Detailinformationen

Autor

Antje Neubauer

verfasst am

06.05.2020

im Heft

05/2020

Schlagworte

Antje Neubauer, Standpunkt, Krise, Corona, Leadership, Teamaufstellung, Social Me

Das aktuelle Heft
Ausgabe 05/2020

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Standpunkt

Wenn die Welt Kopf steht

(Illustration: Марина Ватазина/Adobe Stock)


In der Krise müssen Manager 100 Prozent ihrer Zeit in Leadership investieren. Dann sind heterogene Teamaufstellungen ein Erfolgsfaktor, geben Stabilität und Sicherheit. Und „Social Me(s)“ sorgen mehr denn je für Orientierung. Das gilt nicht nur in Corona-Zeiten. Der Standpunkt von Antje Neubauer, bis September 2019 Leiterin Marketing & PR bei der Deutschen Bahn und aktuell in Auszeit.


Der Januar und die Folgewochen 2020 stellten alles seit dem Zweiten Weltkrieg Dagewesene auf den Kopf.
Der Ausbruch von Covid-19 entwickelte sich weltweit zur Pandemie. Die Politik, die Wirtschaft, die Medien – wir alle kannten kaum noch ein anderes Thema. Viele Regierungen verordneten klare und strikte Verhaltensregeln. 

Alle, denen die Möglichkeit eingeräumt wurde, arbeiteten von zu Hause aus. Homeoffice per Verordnung, von Montag bis Freitag. Im ersten Moment hört sich das toll an: Fünf Tage die Woche arbeiten in der Sonne, gechillt in Jogginghose auf dem Balkon. Doch die Realität sieht natürlich anders aus.  

Erfolgreiche Führung und Zusammenarbeit sind auf den Kopf gestellt. Plötzlich ist Full-time-Führung gefragt. Plötzlich braucht es erfahrene Mitarbeiter, wirkliches Vertrauen ineinander, einen Teamkodex und Homeoffice-Leitlinien. Und es braucht Vorbilder, die ehrlich und authentisch in Echtzeit mit uns kommunizieren.


Antje Neubauer meint: Jetzt braucht es
einen wertegetriebenen und
vertrauensvollen Führungsstil, der
Verlässlichkeit vorlebt und die Bedürfnisse des
anderen sieht.


Aber wie etabliert man – wenn noch nicht geschehen – ad hoc eine neue Kultur der Zusammenarbeit? Wie stellt man einen regelmäßigen Informationsaustausch und Kollaboration sicher? Schließlich finden Kommunikation und Austausch nicht mehr automatisch statt. Wie geht man adäquat mit Sorgen oder Falschinformationen um? 

Wie sorgt man weiterhin für ein gesundes Maß an Wertschätzung, Freude an der Arbeit und Spaß im Team? Wie verhindert man Konflikte und Missverständnisse, die durch Mangel an persönlichem Austausch und Begegnungen entstehen, und wie klärt man Missverständnisse ohne ein persönliches Gespräch bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee? Wie schafft man es, die Menschen unterschiedlich anzusprechen und individuell zu unterstützen? 

Jeder Mensch reagiert auf Krisensituationen anders, jeder befindet sich aufgrund von Persönlichkeit und Erfahrungen emotional in seiner individuellen Gefühlsphase. Wie kann also eine Führungskraft ihrer Rolle – nämlich „führen mit Kraft“ – gerecht werden? Und wie können Teams unter diesen Voraussetzungen wertschätzend interagieren und erfolgreich wirken? 

Ein hierarchischer Führungsstil, der mit Macht, Angst, Herrschaftswissen und politischen Spielchen arbeitet, hat in diesen Zeiten keine Chance auf Erfolg, sondern gehört komplett abgeschafft. Spätestens jetzt gilt es, Führung ernst zu nehmen, auch wenn es häufig anstrengend und nervenzehrend ist. Man kann sie nicht mehr neben den operativen Aufgaben „mit managen“. 

Gefragt sind Manager, die sich Zeit für Führung nehmen, zu ihren Werten stehen, diese leben und dabei authentisch bleiben. Jetzt braucht es einen wertegetriebenen und vertrauensvollen Führungsstil, der Verlässlichkeit vorlebt und die Bedürfnisse des anderen sieht. 

Fehlende Präsenz durch vermehrte Kommunikation auszugleichen, ist enorm wichtig, aber kein Automatismus. Es gehört zu den Aufgaben von Führungskräften, den Austausch nicht nur zu fördern, sondern auch zu strukturieren und zu initiieren. Dennoch ist es wesentlich, dass auch Mitarbeiter Eigeninitiative ergreifen. Gespräche zwischen „Tür und Angel“ finden leider nicht mehr statt und können nur mit aktiver Kommunikation kompensiert werden. Man muss den Hörer in die Hand nehmen, den Austausch suchen und fordern. Es ist also ein Geben und Nehmen. 

Klar ist: Die geforderte Selbstorganisation ist anspruchsvoll, muss gelernt werden und wird nicht von jedem geschätzt. Aber sie ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Zusammenarbeit über Distanzen. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Mai-Ausgabe des prmagazins, warum heterogene Teams in der Krise den Unterschied machen und wie glaubwürdige „Social Me(s)“ Orientierung und Hoffnung geben können.

Die prmagazin-Ausgabe 05/2020 – darin unter anderem:

Sparkasse Reloaded:
 Der DSGV hat seine Kommunikation grundlegend neu organisiert. In der Corona-Krise hat sich das bereits bewährt.

"Die Aufregung legt sich einfach nicht": Covid-19 bringt das Kommunikationsteam der Uniklinik Freiburg an die Belastungsgrenze.

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