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Autor

Boris Glatthaar

Freier Autor

verfasst am

04.09.2018

im Heft

09/2018

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Ausgabe 09/2018

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Abos und Einzelhefte

Byton

Der Visionen-Verkäufer


"Autos zu verkaufen, die gut sind und die von den Kunden akzeptiert sind – das liegt noch vor uns", sagt Oliver Strohbach, Europa-PR-Chef von Byton.


Während Tesla durch ein tiefes Tal fährt, dreht der junge chinesische E-Autobauer Byton kommunikativ auf. Mit Blick auf die geplante Markteinführung Ende 2019 zieht Europa-PR-Chef Oliver Strohbach alle Register. Mit viel Experimentierfreude will er die Marke bekannt machen und Sympathie für den selbst ernannten „Game-Changer“ aufbauen. Das interessiert nicht nur Wirtschafts- und Automedien, sondern auch Tech-, Lifestyle-, Frauentitel und das Feuilleton.
 


Suchte man für eine Doku über ein digitales Start-up klischeebeladene Bilder, fände man Am Lenzenfleck in Ismaning bei München das perfekte Setting. In einem großen Raum mit Wintergarten sind vornehmlich junge Leute mit Laptops und Kaffee in Meetings vertieft, mal zu zweit am Stehtisch, mal in größerer Gruppe im stylischen Sitzbereich. Auf einem Designersessel hat es sich ein Mann mit zwei Smartphones bequem gemacht und tippt konzentriert erst auf das eine, dann auf das andere Gerät ein. Niemand in dem hellen Raum trägt Schlips und Anzug, typisch sind T-Shirts, luftige Kleidung und Sneakers. 

Die Arbeit, erfährt man, muss nicht stoisch von nine to five in dem zweigeschossigen Flachbau erledigt werden, der von außen schwarz angestrichen und vor wenigen Monaten mit einem Byton-Logo beschraubt wurde. Früher beherbergte die Immobilie einen Inneneinrichtungshandel und ein Designstudio. Seit dem Einzug des jungen chinesischen Unternehmens Byton sind dort die Designs und Konzepte von Elektroautos entstanden, die mit geplanter Markteinführung ab Ende 2019 nichts weniger als ein Game-Changer in der Automobilbranche sein sollen. 

Das jedenfalls sagt Diplom-Ingenieur Oliver Strohbach, der vor Kurzem noch auf sicherem Stuhl in der technischen Entwicklungskommunikation von Audi in Ingolstadt saß. Seit Jahresanfang leitet er die Europa-PR und die CEO-Kommunikation des chinesischen E-Mobility-Entwicklers Byton und hat nicht einmal mehr ein eigenes Büro. Für Gespräche, die im Teamraum nicht möglich sind, kann jeder das Zimmer von Byton-Mitgründer und -Chef Carsten Breitfeld nutzen. Und selbst dieser Raum ist nach Lage, Größe und Einrichtung eher Pförtner loge als Teppichetage – einfach und zweckmäßig.

Als er sich nach einem Gespräch mit „Carsten“, wie Strohbach den Byton-Boss nennt, entschieden habe, bei Audi aufzuhören, hätten seine Kollegen in Ingolstadt große Augen gemacht. „Momentan verdienen wir noch kein Geld“, sagt er über die erst 2017 gestartete Marke der chinesischen Future Mobility Corporation (FMC), die soeben die eigene Prototypenfertigung im neuen Headquarter im chinesischen Nanjing eröffnet hat.

„Wir leben von unseren Investoren, unserer Leidenschaft und von der Expertise", sagt Strohbach. "Das alles wirtschaftlich erfolgreich zu machen, Autos zu verkaufen, die gut sind und die von den Kunden akzeptiert und gewollt sind – das liegt noch vor uns. Das alles mitzugestalten und mitaufzubauen, ist für uns in der Kommunikation eine einmalige Chance.“ 

Seine Jobmotivation sei ohnehin nie finanzielle Sicherheit gewesen, sondern Erfüllung, und seine Partnerin sehe das glücklicherweise genauso. Inzwischen, sagt Strohbach, begegneten ihm frühere Kollegen mit viel weniger Skepsis und hörten gespannt zu, was sich bei ihm entwickle.

