Detailinformationen

Autor

David Selbach, Mitarbeit: Christian Schulz

Freie Autoren

verfasst am

04.06.2020

im Heft

06/2020

Schlagworte

CureVac, Thorsten Schüller, Biotech, Impfstoff, Coronavirus, Donald Trump

Das aktuelle Heft
Ausgabe 06/2020

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

CureVac

Die Hoffnungsträger


Fühlte sich in den vergangenen Monaten an einen Aufstieg in hochalpinem Gelände erinnert: Thorsten Schüller, Ex-Journalist, Biotech-Spezialist – und passionierter Bergsteiger. (Foto: Fernando Baptista)


Bis Anfang des Jahres kannten nur Spezialisten CureVac. Das änderte sich schlagartig, als das Tübinger Biotech-Unternehmen ankündigte, einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln. Ein Pressebericht über „America first“-Avancen von US-Präsident Donald Trump tat das Übrige. CureVac-Kommunikationschef Thorsten Schüller fand sich in einem medialen Sturm wieder. Die Geschichte hinter drei verrückten Tagen im März.


Es ist Sonntag, der 15. März. Das Coronavirus wütet in Italien.
Bund und Länder diskutieren gerade, wie sie das öffentliche Leben in Deutschland am besten herunterfahren. In einer Woche wird der Lockdown beginnen. In diese Stimmung hinein erscheint die Welt am Sonntag mit einem Knüller: US-Präsident Donald Trump, das habe man exklusiv erfahren, wolle sich einen deutschen Impfstoff unter den Nagel reißen, der das Zeug dazu hat, die Seuche aufzuhalten – und ihn dann nur für sich und die Amerikaner verwenden. Die Story geht viral, von einem Kaufangebot in Höhe von einer Milliarde Dollar ist die Rede. Deutsche Politiker sind empört, Berlin twittert sich in Rage.

Thorsten Schüller, der Kommunikationschef der Impfstofffirma, um die es geht, schaut an diesem Sonntag wie immer zwischendurch in seine Mails. Einen richtigen Wochenenddienst hat er mit seiner Kollegin bei CureVac, Anna Kamilli, nicht vereinbart – das ist normalerweise auch nicht nötig. Doch als am Vormittag die Trump-Story aufpoppt, kann ihm das kaum entgehen.

Allein an jenem Sonntag laufen rund 30 Anfragen bei Schüller auf, vor allem aus dem englischsprachigen Ausland. Auch bei der Kommunikationsagentur MC Services, die sich auf die Beratung von Biotech-Unternehmen spezialisiert hat, melden sich Journalisten. Denn sie kommuniziert für die dievini Hopp Biotech Holding von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp, und die ist Mehrheitseigner von CureVac.

In den folgenden Stunden und Tagen haben die CureVac-Kommunikatoren alle Hände voll zu tun, die Geschichte wieder aus der Welt zu schaffen. Die Telefone laufen heiß, vor allem am Montag. Schüller spricht sich mit Management und Aufsichtsrat ab, schreibt eine Pressemitteilung, organisiert Interviews, zwei Tage später gibt CureVac eine internationale Pressekonferenz. Ziel der Bemühungen: zu zeigen, dass das Ding eine Ente ist.


Die Mitteilung, dass CureVac einen Corona-Impfstoff entwickeln will, macht den Mittelständler im Januar auf einen Schlag zum Hoffnungsträger für die Welt. Der absolute Ausnahmezustand für Thorsten Schüller und seine Mitarbeiterin Anna Kamilli. (Foto: Fernando Baptista)


„Es gab und es gibt kein Übernahmeangebot“, zitiert CureVac
seinen Chef Franz-Werner Haas. „Weder für die Technologie noch für das Unternehmen als solches.“ Mitinhaber dievini lässt ein Zitat von Investor Dietmar Hopp verbreiten: „Wenn es uns hoffentlich bald gelingt, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln, soll dieser Menschen nicht nur regional, sondern solidarisch auf der ganzen Welt erreichen.“ Es gibt der Story Zunder, dass es SAPGründer Hopp ist, der sich hier erklärt, der Milliardär und Mäzen des Profifußballvereins TSG 1899 Hoffenheim. Innerhalb kürzester Zeit ist CureVac nicht nur in Deutschland, sondern rund um den Globus Gesprächsthema. Die Trump-Geschichte ist schwer wieder einzufangen.

