GPRA-Reform

Neu und gut?

Auf der Mitgliederversammlung am 6. Mai 2011 beschloss die Gesellschaft Public Relations Agenturen die laut eigenen Worten „größte Reform seit Jahren". Was halten Mitgliedsagenturen von der Neuausrichtung ihres Verbands? Das prmagazin hörte sich um.

Das neue GPRA-Präsidium: Ion Linardatos, Heiko Kretschmer, Alexander Güttler und Uwe Kohrs (v.l.).

Frank Behrendt (FischerAppelt)

„Wir müssen als Branche sichtbarer werden“

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der GPRA in den vergangenen zwei Jahren? Hat das Präsidium Ihre Erwartungen erfüllt?
Das Präsidium um Alexander Güttler hat in schwieriger Zeit einen guten Job gemacht. Gerade in rauer See zeigt sich die Qualität, denn in sonnigen Zeiten Erfolgsmeldungen zu verbreiten, ist keine große Kunst. Daher: positives Fazit.

Halten Sie die programmatische Neuausrichtung für sinnvoll? An welchen Stellen muss der Verband aus Ihrer Sicht in der nächsten Amtsperiode nachschärfen?
Ich halte sie für absolut sinnvoll. Der Verband muss weiter an Profil und Relevanz gewinnen. Daher sind alle Bestrebungen, die in diese Richtung gehen, zu unterstützen. Mir geht es vor allem darum, dass wir als komplette Branche sichtbarer werden müssen. Das ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich verpasst worden. Der Verband der führenden PR-Agenturen sollte eine kraftvolle und zukunftsgerichtete Allianz sein, die neue Themen treibt.

 

Dirk Popp (Ketchum Pleon)

„Man hätte noch weiter gehen können“

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der GPRA in den vergangenen zwei Jahren? Hat das Präsidium Ihre Erwartungen erfüllt?
Die GPRA muss für uns einen Mehrwert bieten, das habe ich immer gesagt. Dann sind wir als Marktführer auch weiter mit dabei. Sicher sieht dieser Mehrwert bei einer großen Agentur wie Ketchum Pleon anders aus als bei einer vergleichsweise kleinen. Mit der Arbeit des Präsidiums sind wir zufrieden, die jetzt angestoßenen Veränderungen gehen in die richtige Richtung.

Halten Sie die programmatische Neuausrichtung für sinnvoll? An welchen Stellen muss der Verband aus Ihrer Sicht in der nächsten Amtsperiode nachschärfen?
Die programmatische Neuausrichtung geht viel stärker auf die Lebenswirklichkeit und die Anforderungen der Mitglieder in der heutigen Zeit ein, deshalb ist sie richtig. Man hätte an der einen oder anderen Stelle noch einen Schritt weiter gehen können, aber jetzt muss man die angestoßenen Veränderungen auch erst einmal umsetzen. Dabei sollte sich die GPRA noch stärker darauf konzentrieren, unser Berufsfeld zu profilieren und den eigenen Anspruch, die führenden Agenturen im Markt zu vereinigen, vorantreiben. Auch durch den Gewinn weiterer großer Player als Mitglieder.

 

Gregor Hintz (Leipziger & Partner)

„Neue Strategie ist sehr zukunftsorientiert“

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der GPRA in den vergangenen zwei Jahren? Hat das Präsidium Ihre Erwartungen erfüllt?
Spätestens auf der Mitgliederversammlung hat das Präsidium belegt, dass die GPRA noch sichtbarer und präsenter geworden ist. Die Mitglieder, das Präsidium und nicht zuletzt sein Vorsitzender Alexander Güttler haben dem Verband zu einem klaren Selbstverständnis verholfen und gehen so auch gestärkt in die öffentliche Diskussion von kritischen Themen.

Halten Sie die programmatische Neuausrichtung für sinnvoll? An welchen Stellen muss der Verband aus Ihrer Sicht in der nächsten Amtsperiode nachschärfen?
Die aktuelle Strategie der GPRA ist von der Großzahl der Mitglieder in Workshops erarbeitet worden. Ich halte sie deshalb für sehr praxis- und zukunftsorientiert, gemeinsame Standpunkte werden uns ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, Markt- und Meinungsmacht geben. Aus- und Weiterbildung sowie eine noch stärkere (Medien-)Präsenz sind Aufgaben für 2011, zu denen letztendlich jedes GPRA-Mitglied seinen Beitrag leisten muss.

 

Wolfgang Kreuter (EURO RSCG ABC)

„Die GPRA räumt mit einigen Mythen auf“

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der GPRA in den vergangenen zwei Jahren? Hat das Präsidium Ihre Erwartungen erfüllt?
Mein Eindruck ist, dass die GPRA begonnen hat, mit einigen Mythen der Vergangenheit aufzuräumen. Das ist gut und richtig. Hierher gehört die Hybris des Führungsanspruchs der PR, der irgendwann in den 90er Jahren mal im Aufstiegsrausch der Branche in ungeschickter Weise in Stein gemeißelt wurde. Mit der Finanzkrise ist aber endgültig klar geworden, dass der Markt für klassische PR- Dienstleistungen gesättigt ist und daher unwiderruflich von Preisdruck, Substitution und Differenzierung geprägt bleiben wird. Ob in dieser Marktsituation eine immer heterogener werdende GPRA sich noch als die Organisation der führenden PR-Agenturen positionieren kann, ist zu Recht als Frage aufgeworfen. Aber als was soll sich die GPRA, sollen wir uns positionieren, wenn wir das Selbstverständnis der frühen Jahre, nämlich Öffentlichkeiten für Stakeholder verantwortungsbewusst mitgestalten zu wollen, nicht an der Kasse der Marketingclubs abgeben oder der Relativität von Facebook-Votes überantworten wollen? Der Begriff des Lotsen ist sicherlich ein Teil der Antwort auf diese Frage.

Halten Sie die programmatische Neuausrichtung für sinnvoll? An welchen Stellen muss der Verband aus Ihrer Sicht in der nächsten Amtsperiode nachschärfen?
Die Neuausrichtung ist sinnvoll, aber man sollte sie auf ihrer jetzigen Entwicklungsstufe nicht als abgeschlossen begreifen. Immer mehr Menschen wollen mehr Public wagen. Vor den Relations aber haben sie Angst. Heißt, vieles von dem, was jetzt im digitalen Raum zum Beispiel als Community Building daherkommt, muss erst in eine verantwortliche Gesamt-PR eingebettet werden, damit es glaubwürdig sein kann und nicht wie das Einzäunen von Schafen endet. Kunden auf diesem Weg zu beraten und zu führen, ist eine eminente, auch gesellschaftspolitische Herausforderung, für die Agenturen mit einem PR-Hintergrund am ehesten qualifiziert sind. Aber der Markt muss das auch wissen. Hier hat der Verband in den nächsten Jahren am meisten zu tun. Da er den Ballast der Vergangenheit gerade abwirft, bin ich zuversichtlich, dass das gelingen wird.

 

Wigan Salazar (MSL Group Germany)

„Weitere starke Marktplayer werben“

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der GPRA in den vergangenen zwei Jahren? Hat das Präsidium Ihre Erwartungen erfüllt?
Unter dem Strich bin ich mit der Leistung des Präsidiums zufrieden. Mit dem Vertrauensindex, der in der Wirtschaftswoche gedruckt wird, hat die GPRA endlich ein Format entwickelt, das zu einer Meinungsführerschaft der Branche beitragen kann. Das machen wir ja stets für unsere Kunden — aber für die eigene Branche haben wir das Thema Reputation bislang nicht auf der Agenda gehabt.

Halten Sie die programmatische Neuausrichtung für sinnvoll? An welchen Stellen muss der Verband aus Ihrer Sicht in der nächsten Amtsperiode nachschärfen?
Man kann es mit Programmdebatten auch übertreiben. Wir sind Unternehmer und Manager — keine Politiker. Eine Schärfung des Profils finde ich durchaus wichtig. Wichtiger ist aber, dass der Verband es schafft, einige weitere starke Marktplayer als Mitglieder zu werben. Daran wird man messen, ob das Programm richtig ist. Es ist ja schon bedenklich, dass ein Vorzeigeunternehmen wie Hering Schuppener sich sogar ganz aus dem PR-Ranking verabschiedet und nichts mit PR zu tun haben will. Das ist ein deutlicher Kontrast zum Beispiel zu England, wo Bell Pottinger, Freud oder Brunswick als Treiber der Branche fungieren und sich nicht von ihr distanzieren.

 

Dietrich Schulze van Loon (Molthan van Loon)

„Güttler hat hervorragende Arbeit geleistet“

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der GPRA in den vergangenen zwei Jahren? Hat das Präsidium Ihre Erwartungen erfüllt?
Wir sind zufrieden mit der Arbeit des Präsidiums und der Arbeit von Alexander Güttler. Er hat sein Amt in einer wirtschaftlich schwierigen Situation übernommen. Das gilt es zu würdigen. Vor diesem Hintergrund hat er hervorragende Arbeit geleistet.

Halten Sie die programmatische Neuausrichtung für sinnvoll? An welchen Stellen muss der Verband aus Ihrer Sicht in der nächsten Amtsperiode nachschärfen?
Die neue Programmatik ist ein vernünftiges Unterfangen. Man muss jetzt sehen, inwieweit das nachgefragt wird. Es ist ein richtiger Schritt.

 

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