Detailinformationen

Autor

Konrad Rommerskirchen

Redaktion

verfasst am

05.06.2019

im Heft

06/2019

Schlagworte

Carsten Senz, Huawei, China, Technologieunternehmen, Unternehmenskommunikation

Das aktuelle Heft
Ausgabe 06/2019

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

Huawei

Der Vernetzer


Carsten Senz bezeichnet die Anschuldigungen gegen Huawei als "Science Fiction". Die Diskussion werde oft auf einer "stumpfsinnigen und zu oberflächlichen Ebene" geführt. (Foto: prmagazin/Udo Geisler)


Vom No-Name zum Ziel US-amerikanischer Notstandsmaßnahmen: Die Arbeit von Carsten Senz hat sich völlig verändert. Der Deutschland-Kommunikationschef von Huawei begegnet der deutschen Angst vor China und seinem Technologieriesen mit einer Mischung aus Transparenz, Beharrlichkeit und Begeisterung für Land und Technik.
 

Deutschland baut sein Mobilfunknetz aus. Aktuell bieten vier große Netzbetreiber Milliarden auf die 5G-Lizenzen. Ein möglicher Technologiepartner für den neuen Mobilfunkstandard ist der chinesische Vorreiter Huawei. Doch dem Konzern aus Shenzhen schlägt seit einigen Jahren wachsendes Misstrauen entgegen. 

Die Angst vor China ist im Westen groß: vor dem „Kill Switch“, dem Kontrollverlust über das eigene Telekommunikationsnetz, vor staatlich gelenkter Industriespionage. Mit diesen Themen müssen sich die Öffentlichkeitsarbeiter in der Deutschland-Zentrale von Huawei in Düsseldorf derzeit fast täglich auseinandersetzen. Wenn es um den Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes geht, spiele er ständig den „Feuerwehrmann“, sagt Deutschland-Kommunikationschef Carsten Senz. 

Der 45-Jährige wird nicht müde, dieses komplexe, technologische Thema zu erklären. Die vorgebrachten Anschuldigungen gegen Huawei seien Science Fiction, kritisiert Senz. Die ganze Diskussion werde oft auf einer „stumpfsinnigen und zu oberflächlichen Ebene“ geführt. Frustration über diesen vermeintlichen Kampf gegen Windmühlen verspürt Senz nicht.

Im Gegenteil: Die Kritiker hätten geholfen, ein Thema ins öffentliche Interesse zu rücken, für das sich vorher kaum jemand interessiert habe – allerdings aus einer unerwünschten Perspektive: nämlich der Telekommunikationsinfrastruktur, dem Hauptgeschäftsfeld von Huawei. Die Technologie dahinter sei von zentraler Bedeutung für die Vernetzung der Welt und für neue Technologien wie Autonomes Fahren und „Smart Manufacturing“, auch wenn sie höchstens als Antenne auf einem Dach in Erscheinung trete.

Carsten Senz hat Sinologie und Japanologie in Trier, Wuhan und Tokio studiert. Schon während seines ersten Studienaufenthalts in China packte ihn die Faszination von diesem fremden Land. „Man taucht in eine völlig andere Welt ein“, sagt er, vergleichbar mit einer Reise zu einem fremden Planeten. Ursprünglich wollte Senz eine wissenschaftliche Karriere einschlagen, empfand China dann aber als viel facettenreicher und interessanter, als es sich theoretisch erforschen lasse. „Rein ins Leben, rein in die Wirtschaft“ wurde sein neues Karriere-Credo. 

Zunächst war Senz als Berater für chinesische Behörden tätig. Dann stieg er als Regulatory Affairs Manager bei Wuhan Iron & Steel ein, einem der weltgrößten Stahlkonzerne. In seiner Funktion als Berater, erzählt er, ging es um die Umsetzung einer neuen EU-Vorgabe für die Bewertung und Registrierung von Chemikalien. An dem umfangreichen legislatorischen Vorhaben seien Verbände, Gesetzgeber und Chemieproduzenten sowohl aus Europa als auch aus China beteiligt gewesen.


Carsten Senz fungiert seit vielen Jahren als Schnittstelle zwischen europäischen und chinesischen Unternehmen und Behörden. (Foto: prmagazin/Udo Geisler)


Senz, damals noch ohne jede Fachkompetenz, arbeitete sich ein
– und zwar auf Chinesisch, wie er erzählt. Anschließend habe er noch jahrelang Vorträge über dieses Thema gehalten. Es war das erste Mal, dass er als Schnittstelle zwischen europäischen und chinesischen Unternehmen und Behörden fungierte. Ein Sprung ins kalte Wasser, auf den er spürbar stolz ist: „Man sollte immer den Sprung wagen, wenn man vorankommen möchte und auch etwas lernen will“, findet er.

Vor neun Jahren begann Huawei, die weltweite Konzernkommunikation auszubauen und sprach Senz an, der sich mittlerweile einen Namen als kommunikative Schnittstelle zwischen Ost und West gemacht hatte. Für das Unternehmen sei das ein klarer, strategischer Schritt gewesen, so der Kommunikationschef. Bis zu dem Zeitpunkt habe Huawei kaum professionelle Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Die Zentrale in China habe dann aber bemerkt, dass sowohl Technologie- als auch Industriethemen zunehmend sensibler werden und der Konzern auch mit Industriepartnern kommunizieren muss.

Vor seinem Einstieg im Jahr 2010 sei Huawei sowohl in China als auch im Rest der Welt eine unbekannte Marke gewesen, sagt Senz. Der Deutsche wurde der erste Mitarbeiter der neu gegründeten Kommunikationsabteilung in Düsseldorf, wo er ohnehin seinen Wohnsitz hatte. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in unserer Juni-Titelgeschichte, wie Carsten Senz zwischen China und Europa vermittelt, wie sich sein Job über die Jahre verändert hat und wie er Huawei hierzulande aus der Defensive bringen will – trotz der schwierigen globalen Gemengelage.

Die prmagazin-Ausgabe 06/2019 – darin unter anderem:

Vernetzer: Vom No-Name zum Ziel US-amerikanischer Notstandsmaßnahmen: Die Arbeit von Huawei-Kommunikator Carsten Senz hat sich völlig verändert.

"Wir gehen unseren eigenen Weg": BMW-Kommunikationschef Maximilian Schöberl hält an seiner Strategie der Zurückhaltung fest – trotz aller Kritik.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen