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Autor

Boris Glatthaar

Freier Autor

verfasst am

09.07.2018

im Heft

07/2018

Das aktuelle Heft
Ausgabe 07/2018

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Abos und Einzelhefte

Porsche

Aufbruchstimmung

"Wir haben einen hohen redaktionell-journalistischen Anspruch", sagt Porsche-Kommunikationschef Josef Arweck, der im Schatten der Dieseldebatte unter anderem die unternehmenseigenen Publikationen neu ausrichtet.


Josef Arweck lässt sich von der nicht enden wollenden Debatte um den Abgasskandal nicht verrückt machen. Während Porsche im Dieselsumpf festgefahren scheint, blickt der Kommunikationschef nach vorn, konzentriert sich auf Standortkommunikation, die Porsche-eigenen Medien und die Optimierung der internen Prozesse. 


Es gäbe zwei Gründe, aus denen Josef Arweck seinen Job als globaler Kommunikationschef von Porsche im Moment ganz besonders großartig finden könnte.
Zum einen das Jubiläum "70 Jahre Sportwagen", die Entwicklung des ersten Elektro-Porsche "Taycan" und ein Rekordergebnis von 3,14 Milliarden Euro nach Steuern, das der Stuttgarter Autobauer für das Jahr 2017 verbuchte – wer kommuniziert nicht gern im Auftrieb solcher Erfolgsmeldungen? 

Zum anderen haben sich die Schatten des Dieselskandals längst auch über Zuffenhausen gelegt. Porsche musste tausende Cayenne- und Macan-Autos zum Software-Update zurückrufen, die Zeitungen waren voll von Meldungen über eine Razzia wegen des Verdachts des Betrugs und strafbarer Werbung mit manipulierten Dieselabgaswerten, über die Verhaftung eines Managers, schließlich sogar über einen Verkaufsstopp für Neufahrzeuge – eine Berichterstattung also, die jeder tüchtige Öffentlichkeitsarbeiter als Herausforderung ansehen muss.

Doch für den früheren Zeitungsjournalisten Josef Arweck, der sechs Jahre lang PR für McKinsey machte, bevor er 2008 zur Porsche SE und später zur Porsche AG wechselte, sind all das keine neuen Situationen mehr. Er freue sich zwar, über die guten Zahlen des 30.000-Mitarbeiter-Unternehmens sprechen zu können, und zum Diesel kommuniziere sein Bereich so offen und transparent wie möglich – ein "Kein Kommentar!" gebe es aus der Porsche-Pressestelle nicht, so Arweck. Aber wie er das sagt, wirkt es routiniert, als rede da einer über Business as usual.

Arweck ist ein Mann, der in der PR zu Hause ist. Noch während des Volontariats in seiner Geburtsstadt bei der Passauer Neuen Presse machte er ein Praktikum in der Pressestelle von McKinsey. Weil es ihm dort gefiel, heuerte er nach der Redakteursausbildung bei der Unternehmensberatung an. Sechs Jahre später hatte er Lust auf etwas Neues – und bewarb sich 2008 erfolgreich als persönlicher Referent des damaligen Porsche-Sprechers Anton Hunger.

Seitdem lebt Arweck – Vollbart, halbrunde, dunkle Brille, breites Schmunzeln – für Porsche: keine Partnerschaft, keine Kinder, keine Hobbys, dafür eine Wohnung in Werksnähe, so ist er schnell im Büro. Dieses liegt im historischen Backsteinbau in Werk 1, erste Etage, in der Nähe von Vorstandschef Oliver Blume. Mit ihm pflegt Arweck, wie er sagt und wie Mitarbeiter bestätigen, ein gutes Verhältnis. 

Echte Begeisterung spricht aus dem PR-Chef, der im Juli 42 Jahre alt wird, wenn er von der Kommunikation mit Zuffenhausener Anwohnern erzählt. Wenn er berichtet, wie wichtig es sei, die Leute im Umfeld des Porsche-Standorts ins Boot zu holen, die beim Neubau eines Werks ständig Dreck und Lärm ausgesetzt seien. "Die kleinen Maßnahmen der Standortkommunikation werden oft unterschätzt", sagt Arweck. "Dabei sind sie für die Zukunft des Unternehmens vielleicht mitentscheidend."

In Stuttgart, wo Porsche gerade innerhalb von nur drei Jahren ein neues Produktionswerk für das Elektromodell "Taycan" hochzieht, habe die regelmäßige Information von Anwohnern und die Beschäftigung mit ihren vermeintlich kleinen Sorgen dazu geführt, dass die Nachbarschaft bis jetzt recht zufrieden sei. Man habe auf Bürgerversammlungen im Porsche-Museum manche Kontroverse ausgetragen und auf die stetige Information der Anwohner gesetzt, etwa über Nachbarschaftszeitungen und den persönlichen Dialog. "Es gab keine einzige Klage, die das Projekt verzögert hätte. Das ist bei einem solchen Bauprojekt schon bemerkenswert", findet Arweck. 

Von seiner Liebe zum Lokalen profitiert offenbar auch die Standortpresse. Die Zusammenarbeit mit der Kommunikationsabteilung habe sich seit 2015 "zu 100 Prozent zum Besseren gewandelt", sagt Bernd Zeyer aus der Lokalredaktion der Stuttgarter Zeitung. "Vorher kamen auf Anfragen in neun von zehn Fällen Absagen wie ,steht noch nicht fest‘oder ,keine Auskunft‘. Jetzt ruft der zuständige Mitarbeiter an, lädt ein und informiert." Ein weiteres Novum laut Zeyer: Auch Vorstandsmitglieder fänden Zeit für Journalistenfragen bei großen Produktpräsentationen. 

Das Engagement in der Nachbarschaft wundert nicht. Angesichts des Ärgers mit den Verbrennungsmotoren ruhen auch in der Porsche-Kommunikation alle Hoffnungen auf der Zukunft. Lange Zeit konnten die Zuffenhausener Offiziellen und Unternehmenssprecher im Dieselskandal mit dem Finger auf Ingolstadt zeigen. Denn keins der schmutzigen Aggregate war selbst gebaut, alle kamen von Audi. Als Porsche seine Dieselmodelle zunächst ganz aus dem Programm strich, feierte die Presse das sogar als konsequenten Schritt. Porsche stand zwischenzeitlich beinahe als Saubermann der Autobranche dar.

Doch seit dem Bekanntwerden von Ermittlungen gegen Leute aus Zuffenhausen, der Abgasrazzia und dem Haftbefehl gegen den Motorenchef wirkt auch Porsche im Dieselsumpf festgefahren. 

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Juli-Ausgabe des prmagazins, wie Josef Arweck mit der kritischen Medienlage umgeht, warum er trotzdem nach vorn blickt und wie er die Kommunikation im Schatten der Dieseldebatte umbaut.

Die Juli-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

Aufbruchstimmung: Während der Autobauer im Dieselsumpf festgefahren scheint, blickt PR-Chef Josef Arweck hoffnungsvoll nach vorn.

Aufsichtsräte: Werden die Kontrolleure in die Konzernkommunikation integriert oder ausgegrenzt? Eine Dax-Umfrage.

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