Detailinformationen

Autor

Sascha Pallenberg

Head of Digital Transformation, Daimler

verfasst am

07.01.2019

im Heft

01/2019

Schlagworte

Sascha Pallenberg, Daimler, Standpunkt

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Ausgabe 01/2019

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Standpunkt

Zurück zum Human Factor

(Illustration: aelitta/iStock.com)


Die Dynamik im Internet wirft Strategien über Nacht über den Haufen. Bots verfälschen Zahlen, Interaktionen und Signale aus Social Media. Moderne Unternehmenskommunikation befreit sich von der Like- und Share-Sucht, meint Sascha Pallenberg, Head of Digital Transformation bei Daimler. Ein Plädoyer für zeitgemäße KPIs, eine Rückbesinnung auf die eigene Homepage und mehr echten Dialog.


Was hat sich in den letzten Jahrzehnten Unternehmenskommunikation eigentlich verändert? Aus den in den 1930er Jahren eingeführten Fernschreibern wurden Faxgeräte, und mit der Einführung des Farbfernsehens sah man auch ab und zu mal einen Unternehmenssprecher vor den Nachrichtenkameras der weltweiten Sender.

Aber im Großen und Ganzen scheint sich die PR, zumindest wenn wir die externe betrachten, auf einem ähnlichen Stand wie vor 20 oder gar 30 Jahren zu befinden. Ok, fast! Ohne erneut das große „Das Netz hat ja wirklich alles verändert“-Fass aufmachen zu wollen, so muss ich dem natürlich zustimmen.


Sascha Pallenberg: "Im Großen und Ganzen scheint sich die PR, zumindest die externe, auf einem ähnlichen Stand wie vor 20 oder gar 30 Jahren zu befinden."

Wenn Distributionskanäle nicht mehr aus Evolutionsstufen von Morsegeräten bestehen, sondern auf einmal die Möglichkeit geben, zu jeder Tages- und Nachtzeit Bewegtbild in Ultra-HD-Auflösungen zu versenden, dann dürfte auch dem letzten Freund von Druckplatten klar werden, dass wir uns in einem völlig neuen, weitaus komplexeren Zeitalter befinden!


Rise and Fall

Facebook, LinkedIn, Twitter, YouTube, Instagram ... Die Plattformökonomie hat uns neue Netzwerke beschert, welche durchaus den einen oder anderen PR-ler überfordern können, der sich noch an das Testbild nach Sendeschluss erinnern kann. Also genau die grafische Offenbarung für Tinnitus-Patienten, die immer nach Hans-Joachim Kulenkampffs letzten und immer wieder inspirierenden „Nachtgedanken“ ausgespielt wurde.

Und jetzt? Beschallung rund um die Uhr. 24/7 Inhalte über alle Kanäle, die zur Verfügung stehen. „Snapchat? Da müssen wir doch auch dabei sein? Musica.ly? Hat das Marketing schon eine Strategie parat? Halt, nein – nennt sich jetzt eh TikTok und ist eher für die Zielgruppe U15!“

Da reden wir also gerade einmal von einer Handvoll neuer Plattformen und Kanäle, die befeuert werden können, und vergessen nur allzu oft die Dynamiken selbiger. Der Auf- und Abstieg von Netzwerken wie MySpace oder Google+ werden keine Einzelfälle bleiben. Und die Tatsache, dass der ultimative Suchmonopolist Google ein soziales Netzwerk in den Sand setzen kann, sollte jedem Kommunikator vor Augen führen, dass ein „Too big to fail“ kein in Stein gemeißeltes Gebot ist.

Angesichts der jüngsten, massiven Datenskandale ist es durchaus vorstellbar, dass auch Netzwerke wie Facebook irgendwann einmal auf dem Abstellgleis geparkt werden. Hier muss man Google zumindest die hauseigene Konsequenz zugutehalten. Wenn ein Moonshot-Projekt nicht mehr funktioniert, dann ziehen die Mountain Viewer wirklich den Stecker. Und vor allen Dingen dann oft auch lange bevor die Plattform als digitaler Zombie durch die letzten Server-Farmen dieses Planeten wandert. Übrigens ein Tod, den man der ehemals so erfolgreichen Plattform MySpace auch gewünscht hätte.


Tools/Plattformen versus Owned Media

Jetzt mag sich der geneigte Leser fragen, was denn all das mit progressiver und zeitgemäßer Unternehmenskommunikation zu tun hat und ob dies eine eher fatalistische Abhandlung zu sozialen Netzwerken wird. Fast! Mir ist es vor allen Dingen erst mal wichtig, die Dynamiken im Netz zu beschreiben. Klarzumachen, wie schnell eine Kommunikationsstrategie über den Haufen geworfen werden kann, weil ein hunderte Milliarden schweres Unternehmen aus dem Silicon Valley mal eben einen Algorithmus ändert oder diesen gar ganz abschaltet. 

Jetzt bin ich wahrlich kein Versicherungsfachmann, aber eine Police, die ein Unternehmen genau vor diesem Fall schützt – mir ist Derartiges bisher nicht untergekommen. Und so kann man dann zusammen mit der gesamten COM-Belegschaft den getätigten Investitionen einfach nur noch hinterherwinken: „Das gab’s nur einmal, das kommt nicht wieder.“

Moderne Unternehmenskommunikation befreit sich von den Fesseln der sozialen Netzwerke und ist immun gegen das schleichend einsetzende, digitale Stockholm-Syndrom, welches die „Like- und- Share-Economy“ in den letzten Jahren durch die PR-Offices getrieben hat.

Die Googles, Facebooks und LinkedIns dieses Planeten mögen uns zwar mit immer neuen Rekordergebnissen begeistern, nur wie valide sind diese denn wirklich? Gibt es im Zeitalter der Bots nicht bereits jetzt diese Vorahnung, dass all die Likes und Views auf die zum Teil teuer produzierten Inhalte nicht mehr als heiße Luft aka Fake sind? In einer Welt, in der vermeintliche Intelligenzen mittlerweile so ausgeklügelt Interaktion vortäuschen können, dass eine künstliche Google-Stimme selbstständig via Telefonanruf einen Frisörtermin ausmachen kann ... Wie wertvoll sind die Zahlen, Interaktionen und Signale aus sozialen Netzwerken da noch?

[...]

Dieser Text ist ein Auszug. Den kompletten "Standpunkt" von Sascha Pallenberg lesen Sie in der Januar-Ausgabe des prmagazins. Darin erklärt er, wieso moderne Kommunikation ihre Ergebnisse auch bezüglich des „Human Factors“ auswerten und ranken muss, weshalb das am besten auf der eigenen Homepage funktioniert – und warum all das trotzdem kein Abgesang auf Social Media ist.

Die prmagazin-Ausgabe 01/2019 - darin unter anderem:

Der Architekt: Constantin Birnstiel baut beim Darmstädter Dax-Konzern Merck Strukturen und Prozesse um.

Back to Human Factor: Sascha Pallenberg plädiert für ein Ende der Like- und Share-Sucht, zeitgemäße KPIs und mehr echten Dialog.

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