Detailinformationen

Autor

Peter Szyszka

Leiter Forschungsinitiative Beziehungskapital, Hochschule Hannover

verfasst am

03.04.2020

im Heft

04/2020

Schlagworte

Peter Szyszka, Hochschule Hannover, Nachhaltigkeit, Beziehungskapital, Kommunikationsmanagement, Stakeholder-Management, Kommunikations-Controlling, PR, Public Relations

Das aktuelle Heft
Ausgabe 04/2020

Zum Inhalt

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Standpunkt

Nachhaltigkeit – eine Stellvertreterdebatte

(Illustration: cienpiesnf/Adobe Stock)


Peter Szyszka, Leiter der Forschungsinitiative Beziehungskapital an der Hochschule Hannover, sieht die PR-Branche vor einem doppelten Paradigmenwechsel: Aus einem vorwiegend auf Publika bezogenen Kommunikationsmanagement muss ein weiterreichendes Stakeholder-Management und dann ein soziales Risk-Management werden. Über Nachhaltigkeit als Megatrend und den Wandel von Kommunikations-Controlling und PR.

Auf den ersten Blick scheint es vor allem eine steile Themenkarriere: Gerade mal 25 Monate und ein Tag liegen zwischen Greta Thunbergs erstem Schulstreik in Schweden und der Spitzenposition von Klimawandel und Nachhaltigkeit auf der Agenda des Weltwirtschaftsforums in Davos. Entstanden ist eine weltweite Protestbewegung, die sich nicht nur öffentlich artikuliert, sondern auch merklich die Faust in der Tasche ballt. Wie anders ist es zu verstehen, wenn sich Unternehmen wie Siemens oder der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock pro Klimaschutz und Nachhaltigkeit positionieren? 

Schon der zweite Blick enthüllt: Die Nachhaltigkeitsdiskussion ist keine „Blase“. Sie ist Synonym für eine über nationale Grenzen hinweg reichende gesellschaftliche Unzufriedenheit mit den Ausrichtungen von Wirtschaft und Politik. Klimawandel und Klimaschutz entpuppen sich als Bewusstseinstreiber. Sie lenken den Blick darauf, dass „Unternehmen lernen müssen, sich als Teil der Gesellschaft und des gesellschaftlichen Diskurses zu begreifen“, wie Thomas Voigt im Februar an dieser Stelle zu Recht festgestellt hat.


Peter Szyszka: Die Nachhaltigkeitsdiskussion ist Synonym für eine gesellschaftliche Unzufriedenheit mit den Ausrichtungen von Wirtschaft und Politik.


Das gilt nicht nur auf ökologischer und sozialer, sondern auch und gerade auf volkswirtschaftlicher Ebene. Wer Infrastrukturen nutzt, ohne adäquate gesellschaftliche Leistungsbeiträge ausweisen zu können, stellt die Legitimität seines Geschäftsmodells infrage. Es geht, mit Christof Ehrhart, um moralisch fundierte Haltungen von Unternehmensführung und Corporate Communication gegenüber der Gesellschaft (siehe Interview prmagazin 01/2020). 

Die Diskussion um Klimawandel und Klimaschutz hat dies an die Oberfläche gespült. Denn neu ist das Thema nicht. Schon aus den 1990er Jahren kennen wir Elkingtons Triple-Bottom-Line der Nachhaltigkeit, auf die sich die Wahrnehmung des Themas bis heute stützt. Knapp zwei Jahrzehnte CSR-Diskussion in der EU machen heute Nachhaltigkeitsberichterstattung für viele Unternehmen verpflichtend. Und im Integrated Reporting haben Unternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nach Lösungen zur Standardisierung finanzieller und nicht-finanzieller Berichterstattung gesucht. 

Nachhaltigkeit ist in diesem Prozess zu einem Megatrend geworden. Megatrends, das sind „Tiefenströmungen des Wandels“ (Zukunftsinstitut), die alle Ebenen der Gesellschaft durchdringen und diese langsam, grundlegend und langfristig verändern. Die Nachhaltigkeitsdebatte ist Indiz für gesellschaftliche Transformation. Dahinter verbergen sich Wünsche nach Verbindlichkeit, Beständigkeit und Zukunftsfähigkeit. Öffentlich gemacht hat dies partizipative Kommunikation als jüngste Stufe gesellschaftlicher Mediatisierung. Erst sie ermöglicht Zugang, Austausch und Organisation rund um Themen – und das mit all deren Folgen. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der April-Ausgabe des prmagazins, wieso wir aus Sicht von Peter Szyszka lernen müssen, noch konsequenter zwischen Kommunikation(en) und Kommunizieren zu unterscheiden, weshalb Beziehungsqualität dabei die Leitwährung sein muss und warum soziales Risk-Management damit zur Managementfunktion wird.

Die prmagazin-Ausgabe 04/2020 – darin unter anderem:

"Wie ein Flugzeug, das nicht landen kann": Holger Wormer von der TU Dortmund über Medien und Kommunikation in der Corona-Krise.

Bilanzpressekonferenzen 2020: Ab März verlegten Unternehmen ihre Jahres-PKs reihenweise ins Netz. Eine Blaupause für die Zeit nach der Krise?

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