Detailinformationen

Autor

Sarah Sommer

Freie Autorin

verfasst am

06.07.2020

im Heft

07/2020

Schlagworte

ING, Direktbank, Umbau, agile Organisationsstruktur, Coronavirus, Waltraud Niemann, Max-Valentin Löbig

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Ausgabe 07/2020

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ING

Agiler Stresstest


Kommunikations- und Marketingleiterin Waltraud Niemann (vorn) mit dem Team Externe Kommunikation um Max-Valentin Löbig (links): Naman Nasir, Sebastian Göb, Alexandra Jordans und Alexander Baumgart (von links).


Das Kommunikationsteam der Direktbank ING hatte sich nach einem radikalen Umbau neu zusammengefunden. Dann kam das Coronavirus. Jetzt muss das Team unter Beweis stellen, dass seine neue, agile Organisationsstruktur krisenfest ist – und mehr als nur eine mit bunten Klebezetteln zeitgemäß dekorierte Fassade.


Eben erst hatten sich alle an die Klebezettel gewöhnt, da sind sie auch schon wieder nutzlos. Wie bei den meisten Unternehmen stehen die Büros in der Frankfurter Zentrale der Direktbank ING seit Mitte März weitgehend leer. Nur langsam kehren Mitarbeiter vereinzelt aus dem Homeoffice ins Büro zurück. Die mit bunten Zetteln beklebten Kanban-Boards, mit denen sie in der „ersten agilen Bank Deutschlands“ (Selbstbeschreibung) vor der Krise ihre Arbeit organisiert hatten – sie werden bis auf Weiteres nicht mehr gebraucht.

Die Kommunikationsteams der ING sind in der Corona-Krise, wie fast alle Mitarbeiter der Bank, frühzeitig ins Homeoffice gewechselt. „Die Umstellung ging recht schnell, wir mussten lediglich einzelne Arbeitsschritte wie die Kanban-Boards nachdigitalisieren, um dann mobil weiterzuarbeiten“, berichtet Waltraud Niemann, die man wohl als Kommunikationschefin bezeichnen könnte, die nun aber den schönen Titel „Leiterin des Center of Expertise Communication and Brand Experience der ING in Deutschland“ trägt.

Jetzt gibt es eben digitale Dashboards und Notizen zum Stand der Aufgaben und Ziele der „Sprints“ in größeren Kommunikationsprojekten. Eine Veränderung, die kaum der Rede wert ist im Vergleich zu der massiven Umstrukturierung, die das Team vor der Corona-Krise erlebt hat. Die Deutschland-Tochter der niederländischen ING Group hat einen radikalen Umbau hinter sich. Innerhalb von nur 18 Monaten hat das Unternehmen nahezu alle Arbeitsprozesse und Strukturen für die rund 4.000 Mitarbeiter auf agile Methoden umgestellt.

Wer vorher in klassischen Abteilungen und Geschäftsbereichen arbeitete, ist nun selbst organisierten „Squads“, „Tribes“ und „Centers of Expertise“ zugeordnet. Neue Stellen und Führungspositionen wurden ausgeschrieben. Alle Mitarbeiter, auch die Führungskräfte, mussten sich auf die neu gestalteten Jobs in den agilen Teams bewerben.


Videointerview mit dem prmagazin.


Waltraud Niemann nutzte diese Chance
und stieg zur Leiterin des „Center of Expertise“ auf, unter dessen Dach Marketing und Kommunikation zusammengefasst wurden. Die 57-Jährige hat bei der ING schon einige Veränderungen und Umstrukturierungen mitgemacht, seit sie vor 20 Jahren ins Marketing-Team der Direktbank eingestiegen ist. Ihr Karrieresprungbrett war ein Job als Marketingleiterin der österreichischen ING-Tochter im Jahr 2011. Drei Jahre später kehrte sie nach Deutschland zurück und übernahm die Leitung der Abteilung Marketing und Customer Experience.

2018 stand die hart erarbeitete Führungsrolle dann schon wieder zur Disposition. Der Umbau zum agilen Kommunikations-Center war eine außergewöhnliche Situation, in der sie mit vielen Herausforderungen konfrontiert war, berichtet Niemann: „Ich befand mich ja einerseits selbst noch im Bewerbungsprozess. Es war noch gar nicht klar, wer in der neuen Konstellation die Lead-Positionen in der Kommunikation besetzen würde und wie die Teams genau aussehen würden.“

Andererseits, so Niemann, habe das Team aber parallel dazu schon gemeinsam daran gearbeitet, all die anstehenden Veränderungen nach innen und außen zu kommunizieren. „In dieser Situation Entscheidungen zu treffen, ohne wirklich zu wissen, was auf die Mitarbeiter zukommt, das „war schon ein erster, intensiver Lernprozess“, sagt sie.

So ähnlich war es auch jetzt in der Corona-Krise wieder: Noch während sich die Kommunikationsteams selbst in ihren Homeoffices einrichteten und an die neue Situation anpassten, planten sie parallel schon mehrere interne und externe Kampagnen zum Thema Corona-Krisenbewältigung.

„Wir sind wirklich sehr froh, dass wir den Umbau zur agilen Organisation schon vor dieser Krise abgeschlossen und uns in unseren Rollen und Teams gefunden hatten“, betont Niemann. In abteilungsübergreifenden Teams zusammenarbeiten, entscheiden ohne langwierige Abstimmungsprozesse über mehrere Hierarchieebenen, Themen gemeinsam vorantreiben, statt Konzepte „von Abteilung zu Abteilung zu tragen“ – „das hat uns bei der Steuerung und Kommunikation während der Krise sehr geholfen“, so Niemann.

Das sieht auch Max-Valentin Löbig so. In Niemanns Center of Expertise Communication & Brand Experience ist er der „Expertise Lead External Communications“. Man könnte auch sagen: Er ist Chef der externen Kommunikation. Aber das Wort „Chef“ hören sie bei der ING nicht mehr so gern. „Das ist ein Wort, das wir hier im Team gar nicht mehr verwenden“, sagt Löbig.

Der 37-Jährige war im Frühsommer 2018 als Kommunikationsmanager für den Firmenkundenbereich zur ING gekommen – nur wenige Wochen, bevor Deutschland-CEO Nick Jue dem Unternehmen die Radikaltransformation zur agilen Bank verordnete. Löbig hatte zuvor für die Kommunikationsberatung CNC gearbeitet und danach als Pressesprecher der HSH Nordbank und Leiter Unternehmenskommunikation beim Lufthansa-Prämienprogramm Miles & More.

Nach der Neuordnung fand sich ING-Neuling Löbig dann als Leiter Externe Kommunikation wieder. „Wenn man neu in ein Team kommt, dann hält man sich ja erst einmal etwas zurück, beobachtet und lernt Abläufe und Personen kennen“, sagt er. Da die ING allerdings mit Beginn der Transformation ohnehin alle etablierten Prozesse auf den Kopf stellte, konnte und musste er schnell in eine aktivere Rolle wechseln. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Juli-Ausgabe des prmagazins auf 8 Seiten, wie die ING-Kommunikation nach dem Totalumbau arbeitet, wie die neue, agile Organisation in der Corona-Krise funktioniert hat und was als Nächstes auf das Team um Waltraud Niemann zukommt.

Die prmagazin-Ausgabe 07/2020 – darin unter anderem:

Agiler Stresstest:
Das Kommunikationsteam der Direktbank ING hatte sich nach einem radikalen Umbau neu zusammengefunden – dann kam Corona.

Standpunkt: Diplomatie und Defensive genügen nicht, Firmensprecher müssen zu Diskurs und Debatten bereit sein, meint Bayer-Mann Christian Maertin.

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