Detailinformationen

Autor

Konrad Rommerskirchen

verfasst am

11.03.2019

im Heft

02/2019

Schlagworte

Harald Hamprecht, Opel, Groupe PSA, Strategieplan „PACE!“

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Ausgabe 03/2019

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Opel

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"Die Marke Opel profilieren wir klarer und stellen drei Werte heraus: deutsch, nahbar, begeisternd", sagt Harald Hamprecht, Vice President Communications bei dem Rüsselsheimer Autobauer.


Harald Hamprecht ist bei Opel Anfang 2019 zum Vice President Communications und Mitglied des Executive Committee auf gestiegen. Schon seit Herbst 2018 verantwortet er auch die deutsche Konzernkommunikation des Mutterkonzerns Groupe PSA. Der Betriebswirt und langjährige Journalist profiliert sich in Rüsselsheim als Sparkommissar mit Leidenschaft für Prozessoptimierung und Effizienz. Der Strategieplan „PACE!“ erfordere, „agil, fokussiert und, ja, darwinistisch zu denken“. Das sorgt für gute Zahlen – aber auch für miese Schlagzeilen.


Harald Hamprecht empfängt das prmagazin in den Opelvillen, und seine Verbundenheit mit der Stadt Rüsselsheim und ihrer Geschichte, natürlich mit Fokus auf die Familie Opel, ist ihm gleich anzumerken. Hier ist er aufgewachsen und hat seine Lehre zum Industriekaufmann bei Opel absolviert, in der Kirche ganz in der Nähe hat er geheiratet. Schon sein Vater arbeitete in der Produktion des Autoherstellers. In Rüsselsheim ist Hamprecht zu Hause. 

Seit Januar 2019 ist der 44-Jährige Vice President Communications und Mitglied des Executive Committee von Opel. Er folgte auf Johan Willems, der nach 36 Jahren in der Autoindustrie in den Ruhestand ging. Hamprecht verantwortet die europaweite Produkt-, Unternehmens- und interne Kommunikation. Er berichtet direkt an Opel-CEO Michael Lohscheller. 

Seinen ersten Einstand bei Opel feierte Hamprecht vor zwei Jahrzehnten. Von 1999 an war er für ein Jahr als Referent in der Wirtschafts- und Unternehmenspresse tätig. Dann zog es ihn erst mal in den Journalismus. 2012 kehrte er zu dem Autobauer zurück, diesmal als General Director Product & Corporate Communications. „Bist du verrückt geworden? Wechselst auf die Titanic?!“ – so reagierten damals Hamprechts Freunde und Bekannte auf die Nachricht, erzählt er. 

Der Vergleich mit dem havarierten Dampfer schien zu passen: Das Bochumer Werk wurde geschlossen, Arbeiter protestierten – Opels Zukunft stand in den Sternen. Die Marke mit dem Blitz kämpfte mit schweren Imageschäden. „Da musst en seinerzeit auch harte Entscheidungen wie die Werksschließung getroffen werden“, berichtet Hamprecht. 

Erleichtert wurde ihm die Entscheidung, in die Heimat zurückzukehren, durch einen Anruf von Kommunikationschef Johan Willems und des damaligen Vorstandsvorsitzenden Karl-Friedrich Stracke. Geadelt durch die persönliche Anfrage von höchster Stelle, willigte er schließlich ein. Eigentlich sei das Angebot zu früh gekommen, sagt Hamprecht rückblickend. Er habe sich sehr wohlgefühlt auf seiner Stelle als Chefredakteur der Zeitschrift Automotive News, bei der er noch keine anderthalb Jahre tätig war. Die ganze Welt habe er bereist und die globale Automobilindustrie gecovert. Ihn trieb der Wunsch, für eine größere Leserschaft auf Englisch zu schreiben, und er freute sich über Leserbriefe aus Neuseeland und Israel. 

Die Verlockung, die Verantwortung für die gesamte externe Produkt- und Wirtschaftskommunikation von Opel zu übernehmen, war dann aber doch zu groß. Als weiteres Motiv für seinen Wechsel führt Hamprecht an, dass sein Vorgänger Johan Willems auch Mitglied des Executive Committee, also der erweiterten Geschäftsführung, war und damit „die Füße unter dem Tisch hatte, an dem die Entscheidungen getroffen werden“. 

