Detailinformationen

Autor

Sarah Sommer

Freie Autorin

verfasst am

05.02.2019

im Heft

02/2019

Schlagworte

Wolfgang Ainetter, Bundesverkehrsministerium, Andreas Scheuer, Neuigkeitenzimmer

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Ausgabe 02/2019

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Bundesverkehrsministerium

Der Chef-Reporter


Wolfgang Ainetter war auf dem Sprung ins Silicon Valley – und gab dann doch der Behörde von Andreas Scheuer den Vorzug. (Foto: Jan Zappner)


Dieselskandal und Maut-Streit, Funklöcher und Bahn – das sind nur einige der Brandherde, gegen die Wolfgang Ainetter als Sprecher des Bundesverkehrsministers kämpft. Mit der hierarchischen Struktur der Behörde fremdelt der frühere Bild-Journalist, der den Job im Frühjahr 2018 übernahm. Wohler fühlt er sich in seinem selbst gebauten „Neuigkeitenzimmer“.


Berlin, 6. März 2018. Wolfgang Ainetter ist gerade dabei, seine Koffer für einen Neuanfang zu packen,
als ein Anruf kommt, den er so gar nicht erwartet hat. Am anderen Ende der Leitung ist Andreas Scheuer, frischgebackener Bundesverkehrsminister – und fragt den damaligen Leiter der Bild-Regionalredaktionen, ob der sein Sprecher werden will.

Eigentlich sind die Ainetters und ihre beiden Kinder in den Reisevorbereitungen für einen sechsmonatigen USA-Aufenthalt. „Der Plan war, ab Ende März als Bild-Korrespondent aus dem Silicon Valley zu berichten“, sagt Ainetter, als das prmagazin ihn im Dezember 2018 im Bundesverkehrsministerium besucht. Die Familie packte die Überseekoffer kurzerhand wieder aus. Neun Tage nach dem Telefonat trat Ainetter seinen Dienst an. 

Der spontane Seitenwechsel des Boulevardprofis überrascht nur auf den ersten Blick. Verkehrsminister Scheuer pflegte schon als CSU-Generalsekretär eine enge Beziehung zur Bild-Zeitung. Der Politiker, der sich als Freund klarer Worte inszeniert, lieferte dem Blatt immer wieder Schlagzeilen. Die Bild betitelte „Andi“ Scheuer daher schon mal als „Brad Pitt der CSU“. Ainetter selbst hatte sich schon zuvor abenteuerlustig gezeigt, wann immer sich neue Herausforderungen boten. Zusätzliche Verantwortung, größerer Einfluss, mehr Gestaltungsmöglichkeiten? Da hat Ainetter nie Nein gesagt. 

Der Sprecher erklärt den Reiz seiner aktuellen Aufgabe so: „Ich war Journalist, seit ich 18 Jahre alt war. Journalismus und Politik – für beides habe ich schon immer gebrannt. Ich hätte zwar niemals gedacht, dass ich mal auf der anderen Seite sitze. Aber als das Angebot des Ministeriums kam, war für mich sofort klar: Das muss ich machen.“ Einmal noch näher ranrücken ans Zentrum der Macht, Nachrichten machen von der anderen Seite aus – da konnte Ainetter nicht widerstehen. Klar war für den Boulevardmann aber auch: Bei der Art und Weise, wie diese Nachrichten im Ministerium entstehen, wollte er einiges anders machen, als es bis dahin üblich war. 

Die massiven Veränderungen in der Mediennutzung treiben Ainetter um: „In den Nachrichtenredaktionen ist heute nichts mehr so wie zu der Zeit, als ich als Journalist angefangen habe. Die Auflage der Tageszeitungen in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren von 28 Millionen auf unter 16 Millionen geschrumpft, gleichzeitig sind 34 Millionen Menschen hierzulande auf Facebook.“ Seine Überzeugung: „Nicht nur Journalisten müssen darauf mit neuen Angeboten und Formaten reagieren. Die politische Kommunikation muss sich ebenfalls massiv verändern.“ 

Pressemitteilungen, die im Ministerium zwölf Abstimmungsstufen durchlaufen, bevor sie freigegeben werden – das sei nicht mehr zeitgemäß. „Die Kommunikation mit den Bürgern muss schneller und interaktiver werden. Die Geschichten, die wir erzählen wollen, müssen auf allen Kanälen stattfinden“, erklärt Ainetter. Das aber funktioniere nur, wenn sich die internen Strukturen ändern. „Ich bin also gleich nach dem Wechsel zum Chef gegangen und habe gesagt: Wir brauchen einen Newsroom.“ 


Beim prmagazin-Termin schaut Minister Andreas Scheuer im „Neuigkeitenzimmer“ vorbei. (Foto: Jan Zappner)


Für prmagazin-Leser mag das nicht gerade revolutionär klingen. 
In der Konzernwelt ist es längst Standard, Sprecher, Online- und Social-Media-Redakteure in ein Großraumbüro zu setzen, damit sie dort gemeinsam kanalübergreifend an Themen arbeiten. In Bundesministerien aber sind derlei Konzepte Neuland. Bei seinem Minister rannte Ainetter mit der Idee offene Türen ein – Scheuer ist Social-Media-Fan und wollte ohnehin mehr Geld in die Kommunikation stecken. Ainetter bekam nicht nur den Newsroom, er verfügt auch über deutlich mehr Budget als seine Vorgänger. Statt wie bislang eine Million Euro darf Ainetter im Jahr 2019 2,5 Millionen Euro für PR ausgeben. 

Der Newsroom-Gedanke muss bestechend anmuten aus Sicht eines Ministers, der sich mit Krisenthemen wie dem schwelenden Dieselskandal, der unpopulären Einführung einer Pkw-Maut, der notorisch verspäteten und pannenanfälligen Deutschen Bahn und einer Republik voller Funklöcher herumschlägt. 

Das Ministerium kann Geschichten direkter platzieren, es kann mit bunten Bildern und emotionalen Videos positive Themen spielen und sich im digitalen Austausch mit Bürgern via Social Media als transparent und zugänglich auch für Kritiker präsentieren. Scheuer will seine Behörde als Zukunftsministerium positionieren – und Ainetter die Storys dazu erzählen: Mobilität der Zukunft statt Dieselskandal. Flugtaxis statt Bahn-Dauerfrust. Digitalisierungs-Start-ups statt Funkloch-Ärger. 

Nur sieben Monate nach seinem Antritt konnte Ainetter mit Rückendeckung seines Chefs den Newsroom – bayrisch-heimatbewusst „Neuigkeitenzimmer“ getauft – in einem Raum im Erdgeschoss des Ministeriums eröffnen, der zuvor für Pressekonferenzen genutzt worden war. „Als ich anfing, gab es die beiden Abteilungen Neue Medien und Pressereferat, und die Mitarbeiter dieser Abteilungen waren durch zwei Eisentüren voneinander getrennt“, sagt Ainetter. „Das spiegelte sich auch in der Kommunikation. Es gab nur die gute, alte Pressemitteilung und dann noch etwa einmal pro Woche einen Feed für die sozialen Medien.“ [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Februar-Ausgabe des prmagazins, wie Wolfgang Ainetter die Kommunikation des Bundesverkehrsministeriums aus dem "Neuigkeitenzimmer" heraus organisiert, wie er den Vorwurf der "Wohlfühlkommunikation" pariert und warum er sich den Journalisten in der Bundespressekonferenz noch nie persönlich gestellt hat.


Die prmagazin-Ausgabe 02/2019 - darin unter anderem:

Chef-Reporter: Wie Wolfgang Ainetter aus seinem "Neuigkeitenzimmer" die Kommunikation des Bundesverkehrsministers steuert.

"Da wird viel Unsinn erzählt": Ein Jahr wie 2018 hat Alexander Wilke bei thyssenkrupp noch nicht erlebt. Ein Interview über Chaostage in Essen.

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