Strohbach ist ein freundlicher Typ, er trägt Sakko, das Hemd oben offen, wirkt lässig. Man würde ihn sofort duzen, wenn man ihn nicht geschäftlich, sondern bei einem seiner Hobbys träfe – auf der Enduro-Piste oder beim Mountainbiking entlang der Isar. Der Sport sei ihm wichtig, sagt der 40-Jährige, vom Körperbau sei er „eher Straßenbaumeister als Büromensch“. Strohbach powert sich aus, auch im Urlaub, als Backpacker zum Beispiel in Asien. 

Ist er nicht selbst aktiv, begeistern ihn Eishockeyspiele. Er ist Fan der Nürnberg Ice Tigers und der nordamerikanischen Liga-Clubs Tampa Bay Lightning und San Jose Sharks. Aus dem, was seine Freizeit bestimmt, sprechen Leistungsbereitschaft, Abenteuerlust, Freude an fremden Kulturen, Offenheit gegenüber anderen Menschen und wenig Interesse an Luxus. Strohbach scheint wie gemacht für einen Job in einem Start-up, das viel Arbeit, wenig Sicherheit, eine globale Vernetzung, erkennbar wenig Popanz und kaum spürbare Hierarchien bietet. 

Für die Stelle zog er zu seiner Partnerin nach München. Zuvor hatte er in Nürnberg gelebt und war zu Audi nach Ingolstadt gependelt – eine Zeit, die er als „eine der besten meines Lebens“ bezeichnet. Doch Byton sei so etwas wie ein „Magnet, der ganz viele Leute aus allen Bereichen anzieht“. 

Zum 1. August hat er als zweiten Mann und Manager Public Relations Europe Christian Günthner hinzugeholt, den ehemaligen Audi-Pressesprecher für Trends und Sport. Günthner hat bei dem Autobauer in Ingolstadt volontiert und war auch schon Pressereferent für die Arbeitnehmervertretung.

Byton nahm Fahrt auf zu einer Zeit, in der der erste helle Stern am Himmel der Elektromobilität schon wieder zu sinken drohte. Tesla hatte sich übernommen, die Produktion stockte, die Aktie fiel. Für die Marke, bis dahin in der traditionellen Presse ebenso gefeiert wie online, drehte sich der mediale Wind. Tesla-Chef Elon Musk, der soeben noch zur Jagd auf die klassische Automobilindustrie geblasen hatte und nie um einen Marketing-Gag verlegen ist, kämpfte mit schlechten Schlagzeilen – bis heute. 

Tesla wie Byton sind mit visionären Versprechen angetreten. Beide wollen ein neuartiges E-Auto bauen. Und beide kommen gewissermaßen aus dem Nichts. Derzeit aber profitiert Byton in der Berichterstattung vom Imagetief des Konkurrenten. So hob Die Zeit im Juni hervor, der neue Player unterscheide sich eben gerade an jenen Stellen von Tesla, an denen der US-Hersteller Schwierigkeiten habe. 

Als positives Zeichen werten Journalisten etwa, dass Byton viele Bauteile nicht selbst entwickeln und produzieren, sondern auf erfahrene Zulieferer wie Bosch setzen wolle. Auch dass neben CEO Breitfeld und Präsident Daniel Kirchert, beide einst im BMW-Management erfolgreich, etliche ehemalige Leute von Apple, Google und auch Tesla an Bord des chinesischen Start-ups sind, ist aus Sicht medialer Beobachter ein entscheidender Vorteil.

Für Strohbach steht angesichts solcher Pressestimmen außer Frage: Solch große Köpfe helfen vor allem im Umgang mit Wirtschaftsmedien und den klassischen Automobilpublikationen dabei, dass Journalisten Byton schon jetzt ernst nehmen. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der September-Ausgabe des prmagazins, warum Byton nicht nur die Wirtschafts- und Autoressorts interessiert und wieso viele Start-ups den Wert klassischer Medien aus Sicht von Oliver Strohbach gefährlich unterschätzen, warum Byton nicht Mainstream sein darf und wie die Kommunikation mit viel Experimentierfreude Nischen für die junge Marke sucht – und wieso sich Strohbach schon jetzt auf rauere Zeiten vorbereitet.

Die September-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Der Visionen-Verkäufer: Wie Oliver Strohbach, Europa-PR-Chef von Byton, Sympathie und Vertrauen für den chinesischen Tesla-Angreifer schaffen will.

Standpunkt: Wie Sabia Schwarzer die künftige Rolle der Kommunikation sieht und was ein Spaziergang mit Allianz-Chef Oliver Bäte damit zu tun hat.

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