Detailinformationen

Autor

Sarah Sommer

Freie Autorin

verfasst am

10.01.2021

im Heft

01/2021

Schlagworte

Luis Ramos, Uniper, E.ON, Unternehmenskommunikation, PR

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Ausgabe 01/2021

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Uniper

Der Ingenieur


Uniper-Kommunikationschef Luis Ramos: "Ich habe meinen eigenen Stil und einen Prozess, um nicht jedes Mal wieder ganz bei Null anzufangen." (Foto: Jörg Heupel)


Luis Ramos ist darauf spezialisiert, in Sachen Kommunikation Aufbauarbeit zu leisten – sei es für frisch gegründete Auslandsstandorte oder neu gebildete Sparten von Industrieunternehmen wie thyssenkrupp Elevator. Jetzt ist er Kommunikationschef von Uniper, des aus den Überresten von Abspaltungen und Übernahmekämpfen zusammengeflickten und umstrittenen Energieunternehmens. Und steht vor der wohl schwierigsten Aufgabe seiner Karriere.


Warum er sich das angetan hat? „Well“, sagt Luis Ramos und grinst. „I‘m an Engineer. I like to solve problems.“ Der 53-Jährige ist seit Oktober 2019 Kommunikationschef von Uniper. Was er sich damit eingehandelt hat, das ganze Ausmaß und die Komplexität der Probleme, die es bei Uniper zu lösen gilt – all das dürfte ihm erst im Lauf der ersten Monate klar geworden sein.

Gemeinsam mit CEO Andreas Schierenbeck war Ramos von thyssenkrupp Elevator in die Chefetage des Energiekonzerns Uniper gewechselt, um Schierenbeck dort bei der Übernahme eines „der schwierigsten Jobs zu unterstützen, die derzeit bei einem deutschen Großunternehmen zu vergeben sind“ (Handelsblatt).

Gerade erst war der Streit zwischen dem damaligen Management von Uniper und dem größten Aktionär des Unternehmens eskaliert: Der finnische Energiekonzern Fortum strebte eine Übernahme an, die Uniper-Chefs waren alles andere als begeistert. Der gesamte Vorstand hatte nach einer finalen Auseinandersetzung auf der Hauptversammlung seinen Abschied verkündet – und Schierenbeck, der als designierter Vorstand bei dem Drama nur hatte zuschauen können, musste sich kurzfristig einen komplett neuen Führungsstab zusammenstellen.

Schierenbeck und Ramos waren monatelang vor allem damit beschäftigt, die Streits mit Fortum und diversen aktionistischen Investoren zu schlichten, die aus den Auseinandersetzungen um eine Übernahme der Finnen Kapital schlagen wollten und den Konzern mit Klagen überzogen. Dabei waren die beiden Manager eigentlich zu Uniper gekommen, um aus dem Unternehmen, das als chaotische „Resterampe“ der E.ON-Umstrukturierung verschrien war, eine zukunftsfähige Unternehmenseinheit und Marke zu formen.

Das allein wäre eine große Aufgabe. Denn Uniper ist diejenige Einheit, in die E.ON seine fossilen Kraftwerke ausgegliedert hat. Es ist das Geschäft, das so gar nicht mehr in das Energiewende-Deutschland passen will: ein Unternehmen mit einem CO2-Fußabdruck, der größer ist als der manches Kleinstaats. Uniper hat regelmäßig Ärger mit Umweltschützern, denen der Ausstieg aus der Kohleverstromung nicht schnell genug vorangeht. Das Unternehmen kämpft darum, politisch – auf nationaler wie internationaler Ebene – maximal umstrittene Projekte wie den Neubau des Kohlekraftwerks Datteln 4 oder den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 durchzudrücken. Und bei den Düsseldorfern werden in den kommenden Jahrzehnten Umstrukturierungen, Rückbau und Stellenabbau auf der Tagesordnung stehen.

Schierenbeck ist Elektrotechniker, Ramos hat vor seinem Wechsel ins Kommunikationsfach in seinem Geburtsland Portugal Ingenieurswissenschaften studiert. Zwei Techniker also, die sich diese Aufgabe durchaus zutrauten. Bereits beim Aufzugspezialisten von thyssenkrupp galten die beiden mit ihrer pragmatischen und strukturierten Vorgehensweise als konstruktives Aufbauteam.

Sieben Jahre lang hatten sie sich dort in der Elevator-Sparte der Aufgabe verschrieben, aus der nach diversen Übernahmen und Ausgliederungen wild zusammengewürfelten Abteilung des Stahlkonzerns eine erfolgreiche Unternehmensmarke zu formen, die am Markt mit weit traditionsreicheren Konkurrenten mithalten sollte.

Dann wurde die Aufzugssparte zwecks Sanierung des kriselnden Gesamtkonzerns verkauft, und Schierenbeck nahm seinen Kommunikationschef bald darauf mit nach Düsseldorf, in die Zentrale des 2016 neu gegründeten Energiekonzerns Uniper. Auch dort ging es darum, aus verstreuten Einzelteilen ein neues Ganzes zu bilden.

Für Ramos sollte der Uniper-Posten eigentlich nur ein weiterer in einer ganzen Reihe herausfordernder Kommunikationsjobs sein, die er bereits auf der ganzen Welt übernommen hat. Seine Spezialität ist es, für Industriekonzerne „auf der grünen Wiese“ Kommunikationsteams und -strategien aufzubauen – wenn sie etwa einen neuen Standort im Ausland planen, wenn sie neue Märkte erschließen wollen oder – wie bei thyssenkrupp Elevator – einen ganz neuen Geschäftsbereich aufbauen.

Ramos hat das so oft gemacht, dass er einen „strukturierten Prozess“ für diese Art der kommunikativen Aufbauarbeit entwickelt hat. „Ich würde sagen, ich habe meinen ganz eigenen Stil. Und einen Prozess, der es dem Team ermöglicht, in diesen Situationen nicht jedes Mal wieder ganz bei Null anzufangen“, sagt er.

In seiner Vorgehensweise bleibt er seinen Wurzeln als Ingenieur treu: „Ich sehe ein Problem. Ich analysiere es. Und folge dann klaren Prozessen und baue Strukturen und Hebel auf, um es zu lösen.“ Auf diese Blaupause griff Ramos auch zurück, als er bei Uniper anfing. Doch er stellte schnell fest, dass der Energiekonzern seine Mustervorlage an ihre Grenzen brachte: „Das ist eine der kompliziertesten Situationen, die ich je begleitet habe“, so der Kommunikationschef. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Januar-Ausgabe des prmagazins, wie Luis Ramos diese Aufgabe meistern will, warum er trotz der Ausnahmesituation auf seinen erprobten Baukasten von Prozessen und Werkzeugen setzt, wie er Uniper vom branchentypischen Image der gesichtslosen, unangreifbaren Organisation befreien und wie er die Mitarbeiter für den Wandel des Unternehmens begeistern will.

Die prmagazin-Ausgabe 01/2021 – darin unter anderem:

Der Ingenieur:
Die Aufbauarbeit bei dem zusammengeflickten Energieunternehmen Uniper erweist sich für Luis Ramos als kniffliger Job.

Neue Wehleidigkeit: „Monitor“-Redaktionsleiter Georg Restle reagiert auf die Phillipika von Bayer-Kommunikator Maertin gegen politische TV-Magazine.

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