Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

05.11.2020

im Heft

11/2020

Schlagworte

Monika Schaller, Deutsche Post DHL Group, Kommunikation, Christof Ehrhart

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Ausgabe 11/2020

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Deutsche Post DHL

Emotion mit Konzept


Monika Schaller will die Kommunikation des Unternehmens emotionaler machen, den „Ton“ ändern.


Monika Schaller leitet seit Juni 2019 die Konzernkommunikation der Deutsche Post DHL Group in Bonn. Die gelernte Bankerin will den „Ton“ des Unternehmens verändern, der Konzern soll zugänglicher und emotionaler werden. Dazu hat sie die Abteilung umgebaut und das Digitale gestärkt. Beobachter finden, dass sie dem Unternehmen mit ihrer direkten Art guttut.


Ein Strategiepapier für interne Kommunikatoren sieht bei Monika Schaller so aus: M, die smarte Chefin des britischen Superagenten James Bond, gespielt von Judi Dench, sitzt in der MI6-Zentrale beim Briefing. Über dem Foto steht: „Licence to Digitize“ – darunter die Erklärung, dass es sich um eine Präsentation für die interne Kommunikation der Deutsche Post DHL Group (DPDHL) handelt.

Bild und Slogan sollen die Kommunikatoren auf die Themenwoche Digitalisierung einstimmen. Der Plan: Schaller, seit Sommer 2019 Leiterin der Konzernkommunikation, will die Belegschaft eine Woche lang mit Erklärstücken, Videoserien und Bilderstrecken versorgen – immer zu der Frage: Wo steht der Konzern in Sachen Digitalisierung?

Und weil DPDHL offizieller Logistikpartner des neuen Bond-Films „No Time to Die“ ist, geht sie dabei in die Vollen, was Agentenmotive und Bond-Sprüche betrifft. Ein Chart zeigt etwa Bond-Darsteller Daniel Craig mit Q, dem Chefausrüster, der dem Star-Agenten für gewöhnlich explodierende Kugelschreiber oder Autos mit Raketenantrieb anvertraut.

Diesmal aber nicht. Der Slogan lautet: „No Fancy Toys this Time“. Schallers Botschaft: Die DPDHLKommunikatoren brauchen keine neue Landing Pages oder Chatbots. Die Mitarbeiter-App „Connect“ reicht völlig aus. Ähnlich geht es auf den folgenden Seiten der Präsentation weiter.

Schaller hebt die Augenbrauen. „Ja, ich weiß, so etwas ist nicht akademisch oder hochintellektuell“, sagt die 50-Jährige und wirkt dabei recht zufrieden mit sich. Ihre Mitarbeiter seien schließlich Menschen. „Es geht in der Kommunikation immer auch um emotionale Nähe."

Schaller – wache Augen, Schnellrednerin, die Hände ständig in Bewegung – sitzt in ihrem Büro in der 35. Etage des vollverglasten Post-Towers in der Charles-De-Gaulle-Straße in den Bonner Rheinauen. Der Raum ist mit bunten Andenken vollgestopft ( Seite 16). Die Boxhandschuhe sind ein Geschenk vom Team, als Erinnerung an die harten Wochen vor Bekanntgabe der Strategie 2025. Der kleine Plastik-Beethoven stammt aus einer Kunstaktion für Bonner Grundschulen. Das Bond-Filmplakat mit einmontiertem Schaller-Porträt haben die Kollegen ihr zum Geburtstag gebastelt.

Anfang 2019 war der langjährige DPDHL-Kommunikationschef Christof Ehrhart zum Technologiekonzern Bosch gewechselt. Ehrhart ist bekannt als strategischer Analytiker und Vordenker der Kommunikation. Mit der Berufung von Schaller sitzt in der Kommunikationsetage des Post-Towers jetzt so etwas wie das Gegenteil. Schaller ist eine Kommunikatorin, die auch auf ihren Bauch hört.

