Detailinformationen

Autor

Christoph Hardt

Leiter Kommunikation, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

verfasst am

07.11.2019

im Heft

11/2019

Schlagworte

Christoph Hardt, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, GDV, Standpunkt, Newsroom, gesellschaftspolitische Debatte, Politik, Kommunikation

Das aktuelle Heft
Ausgabe 11/2019

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Standpunkt

Greta und der Newsroom

(Icon: skillsup1/Adobe Stock)


Ein Newsroom? Schön und gut. Aber das allein genügt nicht mehr, meint Christoph Hardt, Kommunikationschef des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Verbände müssen heute kampagnenfähig sein. Sonst finden sie in der aufgeheizten gesellschaftspolitischen Debatte kein Gehör mehr. Hardt fordert deshalb: Politik und Kommunikation müssen so eng vernetzt arbeiten wie nur möglich.


Das böse Mädchen. Ihr Blick. Greta vor der UNO, das Bild lässt mich nicht mehr los. Ein Stück Zeitenwende. Zwei Wochen später dann noch ein Empörungssahnehäubchen in Berlin obendrauf: die Blockaden von Extinction Rebellion am Potsdamer Platz, an der Siegessäule, der Jannowitzbrücke. Es folgten die sonderbaren Lobeshymnen der Süddeutschen Zeitung: „fruchtbarer Zorn“. Und natürlich die Hasskommentare von rechts außen: „wirre Endzeitsekte“. 

Offensichtlich ist hier vor allem die Wirkung. Der Aktivismus setzt zuallererst auf die Emotionalisierung des öffentlichen Diskurses und erzeugt im erhitzten Klima des zeitgenössischen Medienökosystems ein Höchstmaß an Erregung, zu den Rändern hin ansteigend.


Christoph Hardt: "Die Zusammenlegung
von Kernkompetenzen in einer Newsroom- Organisation ist nur der erste, sehr wichtige Schritt."


Wollen eine Branche und ihre Interessenorganisation in diesem Umfeld nicht aussichtslos in die Defensive geraten, reichen die alten Strukturen nicht mehr. Der Newsroom? Schön und gut, aber als reine Kommunikationseinheit nicht mehr genug. Es braucht eine möglichst enge Vernetzung mit der politischen Leitung als dem Kopf des Verbands, der ja an mancher Stelle sogar der Kopf einer ganzen Branche sein kann.

Verbände müssen kampagnenfähig sein und ihre Agenda intelligent verkaufen, im politischen Raum und in der medialen und allgemeinen Öffentlichkeit, so weit wie möglich aufeinander abgestimmt, koordiniert und damit schlagkräftig. 

Einer der für mich deutlichsten Belege für diese These war die Gründung der Bürgerbewegung Finanzwende durch den anerkannten, aber bisweilen höchst unbequemen Grünen-Politiker und Ex-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick. Zwar wirkte der Finanzexperte als Bundestagsabgeordneter mitunter provokativer als das im Moment im NGOKontext der Fall ist. Aber mal sehen, was noch alles kommt aus der Berliner Motzstraße – wo die Finanzwende jetzt tatsächlich zu Hause ist. 

Das Zusammenwirken von hoher politischer und fachlicher Expertise, verbunden mit reichlich Startkapital und einem breiten Kreis von Ratgebern und Experten, war schon Respekt einflößend. In jüngster Zeit hat die „Bewegung“ noch weitere Schwergewichte hinzugewonnen, unter anderem Britta Langenberg, die langjährige Versicherungsreporterin von Capital. Auch darin könnte man eine Zeitenwende sehen. Aus Journalisten werden jetzt nicht nur PR-Manager – sondern auch Campaigner. 

Mir ist vor Kurzem auch eine Stellenanzeige für einen neuen Campaigner bei campact aufgefallen. Die Agenda der auf gesellschaftspolitische Kampagnen konzentrierten NGO mit Sitz in Verden an der Aller reicht von Bienengift bis Hate Speech. Ganz aktuell vorn rangiert „Amazonas retten“. 

In der Online-Annonce sucht campact einen Menschen, dessen Kernkompetenz die „Zuspitzung“ von Kampagnenzielen ist. Gefragt ist zudem die Fähigkeit, „Strategien und öffentlichkeitswirksame Aktionsideen“ zu entwickeln. Das Ganze natürlich mit akademischem Hintergrund – vorausgesetzt werden ein abgeschlossenes sozialwissenschaftliches Studium und mehrjährige politische Kampagnenarbeit. So wachsen sprachmächtige und medial schlagkräftige Organisationen heran, die sich auf zugstarke Sujets wie selbstverständlich verstehen. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in unserer November-Ausgabe, warum der GDV-Newsroom vor der skizzierten Kulisse fast schon in die Jahre gekommen wirkt, wieso die in Verbandsorganisationen einzementierten Säulen von Politik und Kommunikation in der Greta-Ära von gestern sind und wie der Versichererverband auf die neuen Rahmenbedingungen reagiert.

Die prmagazin-Ausgabe 11/2019 – darin unter anderem:

Der Privatsekretär: Andreas Möller versteht sich als rechte Hand von Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller – kein ganz normaler PR-Job.

Ethischer Kompass: Die meisten Firmen nehmen ihre Werte nicht ernst – auch weil die Bedeutung von Compliance-Kommunikation unterschätzt wurde.

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