-Dinge ausgetauscht“. Allerdings erfolglos: Der Gründer scheint sich nur noch um sein eigenes Bild in der Öffentlichkeit zu kümmern. Dass dabei auch die Reputation des AWD leidet, ist Maschmeyer anscheinend egal.

Widerruf

Auf der Internetseite www.prmagazin.de haben wir in dem Artikel mit der Überschrift „Selbstdemontage“ behauptet:

1. „Als Folkert Mindermann kurz nach der Jahrtausendwende Kommunikationsberater des AWD wurde, warf er als eine der ersten Handlungen den Anwalt aus dem Unternehmen, […] Matthias Prinz.“

2. „Weniger Stunden vor der Ausstrahlung [einer ARD-Sendung vom 12.01.2011] versuchte der Anwalt [Prof. Dr. Matthias Prinz], diese per einstweiliger Verfügung zu verhindern – erfolglos.“

Diese Behauptungen widerrufen wir hiermit als unwahr.

1. Herr Prof. Dr. Matthias Prinz ist weder vom AWD noch von Folkert Mindermann „aus dem Unternehmen“ geworfen worden. Zu keinem Zeitpunkt wurde ein mit dem AWD bestehendes Mandatsverhältnis gekündigt.

2. Herr Prof. Dr. Matthias Prinz hat nicht „erfolglos“ versucht eine Sendung vom 12.01.2011 vor Ausstrahlung „per einstweiliger Verfügung zu verhindern“. Vor der Sendung ist kein Verfügungsantrag gestellt worden.

Sollte der Eindruck entstanden sein, Herr Prinz habe sein Mandat verloren, möchten wir uns hiermit dafür entschuldigen. Dieser Eindruck ist falsch.

Richtig ist jedoch, dass vor allen Dingen Herr Mindermann die Konflikte des AWD mit diversen ARD-Anstalten befriedete. So schreibt uns der WDR: "Die Einschaltung des damaligen Kommunikationsberaters beim AWD Folkert Mindermann war maßgeblich für die umfassende und prozessbeendende Vergleichsvereinbarung."

 

Rommerskirchen GmbH & Co. KG

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