Detailinformationen

Autor

Tijen Onaran

Inhaberin startup affairs, Gründerin Global Digital Women

verfasst am

05.04.2019

im Heft

04/2019

Schlagworte

Tijen Onaran, startup affairs, Global Digital Women, Standpunkt

Das aktuelle Heft
Ausgabe 04/2019

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Standpunkt

Jeder braucht ein "Social Me"


Der Aufbau einer eigenen Marke ist heute wichtiger denn je. Das heißt nicht, dass sich jeder eine Marketingstrategie zulegen muss, meint
Tijen Onaran. Die Inhaberin der Kommunikationsberatung startup affairs und Gründerin der Frauenvereinigung Global Digital Women erklärt im aktuellen prmagazin, wieso es genügt, sich ein paar wenige Fragen zu beantworten.


Als ich vor ein paar Monaten eines Morgens aufwachte
und einen ersten, flüchtigen Blick auf meinen Startbildschirm warf, erlitt ich einen kleinen Schock. Dort fand ich eine Benachrichtigung von Twitter, die lautete: „Elon Musk hat geantwortet“. Elon Musk hat bitte was?

Jetzt war ich wach. Die nächste halbe Stunde trafen die Twitter-Benachrichtigungen im Sekundentakt ein. Was war geschehen? Im Grunde nichts weiter, als dass ich am Abend zuvor ein Interview mit Elon Musk mit einem kurzen Kommentar geteilt hatte.


Tijen Onaran: "Wer nicht auf einer der Social-Media-Plattformen, mit einer eigenen Homepage, einem Blog oder in irgendeiner anderen Form im Internet präsent ist, ist in Zukunft benachteiligt."


Es sind Momente wie diese, die in Kürze das enthalten, was meiner Meinung nach einerseits die Bedeutung der Social Media insgesamt auf den Punkt bringt: Zu keiner anderen Zeit und mit keinen anderen Mitteln wäre es für mich möglich gewesen, eine Reichweite aufzubauen, die letzten Endes bis nach Palo Alto auf das Telefon von Elon Musk reichen kann.

Andererseits zeigt diese Episode aber auch etwas anderes ganz deutlich: Die Social Media leben von nahbaren Persönlichkeiten und nicht von klinischen Auftritten, die im schlimmsten Fall mehr verdecken als sie zeigen. Eine Lektion, von der gerade die Kommunikationsbranche etwas lernen kann.


Wer wir sind und, wenn ja, wie viele

In diesem Zusammenhang möchte ich gern vom „Social Me“ sprechen, das heute meiner Überzeugung nach jeder braucht. Unser Social Me ist unsere digitale Identität. Anders als unsere persönliche Identität ist unsere digitale Identität nicht einfach vorhanden oder für andere auf eine ähnliche Art wahrnehmbar, wie die Identität der analogen Welt. Unsere digitale Existenz müssen wir uns erarbeiten, und wir müssen sie bewusst gestalten.

Insbesondere der Aspekt eines ausgeprägten Bewusstseins dafür, was wir da eigentlich machen, wenn wir uns im Internet bewegen, scheint heute oft zu fehlen. Denn all unsere Aktivitäten im digitalen Raum hinterlassen Spuren, die letzten Endes auf uns selbst zurückverweisen. Jeder Like, jede Reaktion und jeder Post sind öffentlich und werden von anderen Menschen registriert. Das Social Me  ist die Summe aller unserer Aktivitäten im Netz.

Ob dabei ein stimmiges Ganzes entsteht, hängt ganz allein von uns selbst ab. Gerade darum müssen wir uns bewusst mit ein paar Fragen auseinandersetzen, die einfach klingen, deren Beantwortung es aber durchaus in sich haben kann: Was macht dich aus? Was prägt dich? Welche Themen interessieren dich, und wie kommunizierst du diese Themen? Nur wenn ich eine Position habe und sie unmissverständlich kommuniziere, kann das Konzept des Social Me funktionieren.

Da wir weder in der Schule noch an anderer Stelle darauf vorbereitet werden, wie beispielsweise die Social Media am besten eingesetzt werden oder wie wir uns im Internet selbst präsentieren, stellt die Erschaffung und Gestaltung eines  Social Me eine Herausforderung dar. Es ist aber auch eine unglaubliche Chance, die wir nicht verspielen sollten.


Dabei sein ist alles ... für den Anfang

Ich bin fest davon überzeugt, dass heute im Grunde jeder in irgendeiner Form im Netz vertreten sein muss. Der Blogger und Kommunikationsberater Daniel Mack brachte dies kürzlich auf den Punkt, als er sagte: „Wer nicht digital ist, ist nur bedingt existent.“ Längst richtet sich die olympische Maxime „Dabei sein ist alles“ nicht mehr nur an Politiker, CEOs oder Stars aus Film, Funk und Fernsehen, sondern wirklich an alle.

Wer nicht auf einer der Social-Media-Plattformen, mit einer eigenen Homepage, einem Blog oder in irgendeiner anderen Form im Internet präsent ist, ist in Zukunft benachteiligt – sei es bei der Gestaltung der eigenen Karriere, bei der Beeinflussung der öffentlichen Wahrnehmung der eigenen Person oder der Möglichkeit, selbst Themen zu setzen  Nur wer aktiv sein Social Me gestaltet, kann die Chancen, die sich damit verbinden, auch wirklich nutzen.

Das heißt aber auch, dass es um mehr geht, als nur darum, dabei zu sein. Beim Social Me geht es weder um Seelen-Striptease noch darum, uns selbst als Superhelden und Superheldinnen zu verklären. Es geht vielmehr darum, Gesicht zu zeigen. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in unserem April-"Standpunkt", wieso für Tijen Onaran das "Social Me" etwas anderes ist als Personal Branding, weshalb im Netz Menschen und nicht Unternehmen als Themenbotschafter auftreten sollten und was all das für das Employer Branding von Unternehmen bedeutet.

Die prmagazin-Ausgabe 04/2019 – darin unter anderem:

Die Change-Managerin: Der PR-Posten bei Axa Deutschland war als Schleudersitz berüchtigt. Silvana Herold schaffte den Neuanfang.

"Wir haben jetzt ein Wachstumsthema": RWE-Kommunikatorin Stephanie Schunck über „Hambi“ und die grüne Zukunft des Energiekonzerns.

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