Detailinformationen

Autor

Oliver Santen

Leiter Kommunikation Bundesverband deutscher Banken

verfasst am

07.09.2020

im Heft

09/2020

Schlagworte

Oliver Santen, Bundesverband deutscher Banken, Standpunkt, Corona-Krise, Verbände, Digitalisierung

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Ausgabe 09/2020

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Standpunkt

Meine Lockdown Learnings

(Illustration: snopek/Adobe Stock)

Die Corona-Krise hat Veränderungen bewirkt, die stärker sind als wir. Wir haben es in der Hand, uns darauf einzustellen und uns weiterzuentwickeln. Was bleibt vom Digitalisierungs-Wumms 2020? Ein Standpunkt von Oliver Santen, Leiter Kommunikation beim Bundesverband deutscher Banken.


Am 10. März dieses Jahres wurde gegen 21 Uhr ein neuer Weltrekord aufgestellt. Und obwohl viele von uns dabei mitgeholfen haben dürften, wurde die Bestmarke im Verborgenen gerissen: Durch den größten Internetknoten der Erde in Frankfurt am Main strömten an diesem Frühlingsabend 9,1 Terabit pro Sekunde. Das entspricht zwei Milliarden beschriebener DIN-A4-Seiten – und das in jeder Sekunde. Noch nie war die Internetnutzung so hoch wie an diesem Dienstag.

Zentraler Auslöser dafür war die Corona-Pandemie, die Suche von Millionen Menschen nach Informationen, Unterhaltung und Austausch. Und das war nur der Beginn eines der größten Digitalisierungsschübe, die wir bislang erlebt haben – mit weitreichenden Folgen für die Art und Weise, wie wir kommunizieren, Medien nutzen, uns austauschen, arbeiten und digitale Dienstleistungen nutzen.


Oliver Santen: "Wenn es Verbänden nicht gelingt, sich zu verändern, werden die Mitglieder fragen: Wofür zahlen wir eigentlich Beiträge?"


Selten bin ich während meines Berufslebens so durchgeschüttelt worden wie in den letzten Monaten. Die Folgen der Pandemie sind schrecklich. Wir alle hoffen auf ein Medikament oder einen Impfstoff. Trotzdem hat es auch positive Seiten, wie sich unser Alltag und die Kommunikation fast über Nacht verändert und uns dabei vor neue Herausforderungen gestellt hat.

Lassen Sie mich ein paar Fakten über die Branche erwähnen, für die ich arbeite: Innerhalb weniger Tage waren im März deutlich mehr als 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allein bei den drei großen deutschen Privatbanken gezwungen, von zu Hause zu arbeiten. Ein technischer, regulatorischer und organisatorischer Kraftakt, den kaum jemand diesen Häusern zugetraut hätte. Gleichzeitig war der Beratungsbedarf von Millionen Bankkunden so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr.

Trotzdem hat es geklappt und über Monate funktioniert. Das Online-Banking erlebte innerhalb weniger Wochen beispiellose Zuwachsraten. Noch nie bezahlten so viele Verbraucher kontaktlos, noch nie wurden Apps der Banken so häufig und intensiv genutzt.

Zu Webcasts einer Investmentbank wählten sich mehr als 22.000 Firmenkunden ein. Ein anderes Institut steigerte die Zahl der internen wie externen Videokonferenzen von 7.000 im März auf mehr als 300.000 im Mai. Das Verhalten von Millionen Kunden hat sich gezwungenermaßen drastisch verändert – und es ist bekannt, wie langsam sich Verhaltensänderungen sonst durchsetzen.

Armin Nassehi, Soziologieprofessor und Digitalisierungsexperte der Ludwig-Maximilians-Universität München, sagt: „Wir haben uns an die Veränderungen gewöhnt, obwohl unser Gehirn relativ konservativ ist. Dabei war die Technizität der Schlüssel für den Siegeszug der Digitalisierung.“ Insbesondere in der digitalen Kommunikation habe sich bewährt, was praktisch ist.

Was bedeutet das alles für einen Verband? Extrem viel, denn Verbände verkaufen keine Autos, Software oder Möbel, sie haben nur die Kopfarbeit ihrer Experten anzubieten. Beim Bankenverband sind das Einschätzungen, Positionen, Kritik, Stellungnahmen zu allen Themen rund um Banken, Fintechs, Aufsicht und vieles mehr.

Auch wir mussten die Wirkung unserer gesamten Kommunikation im Lockdown und darüber hinaus hinterfragen und neu bewerten. Denn wenn wir weiterhin unsere Zielgruppen erreichen und an den relevanten Debatten aktiv teilnehmen wollen, müssen wir uns auf neue Gegebenheiten einstellen. Wir mussten umdenken und werden das weiter tun.

Verbände sind in einer scheinbar komfortablen Situation. Sie werden nicht von neuen Wettbewerbern angegriffen, ihr Geschäftsmodell wird nicht infrage gestellt, und die Produkte sind keinem Verdrängungswettbewerb ausgesetzt. Diese Position ist aber trügerisch. Denn wenn es Verbänden nicht gelingt, themenorientierte Plattform und wirkungsvolles Sprachrohr für ihre Branche oder ein übergeordnetes Thema zu sein, werden auch die Mitglieder genau hinschauen und fragen: Wofür zahlen wir eigentlich Mitgliedsbeiträge? Wollen wir uns das noch leisten? [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der September-Ausgabe des prmagazins, was Oliver Santen in der Corona-Kirse im Detail gelernt hat und wie sich die Kommunikation der Verbände verändern muss, damit die Interessenvertretungen für die Mitglieder auch in Zukunft noch einen Wert haben.

Die prmagazin-Ausgabe 09/2020 – darin unter anderem:

Der Techniker:
Kurz vor der Corona-Krise hat Martin Kunz den Umbau der ADAC-Kommunikation abgeschlossen – gerade noch rechtzeitig.

Tönnies: André Vielstädte über eine riesige Lust am Skandal, Konditionsprobleme in der Dauerkrise und die Prominenz seines Chefs.

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