Um zu verstehen, warum das so ist, muss man bis 2018 zurückgehen. Ingmar Hoerr, der das Unternehmen im Jahr 2000 gegründet hat, zieht sich gerade vom Vorstandschefposten in den Aufsichtsrat zurück. Es sei der „logische Schritt eines Gründers“, erklärt er der Stuttgarter Zeitung damals. Neuer CEO wird der Amerikaner Daniel Menichella, der zuvor den US-Standort in Boston aufgebaut hat – ein Zahlenmensch und Dealmaker durch und durch. Er bringt Zug in den Laden und etabliert Prozesse, berichten Insider.

Er sei ganz anders als der charismatische Visionär Hoerr, der sich vor allem für die Technologie begeistert und gern von deren Möglichkeiten spricht. Menichella ist ein typisch amerikanischer Manager. Er tut dem Unternehmen gut, macht es schlagkräftiger und internationaler, heißt es aus dem Firmenumfeld. Ungefähr gleichzeitig mit Hoerr verabschiedet sich die langjährige Kommunikatorin Verena Lauterbach von CureVac.

Danach ist es offenbar schwierig, einen Nachfolger für den Sprecherposten zu finden, der mit der speziellen Biotech-Szene vertraut ist. Die Kommunikation von CureVac übernimmt monatelang fischerAppelt, deutsche Partneragentur des USNetworks GlobalHealth PR, das in den Vereinigten Staaten für das Unternehmen arbeitet.

Schließlich bewirbt sich Thorsten Schüller. Der Ex-Journalist tritt den Job Ende August 2019 an – ein knappes Jahr nachdem seine Vorgängerin aufgehört hat. Er widmet sich zuerst der internen Kommunikation. „Die musste hochgefahren werden, weil die Stelle so lange nicht besetzt gewesen war“, erinnert er sich.

Schüller belebt das Intranet, veranstaltet wieder regelmäßiger Townhall-Meetings für die CureVac-Mitarbeiter, erklärt den Kollegen die Veränderungen der vergangenen Monate. Er kümmert sich um „all die kleinen und großen Themen“, wie er sagt, „die monatelang nicht so kommuniziert worden waren, wie es nötig gewesen wäre“. Die ersten vier Monate ist er allein, im Dezember stellt er fest, dass er Unterstützung braucht. So steigt am 1. Januar Anna Kamilli als Junior Managerin Communications bei CureVac ein. Im Nachhinein bezeichnet Schüller es als „glücklichen Zufall, dass wir die Stelle zu diesem Zeitpunkt besetzt haben“.

Denn wenig später – als Mitte Januar das Genom des neuartigen Virus entschlüsselt ist – entscheiden die CureVac-Forscher: Ein Impfstoff wäre eine einmalige Chance zu zeigen, dass ihre „mRNA-Technologie“ funktioniert. Sie beginnen also mit der Arbeit und verhandeln mit der internationalen Impforganisation CEPI über die Finanzierung.

Ende des Monats einigt man sich. Schüller verkündet am 31. Januar per CureVac-Pressemitteilung: CEPI wird 8,3 Millionen Euro für die Forschung bis zur klinischen Phase eins beisteuern. An jenem Freitag wird der kleine Mittelständler zum Hoffnungsträger für die Welt. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Juni-Ausgabe des prmagazins auf 10 Seiten, wie CureVac-Kommunikationschef Thorsten Schüller mit der überwältigenden Medienresonanz umgeht, wieso eine Einladung von Donald Trump das Unternehmen unfreiwillig in politisches Fahrwasser zog und warum Schüller froh ist, dass Journalisten sich jetzt wieder mehr für die Funktionsweise und den Entwicklungsstand des Corona-Impfstoffs interessieren als für politische Themen.

Die prmagazin-Ausgabe 06/2020 – darin unter anderem:

Die Hoffnungsträger:
Bis Anfang des Jahres kannten nur Spezialisten das Biotech-Unternehmen CureVac. Dann kam Corona – und dann Donald Trump.

Alle gegen Freshfields: Der Umgang der Kanzlei mit dem Cum-Ex-Skandal offenbart massive Schwächen der Rechtsberaterbranche in der Krisen-PR.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen