Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

06.10.2020

im Heft

10/2020

Schlagworte

Kristin Breuer, Verband Forschender Arzneimittelhersteller, vfa, Pharmabranche, Kommunikation, Corona-Impfstoff

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Ausgabe 10/2020

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Nichts ohne mein Team


Teamplay: Im prmagazin- Interview spielt sich Kristin Breuer mit ihren Pressesprechern Jochen Stemmler (links) und Rolf Hömke die Bälle zu. (Foto: Jan Zappner)


Kristin Breuer kam im April 2020, mitten in der hohen Zeit der Covid-19-Pandemie, als Geschäftsführerin Kommunikation zum Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa). Sie hat eine gut funktionierende Abteilung übernommen, sagt sie. Und weil die ganze Welt auf einen Corona-Impfstoff hofft und der Branche gerade zuhört, will sie nun selbstbewusst erklären, wie Pharma funktioniert.


"Was ist eigentlich notwendig, bis ein Impfstoff zugelassen wird?",
fragt Anchorman Carsten Hädler – und Reporterin Marie Przibylla legt los. Hinter ihr sind bunte Infografiken eingeblendet. Sie zeigen die sieben Etappen der Impfstoffentwicklung: von der Analyse des Virus über Tierversuche und Tests an Freiwilligen bis zur Zulassung. Das vierminütige Erklärstück des Nachrichtensenders Welt TV (früher N24) läuft am 18. Juni dieses Jahres.

Für die Kommunikatoren des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) ist das ein Triumph. Denn die Infografiken, die da hinter Przibylla an der Studiowand aufleuchten, stammen allesamt von dem Pharmaverband. Sie sind als Schaubilder auf der Website zu finden, und die Redaktion hat sie unverändert übernommen. „Unten im Bild steht sogar groß ,Quelle: vfa‘“, freut sich Kristin Breuer.  

Es ist ein wichtiger Erfolg für die neue Chefin der vfa-Kommunikation und ihre Kollegen. „Es gab Zeiten, da haben Journalisten uns mit ganz spitzen Fingern angefasst und gesagt: Von denen nehmen wir gar nix“, erinnert sich der langjährige vfa-Pressesprecher Jochen Stemmler Ende August beim prmagazin-Besuch in der Verbandsgeschäftsstelle am Berliner Hausvogteiplatz. Der Grund: Es galt prinzipiell als verdächtig, was die Pharmakonzerne von sich gaben, die mit angeblich überteuerten Medikamenten Kapital aus dem Leid kranker Menschen schlugen – oder mindestens als stark gefärbt.

Breuers Vorgängerin, der langjährigen Kommunikationschefin Kirsten Hoyer, war es gelungen, dieses Image zu ändern. Sie positionierte den Verband Schritt für Schritt als sachlichen Informationslieferanten und Fenster in die Labore der Branche. Seit die Pharmaindustrie in der Corona-Krise zum großen Hoffnungsträger avanciert ist, spielen die vfa-Kommunikatoren die Infokarte mit wachsender Begeisterung: „Wir sind eine Referenzquelle in der allgemeinen Diskussion geworden“, freut sich Sprecher Jochen Stemmler. Journalisten nennen den Verband inzwischen selbstverständlich in einem Atemzug mit dem Robert Koch-Institut und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Kurz: Der vfa ist in der Wahrnehmung von einem Lobbyisten zur neutralen Quelle geworden.

Dana Bethkenhagen, stellvertretende Redaktionsleiterin beim Tagesspiegel, Themenschwerpunkt Gesundheit und E-Health, arbeitet gern mit dem Pharmaverband zusammen. „Die sind immer gut informiert und helfen, wenn sie können“, lobt sie. „Sie haben mich noch nie hängen lassen.“ Bei den Arzneimittel-Storys, die sie mithilfe des vfa recherchiert hat, liefen Abstimmungen zügig, und die Pressesprecher riefen schnell zurück.

Und selbst Investigativjournalist Christian Baars vom NDR, der die vfa-Kommunikatoren oft mit kritischen Themen piesackt, sagt: „Im Gegensatz zu vielen einzelnen Pharmafirmen beantwortet der Verband unsere Anfragen in der Regel inhaltlich und fristgerecht und verhält sich insofern absolut professionell.“

Kristin Breuer: "Die Corona-Krise ist die einmalige Chance, unsere Mechanismen in aller Ruhe zu erklären – weil die Öffentlichkeit gerade zuhört." (Foto: Jan Zappner)


Kristin Breuer stieß im April dieses Jahres zu den Berlinern – auf dem Höhepunkt von Corona-Krise und Lockdown. Vorgängerin Kirsten Hoyer hatte damals bereits ihre neue Position beim Pharmahersteller MSD angetreten, und die Stelle der Geschäftsführerin Kommunikation war seit einigen Monaten vakant gewesen. vfa-Sprecher Jochen Stemmler und die Kampagnenverantwortliche Claudia Frese leiteten das Team in Vertretung. Mathias Butte, zuständig für die interne Verbandskommunikation, führte in der Zeit erfolgreich eine App für die Mitgliedsunternehmen ein.

„Ich wusste, dass Kirsten Hoyer beim vfa sehr viele Veränderungen angestoßen hat“, sagt Breuer, die den Wandel schon mitverfolgt hatte, als sie selbst noch Sprecherin von AstraZeneca war ( „Gefragte Frau“, S. 16). „Die Entwicklung fand ich sehr überzeugend.“ Als Hoyer ihr dann persönlich riet, das Angebot von vfa-Präsident Han Steutel unbedingt anzunehmen („Das ist ein super Job!“), schlug sie schließlich ein.

Breuer übernahm die Kontrolle einer gut geölten Maschine. Sie war ihren Kollegen dankbar, „weil sie mir ab Tag eins extrem offen und mit großem Vertrauensvorschuss begegnet sind. Damit wusste ich, ich kann mich auf das Team verlassen und gleich voll einsteigen“. Wegen Covid-19 kam wochenlang ein Vielfaches der Anfragen rein, mit denen der Verband normalerweise zu tun hat. Deshalb hatte niemand Zeit für schicke „Vorstellungspräsentationen“, wie Breuer es nennt. „Wir sind stattdessen gleich zum Kern der Sache vorgedrungen und haben uns gegenseitig unter Volllast erlebt. Das hat schon seinen Charme.“

Ihr Auftrag lautet, das weiterzuentwickeln, was Kirsten Hoyer begonnen hat. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des prmagazins, wie Kristin Breuer die von ihrer Vorgängerin begonnene Digitalisierung der Kommunikation vorantreibt, wieso der Ausbruch der Covid-19-Pandemie die Wende zu einem neuen, positiven Bild der Pharmabranche war, warum der vfa den typischen "Lobby-Sound" meidet und wie sich Breuers Hang zum Teamplay auf ihre Arbeit auswirkt.

Die prmagazin-Ausgabe 10/2020 – darin unter anderem:

Die Neue:
Kristin Breuer kam mitten in der Covid-19-Pandemie zum Pharmaverband vfa. Ein Sprung ins ganz eiskalte Wasser war es trotzdem nicht.

Historische Nullleistung: Im Pressestellentest der Streaming-Dienste zeigt sich Disney von seiner schlechtesten Seite. Es gibt aber auch echte Lichtblicke.

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