Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

07.01.2019

im Heft

01/2019

Schlagworte

Merck, Constantin Birnstiel, Kommunikation

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Ausgabe 01/2019

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Abos und Einzelhefte

Merck

Der Architekt


"Ich lasse die Organisation die Kommunikation aus sich selbst heraus entwickeln, unter meiner Führung", sagt Merck-Kommunikationschef Constantin Birnstiel.


Merck befindet sich seit zehn Jahren im Umbau. Auch Constantin Birnstiel, seit Juni 2017 Kommunikationschef des Dax-Konzerns, stellt manches auf den Kopf. Dabei konzentriert er sich auf Strukturen und Prozesse – denn anders als bei den Inhalten haben die Darmstädter in diesem Punkt offenbar Nachholbedarf.


Als Constantin Birnstiel im Juni 2017 seinen Job bei Merck antrat, hatte das etwas Metaphorisches. Es war ein heißer Sommer, die Temperaturen kletterten bis auf 35 Grad. Wenige Tage nach Birnstiels Einstand als Kommunikationschef hüllte eine Baufirma das Bürogebäude im Norden von Darmstadt in ein Gerüst und Plastikplanen. Bauarbeiter in Schutzanzügen fingen an, die Fassade zu sandstrahlen, hinter der die Kommunikationsabteilung sitzt. „Ich kam, bezogen auf die Organisation der Kommunikation, wirklich auf einer Baustelle an“, sagt Birnstiel. 

Die Fassadensanierung an Gebäudekomplex A auf dem großen Campus des Unternehmens im Darmstädter Norden – sie ist bei Weitem nicht die einzige Baustelle bei Merck. Seit mehr als zehn Jahren durchläuft das ehemalige Pharma- und Chemieunternehmen einen Prozess der Selbstfindung und transformiert sich zum integrierten Technologieanbieter. 

Constantin Birnstiel hat sich davon offensichtlich anstecken lassen und lässt keinen Stein auf dem anderen in der Unternehmenskommunikation. Er führt neue Strukturen und Prozesse ein, hat das Social-Media-Team mit den Media Relations verschmolzen. Er hat die Kollegen des ehemaligen Bereichs Data Analytics in die verschiedenen Kommunikationsdisziplinen integriert, sodass künftig jedes Team innerhalb der Kommunikation seinen eigenen Digital-Data-Spezialisten hat. Aktuell etabliert er eine neue Arbeitsphilosophie für seine 140-köpfige Truppe. Münden soll das Ganze im laufenden Jahr in ein Newsroom-Konzept.

Bevor Birnstiel nach Stationen bei Osram und E.ON den Leitungsjob bei Merck übernahm, hatte 18 Jahre lang „der ewige Huber“ die Kommunikation des Darmstädter Unternehmens verantwortet, wie das prmagazin Merck-Urgestein Walter Huber 2015 in einer Titelgeschichte nannte. Eigentlich hatte sich Huber gewünscht, die 350-Jahr-Feier 2018 noch mitzugestalten, schied dann aber doch schon Ende 2015 aus, um kürzer zu treten. Er leitet nun die Familienstiftung und berät die Unternehmensinhaber.

Seine Nachfolgerin wurde Isabel De Paoli, vorher operative Managerin in der Geschäftsentwicklung. Sie fremdelte dem Vernehmen nach ein wenig mit dem Kommunikationsjob, besprach das auch ganz offen mit Merck-Chef Stefan Oschmann und übernahm dann den Posten des Chief Strategy Officer. Oschmann suchte folglich Ende 2016 einen neuen Kommunikationschef.

Die Headhunter gingen auf Jagd – und fanden Birnstiel, der beim E.ON-Spin-off Uniper gerade auf dem Absprung war. Das Düsseldorfer Energieunternehmen sortierte sich neu. Außerdem sagte Birnstiel das Geschäftsmodell der Energiebranche weniger zu als zuvor das von Technologieunternehmen, berichtet er rückblickend.

Er fragte einen Bekannten, der bereits länger bei Merck arbeitete, was er von dem Unternehmen denke. „Der hat von Merck geschwärmt“, so Birnstiel. „Er hat gesagt: Das ist ein ganz tolles Unternehmen, und so ein Angebot ist eine große Ehre. Da konnte ich ja eigentlich nicht anders.“ Im Juni 2017 fing er in Darmstadt an.

Damals habe ein gewisses Durcheinander in den Zuständigkeiten geherrscht, sagt der Kommunikationschef diplomatisch. Jahrzehntelang sei es Politik des Hauses gewesen, Geschäftsbereichen und Regionen eine große Autonomie in der Kommunikation zu lassen.

Walter Huber hatte es immerhin geschafft, die Kommunikation der Geschäftsbereiche in seine Abteilung einzugliedern. De Paoli hatte dann versucht, auch die Regionen zu integrieren, doch Merck-Chef Stefan Oschmann votierte aus verschiedenen Gründen dagegen. 

De Paoli hatte begonnen, die Strukturen tiefer zu analysieren, und erste Veränderungen eingeleitet. „Und das war auch sehr gut“, so Birnstiel. In der Übergangsphase zu ihm hätten dann einige Geschäftsbereiche angefangen, die Kommunikation für ausgewählte Länder an sich zu ziehen. „Also habe ich Ende 2017 erst mal einen Stopp hier eingelegt und noch einmal mit meinem Chef gesprochen“, sagt Birnstiel. Der gab 2018 endlich seinen Segen. Die Integration der Regionalkommunikation war der Auftakt diverser Strukturreformen. 

Der nächste Schritt: Anfangs berichteten zehn Teamleiter an Birnstiel. „Das empfand ich als ein bisschen viel“, sagt er. Ein Kollege war zum Beispiel „Regionenbetreuer“ im Leitungskreis, was in Birnstiels angestrebtem Modell keine Leitungsaufgabe im höchsten Entscheidungsgremium war, sondern eher Teil interner Führungskoordination.

Nach dem Umbau, also seit Ende 2018, hat Birnstiel nur noch sechs „Direct Reports“. Generell, so der Kommunikator, sei seine Abteilung mit rund 140 Mitarbeitern „nicht unterausgestattet“. Mit den neuen Strukturen wolle er sicherstellen, dass die Unternehmenskommunikation auch eine angemessene Leistung bringen könne.

[...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Januar-Ausgabe des prmagazins, wie die Kommunikation das 350-jährige Jubiläum von Merck begleitete, wie Birnstiel nebenbei weiter an seinem Modell der Merck-Kommunikation arbeitete und warum er Strukturen und Prozesse umbaute, aber an Strategie und Inhalten der Kommunikation festhält.

Die prmagazin-Ausgabe 01/2019 - darin unter anderem:

Der Architekt: Constantin Birnstiel baut beim Darmstädter Dax-Konzern Merck Strukturen und Prozesse um.

Back to Human Factor: Sascha Pallenberg plädiert für ein Ende der Like- und Share-Sucht, zeitgemäße KPIs und mehr echten Dialog.

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