Detailinformationen

Autor

Sarah Sommer

Freie Autorin

verfasst am

10.10.2019

im Heft

10/2019

Schlagworte

Stefanie Hansen, BP Europa, Mineralölindustrie, Unternehmenskommunikation

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Ausgabe 10/2019

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BP Europa

Die Standhafte


Stefanie Hansen arbeitete sich beharrlich nach oben. 1999 kam sie zu Aral, 2018 stieg sie zur Kommunikationschefin der Aral-Mutter BP für die DACH-Region auf. (Foto: Udo Geisler)


Stefanie Hansen kommuniziert seit 20 Jahren für den Mineralölkonzern BP Europa in Deutschland – mal mit angezogener Handbremse, mal mit Vollgas. Schritt für Schritt hat sie sich zur Kommunikationschefin hochgearbeitet. So beharrlich wie für ihre Karriere kämpft sie gegen das ewig gestrige Image des Tankstellen- und Raffineriegeschäfts, das viele als Verlierer der anstehenden Energie- und Mobilitätswende sehen wollen. 

Den Tankstellen in Deutschland steht eine großartige Zukunft bevor – davon ist Stefanie Hansen tatsächlich überzeugt. Denn wer dabei nur an Zapfsäulen für Diesel und Benziner denkt, der blickt nicht weit genug nach vorn, findet die Kommunikationschefin des Mineralölkonzerns BP in Deutschland. Schon bald könnten Tankstellen dynamische Drehscheiben für die Mobilität der Zukunft werden. Pendler könnten hier ihre Elektro- und Erdgasfahrzeuge aufladen und parken, um dann mit autonom fahrenden, von synthetischen Kraftstoffen betriebenen Shuttles, womöglich gar mit Flugtaxis, vom Tankstellen-Hub aus in die Innenstädte, Coworking-Spaces und Gewerbegebiete der Nation auszuschwärmen. 

Die Tankstelle der Zukunft als integraler Bestandteil der vernetzten Mobilitäts- und Energieinfrastruktur von morgen – das ist ein kommunikatives Lieblingsthema von Stefanie Hansen. Kein Wunder, bietet es der Kommunikationschefin doch die Chance, ein Kerngeschäft ihres Arbeitgebers, des britischen Mineralölkonzerns BP in Deutschland, in einem neuen, zukunftsgewandten und zeitgemäßen Licht zu präsentieren. „Unsere Kernbotschaft lautet: Unser Geschäft ist zukunftsfähig. Wir sind Teil des Wandels“, betont sie.

Hansen verantwortet seit dem Jahr 2015 die interne und externe Kommunikation des Unternehmens in Deutschland, 2018 übernahm sie dann die Kommunikation für die gesamte DACH-Region. Angefangen hat sie ihre Karriere vor 20 Jahren genau dort, wo sie jetzt die Zukunft verortet: Sie sprach für Tankstellen. 1999 begann sie beim deutschen Zapfhahn-Primus Aral als Pressesprecherin für die Wirtschaftspresse. „Als junge Frau im Mineralölkonzern war ich da noch ein Novum“, erinnert sie sich an ihren Einstieg in die als konservativ geltende Branche.

Kurz darauf wurde Aral zunächst an Veba Oel und im Zuge von dessen Fusion mit E.ON dann an die Deutschland-Tochter von BP verkauft – eine von vielen internationalen Akquisitionen des damals schnell wachsenden britischen Energieriesen. „Damit kamen wir als recht traditionelles deutsches Unternehmen in die große, internationale BP-Welt“, erinnert sich Hansen. 

Der neue Mutterkonzern hatte da gerade mit der Agentur Ogilvy & Mather ein spektakuläres, 200 Millionen Dollar teures Rebranding umgesetzt: Aus „British Petroleum“ wurde zur Jahrtausendwende „Beyond Petroleum“. Der Mineralölkonzern investierte in Solar- und Windenergieanlagen und wollte sich ein grüneres Image geben. „Der Wandel, in dem sich unsere Branche heute befindet, begann damals schon“, sagt Hansen. In Deutschland hingegen blieb zunächst Vieles beim Alten: Die Tankstellenmarke Aral bestand fort, ebenso die Motorölmarke Castrol. 

Die Arbeitsteilung ist seither klar: Die großen, strategischen Kommunikationsentscheidungen für die Marke BP kommen aus London. Das deutsche Kommunikationsteam setzt sie für den deutschen Markt um, begleitet den internen Kulturwandel und passt die Botschaften für deutsche Marken und Zielgruppen an. Gestaltungsfreiheit in der externen Kommunikation hat die 15-köpfige deutsche Kommunikationsmannschaft vor allem im B2C-Geschäft der Aral-Tankstellen und im B2B-Geschäft mit Flugbenzin und den Castrol-Schmierstoffen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kommunikation an den Raffineriestandorten in Gelsenkirchen und Lingen. 

Hansen hat im deutschen Kommunikationsteam viele Gelegenheiten genutzt, neue Projekte umzusetzen und mehr Verantwortung zu übernehmen, sagt sie. „Ein Wechsel nach London war für mich nie ein Thema, da ein Wechsel in die britische Kommunikation für Nicht-Muttersprachler vor allem in der externen Kommunikation nicht viel Sinn ergibt.“ In der recht kleinen deutschen Kommunikationsabteilung boten sich Aufstiegschancen derweil nur in kleinen Schritten. „Ich war aber mit Blick auf meine Karriere im Rahmen der Möglichkeiten schon zielgerichtet“, so Hansen. Sie hatte eine Leitungsposition im Sinn. 

2005 setzte sie unter dem damaligen Chef der externen Kommunikation, Ulrich Winkler, auch in Deutschland eine große Imagekampagne für den neuen Geschäftsbereich Erneuerbare Energien um. Ab 2007, als klar wurde, dass sich der BP-Konzern mit vielen seiner Investitionen in Wind und Solaranlagen übernommen hatte, begleitete sie kommunikativ den Konsolidierungsprozess. 

Diese Zeit hat Hansen geprägt. „Es wird ja heute oft gesagt, das sei damals alles nur Greenwashing gewesen und die Umbenennung in Beyond Petroleum ein Fehler“, erklärt sie. „Aber ich habe das immer als sehr ernsthafte, starke Vision dafür empfunden, wie wir trotz des steigenden Energiebedarfs die CO2-Emissionen reduzieren können.“ [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Titelgeschichte unserer Oktober-Ausgabe, wie die Havarie der Ölbohrplattform Deepwater Horizon die BP-Kommunikation ab 2010 erst einmal ausbremste, warum der Konzern erst jetzt, zehn Jahre später, mit einer großen Imagekampagne wieder in die Offensive geht – und wieso Journalisten dem Kommunikationsteam seine Zukunftsbotschaften nicht immer abnehmen.

Die prmagazin-Ausgabe 10/2019 – darin unter anderem:

Die Standhafte: Stefanie Hansen hat sich bei dem Mineralölkonzern BP Europa in zwanzig Jahren an die Spitze gearbeitet.

KI-Trenderkennung: Auch klassische Medienbeobachter nutzen verstärkt intelligente Crawler und Trendanalyse-Tools mit Künstlicher Intelligenz.

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