Als Mitglied kleiner Redaktionen mit Start-up-Charakter habe er gelernt, Ressourcen sinnvoll einzusetzen, so Hamprecht. Viel digital und virtuell – das sei der richtige Ansatz. Homeoffice und externe Redakteure statt Mietkosten, Skype statt Telefonrechnung – der Industriekaufmann und Betriebswirt optimierte und verbesserte und sparte dabei.

Eine dringende Notwendigkeit auch für die strauchelnde Marke Opel, die sich zwar Telefone leisten wollte, aber im großen Stil sparen musste. Im Oktober 2015 übernahm Hamprecht zu sätzlich die Verantwortung für die interne Kommunikation und für Social Media. Die Produktkommunikation gab er ab.


Harald Hamprecht und Opel-Chef Michael Lohscheller (links) kennen sich schon aus der Zeit, als der als Finanzchef bei VW in den USA arbeitete und Hamprecht bei auto motor und sport.


Insgesamt konnte sich Hamprecht also sechs Jahre lang
 „anständig auf die heutige Leitungsposition vorbereiten“, wie er sagt. Schon früh wurde er von seinem ehemaligen Vorgesetzten Willems gefördert und gefordert, in die Prozesse der Kommunikationsabteilung einbezogen, und seine Neuerungsvorschläge wurden umgesetzt. Nach der Stabübergabe habe es daher wenig Änderungsbedarf gegeben. 

Er habe reibungslos ein fest eingespieltes Team übernommen und führe seine bisherigen Aufgaben mehr oder weniger unverändert weiter. Nur den Fernseher hat er im neuen Büro an anderer Stelle platziert – gestreamt wird am PC – und ein neues Bild von einem Opel GT an die Wand gehängt. 

Nach seinem Start in der Opel-Kommunikation habe sich das Unternehmen in die richtige Richtung entwickelt, so Hamprecht. Speziell seit der Übernahme durch die Groupe PSA im August 2017 habe das Geschäft an Fahrt aufgenommen: „Der Blitz ist auf dem besten Weg, kräftiger denn je zu strahlen. Und zwar nachhaltig. Die Marke Opel profilieren wir klarer und stellen drei Werte heraus: deutsch, nahbar, begeisternd. Dieser Dreiklang dient als Anker für die Kunden.“ 

Wichtiger Bestandteil des wirtschaftlichen Erfolgs sei der im November 2017 vorgestellte Sanierungssplan „PACE!“ mit seinen drei Zielen: „Opel wird nachhaltig profitabel, elektrisch und global. Den Plan haben interne Experten in einem Dutzend Workstreams ohne externe Berater auf gestellt“, sagt Hamprecht, der mit zwei seiner engsten Mitarbeiter in je einem Workstream vertreten war. 

Ergebnis: „Wir haben keinen Stein auf dem anderen gelassen, unsere Strukturen und Prozesse analysiert und überall nach Möglichkeiten gesucht, Kosten und Komplexität zu reduzieren sowie die Weichen auf Wachstum zu stellen“, berichtet er. „Wir schnallen den Gürtel enger, wir durchlaufen das größte Fitness-Programm unserer Geschichte, wir erfinden uns neu. Wir nutzen organisatorische Effizienzen – und haben so die Zahl unserer Top-Führungskräfte in kurzer Zeit um 25 Prozent reduziert.“ [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in unserer März-Titelgeschichte, wie Harald Hamprecht die Strategie der Groupe PSA begleitet, wie er sein Team trotz Einsparungen schlagkräftiger macht und wie die Kommunikation auf die mediale Kritik reagiert.


Die prmagazin-Ausgabe 03/2019 – darin unter anderem:

Der Kaufmann: Harald Hamprecht profiliert sich bei Opel als Sparkommissar mit Leidenschaft für Prozessoptimierung und Effizienz.

"Compliance muss Freude machen": Sebastian Rudolph über das fünf Jahre währende US-Monitorship bei Bilfinger.

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