Zudem passte ihr Profil bestens: Sie hat Dax-Erfahrung, ist international versiert. „Schaller kann Bunte und Wall Street Journal“, sagt ein Branchenkenner. Und sie gilt als krisenerprobt – was für DPDHL im vergangenen Jahr durchaus wichtig war, nachdem Paketvorstand Jürgen Gerdes 2018 im Unfrieden gehen musste, der Aktienkurs unter Druck geriet und Konzernchef Appel erstmals so etwas wie Gegenwind spürte.


Schallers Büro im Bonner Post-Tower ist mit Andenken vollgestopft.


Manche Beobachter fragten sich damals, wieso die Wienerin die Branche wechselt
– nach Jahrzehnten bei Banken in die Logistik. Schaller wischt solche Fragen beiseite: „Ob im Finanzsektor oder in der Logistik – Kommunikation ist vor allem Handwerk und Erfahrung“, sagt sie – und fügt lachend hinzu: „Das ist doch keine Rocket Science.“ Die Zutaten seien weitgehend dieselben: eine Unternehmensstrategie. Eine Kultur, die von Menschen geprägt wird. Bauchgefühl. Und Finanzkennzahlen.

Die gelernte Bankerin weiß natürlich um die Bedeutung von KPIs und Statistiken: „Sie bilden einen Teil der Grundlage der Entscheidungen und Strategie“, sagt sie. Aber: Schaller möchte das Thema auch nicht überbetonen. Für sie sind Zahlen „mächtig, gehören aber zum Handwerkszeug“. Sie bereite die Daten bewusst nicht akademisch auf: „Es geht darum, eine Geschichte in den Zahlen zu finden, mit der die Menschen etwas anfangen können. Also einfach ausgedrückt und mit Bildern aufbereitet.“

Vorgänger Christof Ehrhart hatte die Kommunikation des Weltkonzerns in den vergangenen Jahren zu einer hochkomplexen Maschine geformt. „Es war eine sehr gut organisierte Abteilung“, sagt Schaller. „Alles ist extrem strukturiert, mit sehr strukturierten Prozessen.“ Dazu komme ein starkes Team, das die Dinge ein halbes Jahr lang autark vorangetrieben hat, während der Posten des Kommunikationschefs vakant war.

Aber der Konzern war in Schallers Augen auch noch nicht da, wo sie ihn gern sehen würde. Und sie fand, dass DPDHL die tollen, emotionalen Storys nicht nutzte, die im Kosmos dieses Weltkonzerns spielen. Etwa den neuen Bond-Film, an dem DHL mitgewirkt hat.

Monika Schaller, sagt ein Journalist, der die Post gut kennt, sei genau die Art Kommunikatorin, die DPDHL-Chef Appel jetzt brauche. Der CEO gilt als klug und intellektuell. Er soll ein angenehmer Chef sein, manchmal witzig – allerdings ziemlich trocken. „Ein Menschenfänger ist er nicht gerade“, so der Beobachter. Dafür steht nun Schaller. Sie bringt so etwas wie „Herz“ in die Kommunikationszentrale der Post und will die Kommunikation des Unternehmens emotionaler machen, den „Ton“ ändern, um das Vertrauen der Zielgruppen zu verdienen.

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Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der November-Ausgabe des prmagazins auf 8 Seiten, wie Monika Schaller die Deutsche Post DHL Group zugänglicher machen will, wieso ihre direkte Art dem Konzern aus Sicht von Beobachtern guttut, wer und was sie beruflich geprägt haben und wie ihr Team die Corona-Krise managt.

Die prmagazin-Ausgabe 11/2020 – darin unter anderem:

Emotion mit Konzept:
Monika Schaller will die Deutsche Post DHL Group zugänglicher machen. Ihre direkte Art tut dem Konzern gut, sagen Beobachter.

"Solche Häme hatten wir nicht ewartet": Sigrid Dalberg-Krajewski vom Dax-Aufsteiger Delivery Hero über das schwere Wirecard-Erbe.

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