Detailinformationen

Autor

Christina Ullrich

Verantwortliche Redakteurin

verfasst am

08.10.2018

im Heft

10/2018

Schlagworte

SAP, Nicola Leske, Bill McDermott

Das aktuelle Heft
Ausgabe 10/2018

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

SAP

The Perfect Match


Die langjährige Reuters-Korrespondentin Nicola Leske stieg 2014 als Leiterin der globalen Pressestelle bei SAP ein. Drei Jahre später löste sie Victoria Clarke als Kommunikationschefin ab. (Foto: Andrea Enderlein)


Wertvollstes Unternehmen im Dax, wertvollste deutsche Marke, größtes Software-Unternehmen Europas, globale Spitzenklasse – SAP kann vor Kraft derzeit kaum gehen. Damit das so bleibt, treibt CEO und Chef-Optimist Bill McDermott das Geschäftsmodell mit aller Kraft Richtung Cloud. Nicola Leske, vor einem Jahr von der Pressechefin zur Kommunikationsleiterin der Walldorfer aufgestiegen, muss Vollgas geben, zugleich vieles hinterfragen – und dabei die riesige Vielfalt der Interessen in dem wohl globalsten Unternehmen Deutschlands managen. 


Im Büro von Nicola Leske herrscht Mitte Juni Chaos.
Auf dem Steh-Schreibtisch, den die SAP-Kommunikationschefin ihrem Rücken zuliebe nutzt, stapeln sich Broschüren und Zeitschriften. Bücher und Grünpflanzen, halbvolle Wasserflaschen und Kabelsalat machen das Wimmelbild perfekt. Die weiße Magnetwand hinter Leskes Schreibtisch ist mit Ideen bekritzelt und hängt voll mit Erinnerungen, darunter Armbänder aus kleinen Buchstabenwürfeln („Vegan in the House“), Fotos mit ihrer Kollegin und von ihren jungen Neffen in den USA. Und Karten mit ironischen Sprüchen („Never, ever think outside the box“ oder: „Sei immer du selbst, außer du kannst Batman sein, dann sei Batman“). 

Zum Interview empfängt Leske gut gelaunt und SAP-typisch lässig: schwarze Lederjacke, dunkelblaue Jeans, weiße Chucks. Unter allerlei Entschuldigungen für das Durcheinander liefert sie auch gleich einen Hinweis darauf mit, wieso es hier so aussieht wie es aussieht: „Es gibt Leute, die Listen machen und sie abarbeiten, und es gibt Leute, die Listen machen und sie verlieren. Ich gehöre zu Letzteren“, scherzt die Kommunikationschefin, während sie sich im Raum umschaut, mal auf diese Devotionalie zu steuert, mal jene in die Hand nimmt und auf Nachfrage erklärt.

Ins Bild passt der weitere Ablauf des Treffens in der Konzernzentrale. Verabredet ist, dass zuerst die Cover-Fotos gemacht werden, favorisiertes Setting ist ein Gebäude mit moderner Kunst an den Wänden, das einige Gehminuten von Leskes Büro entfernt liegt. „Wir können ja im Spazieren plaudern“, schlägt sie vor. Es dauert nicht lange, bis wir uns – gleich mittendrin im Interview – in den endlosen Gängen, Treppenhäusern und Foyers der miteinander verbundenen SAP-Gebäude verirrt haben, die im beschaulichen Walldorf ein ganzes Viertel einnehmen. „Sorry, ich habe mich verquatscht“, ruft Leske lachend ihrer Assistentin entgegen, die mit der Fotografin hinterhereilt und offenbar die gute Seele ist, die hier den Überblick behält. 

Der Rückweg steht dem in nichts nach: herumirren, weiterreden, Raumpläne studieren, weiterreden. Völlig unerwartet sind wir, inzwischen etwas kurzatmig, schließlich doch am Ziel: Gebäude WDF01, Raum „Cairo“ – ein modernes, schmuckloses Konferenzzimmer, in dem das Interview noch eine Stunde weitergeht. Danach ist klar: Leske hat Humor – und sie nimmt sich Zeit, ihre Arbeit zu erklären, obwohl sie augenscheinlich unter Strom ist. 

Die jugendlich wirkende Deutsche, die in den USA aufgewachsen ist und später als Journalistin dorthin zurückkehrte, spricht schnell und mit dezent amerikanischem Tonfall. Sie beginnt Sätze, ohne sie zu Ende zu bringen, benutzt oft englische Wörter oder sucht nach deren deutscher Entsprechung. Man kann den Eindruck gewinnen, sie sei zerstreut. Doch die unfreiwillige Komik der Anfangssituation täuscht, wie man bald merkt: Die erfolgreiche und sympathische 48-Jährige scheint zu Beginn etwas abgelenkt, doch den Faden verliert sie nie. Wer sie besser kennt, beschreibt die SAP-Kommunikationschefin als bis zum Anschlag ausgelastet, aber vom Typ her gelassen und besonnen. 

