Detailinformationen

Autor

Sina Wellschmiedt

Group Director People & Organization Hirschen Group

verfasst am

09.03.2020

im Heft

03/2020

Schlagworte

Sina Wellschmiedt, Hirschen Group, New Work

Das aktuelle Heft
Ausgabe 03/2020

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Standpunkt

Effizienz ist nicht alles

(Illustration: serkorkin/Adobe Stock)


Digitalisierung, Automatisierung, gesellschaftlicher Wandel und Künstliche Intelligenz zwingen uns dazu, Arbeit neu zu denken. Doch zu oft verharren Organisationen unter dem Deckmantel von „New Work“ in Denkmustern des Industriezeitalters. So wird die „gute Arbeit“ zur Mogelpackung, die keinen nachhaltigen Business-Erfolg bringen kann, argumentiert Sina Wellschmiedt, Group Director People & Organization der Hirschen Group.


Fritjof Bergmann predigt seit den 1970er Jahren: „New Work ist eine andere Art, Arbeit zu organisieren. Die Absicht ist, Arbeit so zu organisieren, dass sie nichts Gezwungenes ist, sondern man Arbeit tut, die man wirklich, wirklich will.“ Diese Definition ist Bergmanns Antwort auf die sich verändernden Umstände beim Übergang vom Industriezeitalter zur globalisierten, digitalisierten Welt. Weg von klassischer Lohnarbeit in festen Hierarchiestrukturen, hin zu mehr Selbstbestimmung, Freiheit und Teilhabe in der Wissensgesellschaft.

Und heute? Homeoffice? Gar kein Problem. Flexible Arbeitszeiten? Selbstverständlich. Und natürlich haben wir hier auch alle echt viel Spaß bei der Arbeit. Wir machen ja New Work. Unter diesem Deckmantel gehören dann auch Bio-Obst, bunte Sitzsäcke und Verständnis für Kinderkrankentage zum Paket des „neuen Arbeitens“. Sogar einen vermeintlichen Purpose gibt es jetzt überall – sorry für die Buzzword-Klischeeparade. Aber was hat das wirklich mit dem zu tun, was Frithjof Bergmann unter New Work versteht?


Sina Wellschmiedt: "Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch Eigenantrieb mitbringt. Vorausgesetzt, er tut das für ihn einigermaßen Richtige."


Hier kommt ein häufiger Denkfehler ins Spiel: Moderne Managementmethoden und Agilitätskonzepte allein sind nicht das neue Arbeiten, das wir brauchen. Ohne Menschen, die intrinsisch motiviert ihrer Arbeit nachgehen, fehlt eine entscheidende Komponente für zukünftigen Unternehmenserfolg. 


New Work ≠ Effizienz

Viel zu oft wird New Work noch mit Effizienzsteigerung gleichgesetzt: Wie können wir die Leute noch sinnvoller einsetzen? Aus größtmöglicher Flexibilität für Arbeitnehmer erwächst die Erwartungshaltung, dass Mitarbeitende ebenfalls eine total hohe Flexibilität für die Bedürfnisse des Unternehmens mitbringen.

Es wird erwartet, dass die Mitarbeiter glücklich sind, wenn sie im Homeoffice arbeiten dürfen. Dafür sollen sie dann bitte auch um 22 Uhr noch Mails beantworten. Denn dem Kunden hat man noch mehr Flexibilität und noch bessere Erreichbarkeit versprochen.

Auch agile Konzepte rund um Scrum und Co werden zu oft mit New Work gleichgesetzt, dabei sind sie in erster Linie Projektmanagement-Tools und sagen nichts darüber aus, ob die Arbeit für Mitarbeitende sinnstiftend ist. Natürlich müssen die Bedürfnisse von Arbeitgeber und Arbeitnehmern im Gleichgewicht sein. Jedoch werden sie viel zu selten ehrlich auf Augenhöhe diskutiert und umgesetzt.

Auch individuelle Bedürfnisse finden oft nicht genug Beachtung. Nicht zu jedem passt das zeitlich und räumlich flexible Arbeiten. Manche Menschen brauchen klare Strukturen, fühlen sich jedoch im New-Work-Hype gezwungen, das Gegenteil toll zu finden.

Darüber hinaus: Glauben wir wirklich, dass wir mit Effizienz und Tempo allein noch weit kommen? Wir wissen doch längst, dass diese Kategorien des Industriezeitalters nicht mehr die wichtigste Währung für Erfolg sind, sondern dass sie die Ansprüche an zukünftige Arbeit verkennen. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der März-Ausgabe des prmagazins, wie Sina Wellschmiedt die künftige Rollenverteilung zwischen Mensch und Maschine sieht – und wieso ein richtig verstandenes New-Work-Konzept automatisch zu mehr Effizienz führt.

Die prmagazin-Ausgabe 03/2020 – darin unter anderem:

Der Teamplayer:
 Eike Kraft löst bei der Unternehmensberatung Roland Berger Disziplingrenzen und Hierarchien auf.

"Dann tut sich hier die Hölle auf": Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe ist als Pressesprecher für die VW-Dieselverfahren zuständig.

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