Detailinformationen

Autor

Barbara Schädler

Gründungsmitglied GWPR, Leiterin Communications & Political Affairs E.ON

verfasst am

11.03.2019

im Heft

03/2019

Schlagworte

Standpunkt, Barbara Schädler, GWPR, E.ON, Frauen

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Ausgabe 03/2019

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Standpunkt

Mut und Freiheit


(Illustration: Elena/Fotolia.com)


Leistung allein genügt nicht, damit Frauen in Führungspositionen aufsteigen. Denn die Arbeitswelt wurde über Jahrtausende männlich geprägt. Barbara Schädler, Vorstandsmitglied des Vereins Global Women in PR (GWPR) und E.ON-Kommunikationschefin, meint: Um sich Macht anzueignen und erfolgreich zu sein, brauchen Frauen mehr Mut – und mutige Entscheidungen setzen Freiheit voraus.


Warum schreibe ich über Mut und Freiheit, wenn ich über Frauen in Kommunikationsberufen und über Frauen in Kommunikationskarrieren reden möchte? Die Antwort ist einfach: Ich glaube, dass insbesondere Frauen in allen, speziell aber in unserem so öffentlichen Beruf beides benötigen: Mut und Freiheit. Nur wenn uns diese beiden Haltungen auszeichnen, können wir wirklich gut und erfolgreich sein.


Barbara Schädler: Frauen müssen besser sein, um zu führen. Nicht wie ein Mann, sondern wie eine hervorragende Frau.


Warum Mut? Zum einen weil in unserem Beruf heute weniger denn je Standardkommunikation mit Standardthemen auf Standardkanälen funktioniert. Und zwar in dem Sinn, dass wir die Menschen erreichen, die wir als Kunden oder als sogenannte interessierte Öffentlichkeit erreichen möchten und müssen. 

Unsere Welt ist überflutet von Informationen, von Unterhaltung und von News, die kommen und gehen. Ob Mann oder Frau: Wir alle sehen, wie wenig wir in der Lage sind, für uns persönlich zu entscheiden, was davon relevant ist und was wir einfach ignorieren können.

Als Kommunikatorinnen und Kommunikatoren müssen wir diese Entscheidung nicht nur für uns selbst, sondern für zum Teil große Organisationen treffen. Mehr noch: Wir müssen aus all dem, was unser Unternehmen, unsere NGO oder unsere Verwaltung glaubt kommunizieren zu müssen, dasjenige aussortieren, was kaum jemanden interessiert, und den Rest so interessant machen, dass die nur wenige Sekunden lange Aufmerksamkeitsspanne jedes Menschen uns nicht direkt aus dem Rennen wirft.

Das erfordert Mut, innovativ zu sein, und mehr noch: Mut, Risiken einzugehen. Es erfordert auch Mut, Dinge einfach zu tun, ohne die klassischen „Cover my Back“-Absicherungsmechanismen zu nutzen. 

Wir haben deswegen bei E.ON dem Social-Media-Team sehr große Freiheiten gegeben, Neues, Aufrüttelndes und Kontroverses zu tun – Kampagnen und Kommunikation, die nicht mal ich sehe, bevor sie auf Twitter, Facebook oder Instagram erscheinen. Das eine oder andere wird auch wieder zurückgezogen – aber die Ermutigung zum Mut und zum Übernehmen von Risiken bleibt. Generell glaube ich, dass es besser ist, einmal mehr um Verzeihung als einmal zu viel um Erlaubnis zu bitten. 

Meine Kollegen im Social-Media-Team haben 2018 Kampagnen gestartet, die für reichlich Engagement sorgten. Ein Beispiel: Das sogenannte TomorrowLab war eine freie Erfindung mit skurrilen Innovationen. Bildsprache, Tonalität und die Innovation an sich – von wärmespeichernden Pinguinen bis hin zu Pizzadrohnen – waren so verrückt, dass die User häufiger als sonst bei unseren Postings hängenblieben, kommentierten, teilten. Nicht wenige klickten auch auf den angegebenen Link, der zur TomorrowLab-Landingpage auf unserer E.ON-Website führte und dort unsere realen Innovationen präsentierte.

Ein TomorrowLab-Video mit einem stromerzeugenden Wackelpudding performte so gut und erzeugte einen derartigen viralen Buzz, dass YouTube es sogar eine ganze Woche in die Trending Videos aufnahm – ein digitaler Ritterschlag, den man sich auf der Plattform selbst für viel Geld nicht kaufen kann.

Unser zweites TomorrowLab-Video dagegen hat die Grenzen des guten Geschmacks aus Sicht vieler User offensichtlich überschritten. Vor allem das heimische WC-Biokraftwerk führte extern wie intern zu überdurchschnittlich vielen negativen Reaktionen, sodass wir uns entschlossen, es nach einem Tag vom Netz zu nehmen. 

Eine zweite, kleine Kampagne zum Weltfrauentag zeigte, wie stark Humor kulturell geprägt ist. Was in Deutschland gut ankommt, muss in England noch lange nicht auf Gegenliebe stoßen. Ein Posting, das aus einem textlastigen Bild bestand, stellte den Usern mehrere Fragen, beispielsweise: Ohne wen bekämen Sie keine Hemden gebügelt? Die mit einem Smiley begleitete Antwort lautete: „Strom, Sie Sexist!“

Der von zwei Kolleginnen verfasste Text performte auf unseren deutschen und den meisten internationalen Kanälen sehr gut – in Großbritannien war man dagegen „not amused“, weshalb das Posting dort auch wieder entfernt wurde. Aber wie gesagt: Auch solche Ereignisse führen nicht zu stärkerer Kontrolle oder einer Veränderung unserer kommunikativen Innovationsprozesse.

Mut benötigen wir auch in unserer Aufgabe als Berater unserer Vorgesetzten und Kollegen im eigenen Unternehmen. Wir müssen in der Lage sein, Hintergründe und Zusammenhänge zu verstehen. Wir müssen in der Lage sein, auch unserem CEO unangenehme Fragen zu stellen. Denn sonst werden wir unserer Aufgabe als „kommunikative Bodyguards“ nicht ausreichend gerecht. 

In der Kommunikationsbranche hat sich der eine oder andere Kollege „bemerkenswerten“ Aufgaben verschrieben: Gerüchte zu streuen, um dadurch Vorteile zu erlangen für die eigenen Kunden, gegenüber einem Konkurrenten, um einen Job oder einen großen Deal. Ich möchte es Euch und mir ersparen, in eine Diskussion über die ethische Bewertung dieser Handlungen einzutreten. Das ist hier nicht mein Thema, und die Bewertung versteht sich ohnehin von selbst. 

Aber was brauchen wir, um auch in solchen Situationen den besten Job im Sinne des Vorgesetzten und des Unternehmens zu machen? Mut! Denn nur wenn wir verstehen, was Fakt und was Fabel ist, können wir die passende Kommunikationsstrategie dazu entwickeln und umsetzen. Dafür aber müssen wir mit den Beteiligten sprechen und den Mut haben, all die (auch unangenehmen) Fragen zu stellen, die im normalen Berufsleben niemals angesprochen würden. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der März-Ausgabe des prmagazins, warum aus Sicht von Barbara Schädler besonders Frauen in Kommunikationsberufen Mut brauchen, um erfolgreich zu sein und in Leitungsfunktionen aufzusteigen, und was all das mit Freiheit zu tun hat.


Die prmagazin-Ausgabe 03/2019 – darin unter anderem:

Der Kaufmann: Harald Hamprecht profiliert sich bei Opel als Sparkommissar mit Leidenschaft für Prozessoptimierung und Effizienz.

"Compliance muss Freude machen": Sebastian Rudolph über das fünf Jahre währende US-Monitorship bei Bilfinger.

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