Beim prmagazin-Besuch Mitte Juni wirkt Leske eher, als wolle sie sich selbst überholen, schneller sein, mehr in kürzerer Zeit schaffen. „Als ich in der Pressestelle bei SAP anfing, musste ich mich schon an das Tempo gewöhnen“, sagt die langjährige Reuters-Korrespondentin (Frankfurt, Amsterdam, New York) auf die Frage, wie sie den Wechsel in die Unternehmenswelt erlebt habe. „Als Agenturjournalistin arbeitet man ja sehr schnell und weiß abends nicht mehr, was man morgens geschrieben hat.“


Nicola Leske: „Was ich von allen erwarte, ist: embrace stretching yourself. Wir neigen alle dazu, faul und komfortabel zu werden.“ (Foto: Andrea Enderlein)


Um es abzukürzen: Von ihrer Persönlichkeit her scheint Leske für SAP „the perfect match“ zu sein
– wie Bill McDermott, der 2010 zum Co-CEO neben Jim Hagemann Snabe und 2014 zum alleinigen CEO ernannt wurde. So voller Tatendrang, so erfolgshungrig und so optimistisch, dass es (zumindest im Fall des US-Amerikaners McDermott) manchem deutsch sozialisierten Beobachter fast weh tut. Der unerschütterliche Optimismus verbinde sie und den CEO, bestätigt Leske, die zum Aus einmal die Woche zum Boxtraining geht, um sich „auszupowern“ – und wohl auch das Getriebensein, denkt man sich im Stillen hinzu.

SAP, 1972 gegründet, knapp 94.000 Mitarbeiter in mehr als 140 Ländern, ist eine Erfolgsgeschichte. Nach manchen Häutungen und Krisen kann der IT-Riese heute vor Kraft kaum gehen. Unter Bill McDermott ist SAP zum wertvollsten Unternehmen im Dax gewachsen. Der Konzern ist laut Kantar Millward Brown die wertvollste deutsche Marke, der nach Umsatz größte Software-Hersteller Europas und lehrt im traditionellen Kerngeschäft mit Software-Lizenzen und Wartung längst US-Rivalen wie Oracle das Fürchten. 

Gemessen an der Marktkapitalisierung ist SAP der drittgrößte unabhängige Software-Hersteller der Welt und hat mehr als 400.000 Kunden in über 180 Ländern. Selbst skandalträchtige Themen wie Kritik an der Vorstandsvergütung, Zoff mit Kunden über die Lizenzpolitik und Korruptionsvorwürfe taten dem Erfolg keinen Abbruch.

Und Antreiber und Chef-Optimist Bill McDermott will noch mehr: weiter wachsen, profitabler sein – und den Börsenwert bis 2026 verdreifachen. SAP wäre dann mehr als 300 Milliarden Euro wert. „Die Zukunft ist dort, wo das Fantastische Wirklichkeit werden darf“ steht auf einer großen Pappe, die an der Magnetwand in Leskes Büro lehnt, gedruckt auf ein Foto von einem Server-Raum. Die Worte stammen von dem Publizisten und selbst ernannten „Zukunftsvisionär“ Oliver W. Schwarzmann, der schon des Öfteren bei SAP zu Gast war. 

Der Satz gefällt Leske – und er bringt auch die Selbstsicht von SAP auf den Punkt. Die Herausforderungen für die Kommunikationschefin und ihr Team leiten sich im Kern aus zwei Rahmenbedingungen ab. Da ist zum einen der SAP-Anspruch, dass man bei allem Erfolg immer noch besser werden kann. Und da ist zum anderen das Thema, das Unternehmen aller Branchen heute umtreibt: die digitale Transformation – bei den Kunden wie im eigenen Unternehmen. 

Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen die Walldorfer ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln und sich zum Cloud-Anbieter wandeln, ohne allerdings das klassische Geschäft mit Software-Lizenzen und Wartung aus dem Blick zu verlieren. Denn Unternehmen gehen den Weg in die digitale Zukunft in unterschiedlichem Tempo. Und SAP will jedem Kunden den perfekten, exakt auf seine Erfordernisse zugeschnittenen Service bieten. 

Nach anfänglichem Zögern hat der Konzern im Geschäft mit cloud-gestützter Unternehmens-Software dank zahlreicher Zukäufe stark aufgeholt. 2018 wird SAP nach eigenen Angaben erstmals mehr Umsatz mit Miet-Software aus der Cloud machen als mit traditionellen Software-Lizenzen. Doch der Pionier im Cloud-Geschäft ist weit enteilt: An der Spitze des unübersichtlichen Milliardenmarkts steht mit zuletzt 19,6 Prozent Anteil die erst 1999 gegründete Firma Salesforce – Oracle liegt bei 7,1 Prozent, SAP bei 6,5 Prozent. 

Es versteht sich von selbst: McDermott bläst zum Angriff auf den Marktführer. Darin ist er sich mit dem SAP-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner einig, der mit seinen 74 Jahren noch immer als technologischer Antreiber und kongenialer Kopf hinter den wichtigsten SAP-Innovationen gilt. Es zählt wohl zu den größten Anforderungen an Nicola Leske, die diversen Ansprüche in diesem Unternehmen unter einen Hut zu bringen, das obendrein so global aufgestellt ist wie kein zweiter Dax-Konzern – auch in der Kommunikation. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie im Oktober im prmagazin, welche Umbrüche die SAP-Kommunikation seit der großen Krise unter dem früheren CEO Léo Apotheker durchlebt hat, woher Ex-Journalistin Nicola Leske die Managementkompetenz nimmt, um die vielfältigen Interessen im Unternehmen unter einen Hut zu bringen, welche Akzente sie in ihrem ersten Jahr gesetzt hat und wieso Kommunikation und Marketing in ihren Augen unbedingt an einem Strang ziehen müssen.

Die Oktober-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

The Perfect Match: Wie Ex-Reporterin Nicola Leske die diversen Interessen bei SAP managt, dem wohl globalsten Unternehmen Deutschlands.

Management-Tools: Wer will, dass Manager anderer Unternehmensfunktionen ihm zuhören, muss ihre Sprache sprechen.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen