Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

08.09.2019

im Heft

09/2019

Schlagworte

Markus Hardenbicker, Janssen-Cilag, Pharmabranche, Unternehmenskommunikation

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Ausgabe 09/2019

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Janssen-Cilag

Der Pädagoge


Markus Hardenbicker, Kommunikationschef von Janssen-Cilag: "Ich finde es spannend, die Komplexität der Pharmabranche rüberzubringen und Meinungen zu bewegen." (Foto: Hojabr Riahi)


Markus Hardenbicker ist seit einem Jahr Kommunikationschef des Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag. Während seines ganzen bisherigen Berufslebens hat der Kommunikator, der mal Deutschlehrer werden wollte, erklärt, wie wichtig die Pharmabranche ist. Bei Janssen soll er nun für eine völlig neue Therapieform werben – und geht ganz darin auf. 


D
er Kongress „Janssen Open House“ Ende Mai in der Deutschland-Zentrale des Pharmaunternehmens Janssen war gerade zu Ende gegangen. Wolfgang van den Bergh spazierte vom Hauptgebäude Richtung Parkplatz. Da kam Markus Hardenbicker hinter ihm hergelaufen, eine junge Frau im Schlepp. Er wolle ihm noch rasch jemanden vorstellen, habe der Janssen-Kommunikationschef atemlos gerufen, erinnert sich van den Bergh: die neue Managerin Communication & Public Affairs, Maren Fiorello, die van den Bergh damals noch nicht kannte. „Ich fand das sehr aufmerksam,“ sagt der Journalist. 

Nun ist van den Bergh sicher kein unwichtiger Mann für den Kommunikationschef eines Pharmaunternehmens: Als Chefredakteur der Ärzte Zeitung hat er in der Branche einigen Einfluss. Van den Bergh will mit der Anekdote aber keineswegs ausdrücken, dass Hardenbicker taktisch denkt. Für ihn sei die Geste vielmehr ein Signal, dass es dem Kommunikator offenbar weniger um seine Person als um sein Team gehe.

Hardenbicker selbst sagt: „Ich bin ein Netzwerker, und ich schätze es, Leute persönlich zu kennen und ein Gesicht vor Augen zu haben.“ Nach dem Janssen Open House hatte er Fiorello noch getroffen und sie gefragt, ob sie van den Bergh schon kennengelernt habe. Hatte sie nicht. „Da habe ich sie kurz vorgestellt.“ 

Man kann wohl sagen: Der Mann ist an seinen Leuten interessiert. Und an der Sache. „Er will die Branche in den Medien besser positionieren“, bestätigt Claudia Kubacki, die bei Hardenbickers vorigem Arbeitgeber GlaxoSmithKline neun Jahre lang mit ihm zusammengearbeitet hat. „Er ist sehr begeisterungsfähig.“ 

Wen auch immer man fragt, alle beschreiben den Janssen-Kommunikator ähnlich. Zuverlässig sei er, kompetent und höflich, lobt Ärzte-Zeitung-Chefredakteur van den Bergh. „Er ist sehr umgänglich und professionell“, findet Siegfried Hofmann, Pharmaspezialist beim Handelsblatt. „Und man merkt, dass er mit Herzblut bei der Sache ist.“

Allerdings steht Janssen Deutschland im Handelsblatt nicht gerade im Fokus: Eigentlich bringt die Wirtschaftszeitung nur etwas über das Unternehmen, wenn mal jemand aus den USA da ist – von Janssen International oder aus dem Mutterkonzern Johnson & Johnson.

Auf den ersten Blick könnte dies das Dilemma des begeisterungsfähigen Hardenbicker sein. Janssen ist für die deutsche Öffentlichkeit nur am Rand ein Thema. Er wolle die öffentliche Debatte zu Gesundheitsthemen prägen, sagt der Kommunikationschef. „Die klassischen Wirtschaftsmedien sind dabei nur ein Baustein und interessieren sich dazu natürlich mehr für die deutschen Unternehmen, die hier Bilanzpressekonferenzen machen und IR-Abteilungen unterhalten.“ Das kennt er schon. „Aber mir ging es immer darum, etwas zu bewegen.“

Etwas bewegen, das heißt für Hardenbicker praktisch seit Beginn seines Berufslebens: negative Vorurteile über die Pharmabranche abbauen und um Vertrauen werben. „Meines Erachtens gibt es keine sinnstiftendere Branche als unsere“, sagt er voller Überzeugung. Was diese forschende Industrie doch alles erreicht habe in den vergangenen 30 Jahren!

„Wir haben heute zum Beispiel immer wirksamere Krebstherapien mit wesentlich längerer Überlebenszeit bei gestiegener Lebensqualität für Patienten“, zählt Hardenbicker auf. Kinderlähmung? Praktisch ausgerottet. „Und Hepatitis ist inzwischen heilbar.“ Vor allem eins stellt er heraus: „AIDS ist mittlerweile eine chronische Erkrankung. Niemand muss mehr daran sterben.“ Das, sagt Hardenbicker, habe nicht zuletzt Janssen mit seinen HIV-Medikamenten erreicht. 

Sein Arbeitgeber habe einen guten Ruf, so der Kommunikationschef – und deshalb ist es dort womöglich einfacher als anderswo, sich für die Sache der Branche stark zu machen. Schon als er vor mehr als zehn Jahren bei der Stuttgarter Agentur Newswerk arbeitete, lernte er Janssen als Kunden kennen. Damals unterstützte er die Markteinführung eines Psoriasis-Medikaments. 

Genauso wie später bei seiner Arbeit im Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), wo er seit 2010 im Kommunikationsausschuss aktiv ist, habe er Janssen als Unternehmen mit Haltung kennengelernt. „Da herrschte eine hohe Loyalität der Mitarbeiter und große Beständigkeit“, sagt Hardenbicker. „Man spürt tatsächlich das Johnson & Johnson-Credo und den Spirit des Firmengründers: dass man für den Patienten arbeitet.“

Aktuell positioniert sich das Pharmaunternehmen mit dem Thema „Disease Interception“. Vereinfacht gesagt: Janssen will die Welt von Krankheiten befreien. Die Forscher wollen Tests entwickeln, die anhand sogenannter Biomarker – etwa im Blut – erkennen, dass sich demnächst vielleicht Krebs entwickelt oder Alzheimer.

Dann sollen, so die Vorstellung, künftige Therapien verhindern, dass die Krankheiten ausbrechen, ihr Entstehen also von vornherein verhindern. Ein titanisches Projekt – und nicht weniger als ein Paradigmenwechsel in der Medizin, schwärmt Hardenbicker. Er will, das ist nicht zu übersehen, Teil dessen sein. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Titelgeschichte unserer September-Ausgabe, wie Hardenbicker die Kommunikation von Janssen-Cilag in seinem ersten Jahr umgebaut hat, was ihn daran reizt, komplexe Pharmathemen rüberzubringen, und wie er Janssen mit dem neuen Therapieansatz „Disease Interception“ positioniert.


Die prmagazin-Ausgabe 09/2019 – darin unter anderem:

Der Pädagoge: Markus Hardenbicker wollte mal Deutschlehrer werden – heute erklärt er mit Begeisterung die komplexen Themen der Pharmaindustrie.

So urlauben deutsche PR-Profis: Wie hiesige Branchenvertreter im Sommer 2019 ihre Batterien aufladen.

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