Detailinformationen

Autor

Christina Ullrich

Verantwortliche Redakteurin

verfasst am

15.03.2011

Umfrage: Pitch-Honorare

Behandeln Sie Ihre Agenturen gut?

Die Agentur-Managementberatung Cherrypicker hat im Februar Honorarempfehlungen für Pitches veröffentlicht. Ziel ist es, Auftraggebern eine Orientierung zu geben, welche Summen angemessen sind. Was sagen eigentlich die Unternehmen dazu? Das prmagazin hat sich bei deutschen Großkonzernen umgehört.

Das haben wir gefragt:

1) Müssen Agenturen aus Ihrer Sicht für Pitches bezahlt werden – oder ist die kreative Leistung bei der Bewerbung um einen Kommunikationsetat eine selbstverständliche Vorleistung, die die Dienstleister unentgeltlich erbringen sollten?

2) Was halten Sie von der Cherrypicker-Empfehlung – ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare aus Ihrer Sicht angemessen?

3) Teilen Sie die Einschätzung der Macher, dass sich die Empfehlungen – zumindest als Orientierung – auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden lassen?

 

MAN: Hartmut Sander, Vice President Brand Management

„Zu hoch gegriffen“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Wettbewerbspräsentationen kosten viel Zeit und Geld. Wenn wir gute Agenturen mit guten Teams und guter Kreation am Tisch haben wollen, müssen wir zumindest die Ernsthaftigkeit einer Anfrage unter Beweis stellen. Dazu sind wir bereit, ein Honorar zu zahlen. Gerade bei kleineren Projekten würden die Topagenturen ansonsten abwinken.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Die Honorarempfehlungen finde ich zu hoch gegriffen. Wir könnten ohnehin nicht den tatsächlich angefallenen Aufwand bezahlen.

 

Bayer: Günter Forneck, Leiter Presse

„Zu holzschnittartig“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Wir sind überzeugt, dass qualitativ hochwertige Leistungen im Rahmen eines Agentur-Pitches entsprechend honoriert werden sollten. Seriosität und Professionalität prägen dabei die Wettbewerbsausschreibungen unseres Hauses. Sie sind ein klares Bekenntnis zur Investition in Zeit, Wissen und Kapital auf beiden Seiten – im Unternehmen wie auch in der Agentur.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Es ist sicher ein Schritt in Richtung „Orientierungshilfe“. Die Höhe unseres angebotenen Pitch-Honorars resultiert stets aus der Berücksichtigung zahlreicher kampagnenrelevanter Messgrößen (zum Beispiel Medienvielfalt und Anzahl der Länder).

Lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Es ist eine erste Orientierung. Jedoch sind die Empfehlungen noch zu „holzschnittartig“, um sie für die zahlreichen Spezialdienstleister eins zu eins übernehmen zu können.

 

Deutsche Börse: Frank Herkenhoff, Head of Media Relations

„Selbstdarstellung verdient kein Honorar“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Das kommt auf das Briefing an: Wenn dort bereits konkrete Aufgabenstellungen mit Timelines enthalten sind und die Präsentation genauso detailliert darauf eingeht, ist ein Honorar gerechtfertigt. Falls die Präsentation zum größten Teil aus der Agenturselbstdarstellung besteht und auf ein oder zwei Charts grobe Ideenskizzen enthält, nicht.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Das halte ich für ausgewogen.

Lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Ja, denn in den meisten Fällen lässt sich Kommunikation nicht einfach so skalieren, sondern ist eine hochindividuelle Lösung.

 

Infineon Technologies: Kay Laudien, Senior Director Media Relations

„Bewerbung ist eine selbstverständliche Vorleistung“

Grundsätzlich halte ich nichts davon, dass Pitches vorab bezahlt werden. Allerdings kommt dies natürlich auf Art und Umfang der Arbeiten für einen Pitch an. Dementsprechend ist die Unterteilung von Cherrypicker nachvollziehbar. Aber was heißt schon mittlere Pitch-Aufgabe? Für gewöhnlich läuft es doch so, dass es quasi einen Pitch zum Pitch gibt. Von daher brauche ich keinen Menschen, der mir eine Einschätzung vorab gibt, denn die bekomme ich ja von selbst geliefert.

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Nein – die kreative Leistung bei der Bewerbung um einen Kommunikationsetat ist eine selbstverständliche Vorleistung, die die Dienstleister unentgeltlich erbringen sollten. Ausnahme siehe oben.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Nein, weil die Leistungen in den verschiedenen Disziplinen doch viel zu unterschiedlich sind.

 

ThyssenKrupp: Alexander Wilke, Head of Corporate Communications

„Bewerbung ist keine selbstverständliche Vorleistung“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Aus unserer Sicht ist die kreative Leistung bei der Bewerbung um einen Kommunikationsetat keine selbstverständliche Vorleistung. Ein Pitch ist für die teilnehmenden Agenturen, die einen entsprechend auf das Kundenbriefing erarbeiteten Beitrag einreichen, mit einem erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Dieser Aufwand muss nach unserer Überzeugung angemessen honoriert werden, wenn wir die von uns gewünschte Qualität erhalten und auch kleineren Agenturen eine faire Wettbewerbschance geben wollen. Die ThyssenKrupp AG pflegt einen fairen und partnerschaftlichen Umgang mit ihren Agenturen. Dazu gehört, die Leistungen der Agenturen bei anspruchsvollen Pitches angemessen zu honorieren. Zudem legen wir großen Wert auf die sorgfältige Auswahl der teilnehmenden Agenturen, ein gutes Briefing und einen transparenten, nachvollziehbaren Ausschreibungsprozess.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Die von Cherrypicker empfohlenen Beträge entsprechen etwa den Bandbreiten, mit denen die ThyssenKrupp AG Pitches honoriert.

Lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Die Empfehlungen sind unseres Erachtens auf alle kreativ und konzeptionell anspruchsvollen Disziplinen anwendbar, zum Beispiel Werbung, Online- und Event-Kommunikation.

 

Allianz: Christian Kroos, Head of Group External Communications

„Die Empfehlungen erscheinen sehr hoch“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Kann, muss aber nicht.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Erscheint sehr hoch.

Lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Nein, die Honorierung ist sehr unterschiedlich.

 

Deutsche Bahn: Ulrich Klenke, Leiter Konzernmarketing

„Konsensfähiger Orientierungswert“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Zur Honorierung von Pitches gibt es bei der DB zwei unterschiedliche Fälle: Bei Vergaben nach EU-Sektorenrichtlinie wird kein Pitchhonorar gezahlt. In diesem Fall werden in der Regel auch nicht alle zur Angebotsabgabe zugelassenen Firmen zum Pitch eingeladen, das heißt, ein Pitchhonorar würde diskriminieren. Bei Vergaben unterhalb des EU-Schwellenwerts hingegen zahlt die DB auch Pitchhonorare. Grundsätzlich ist unsere Haltung, dass ein Pitchhonorar dann angemessen ist, wenn ein außergewöhnlicher Aufwand bei der Angebotserstellung vorliegt, so bei Ausarbeitungen vollständiger Kreativlinien beziehungsweise Ausarbeitungen von Konzepten in der Tiefe und sofern dies ein marktübliches Maß übersteigt.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen? Und lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Die Höhe der von Herrn Klein von Cherrypicker vorgeschlagenen Pitchhonorare ist konsensfähiger Orientierungswert für die klassische Marketingkommunikation.

 

RWE: Charlotte Kreft, Manager Group Brand Communications

„Wir zahlen in der Regel 5.000 Euro“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Agenturen sollten für die Vorleistung, die sie im Rahmen eines Pitches erbringen, bezahlt werden, allerdings ist und kann dies nur eine symbolische Leistung seitens des Unternehmens sein, gerade vor dem Hintergrund eines ständigen Wettbewerbs der Agenturen untereinander.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Die Höhe ist teilweise etwas zu hoch angesetzt. Bei RWE zahlen „wir in der Regel nur ein Pitch-Honorar in Höhe von 5.000 Euro“ und je nach Aufwand noch zusätzlich Produktionskosten für Pappen oder sehr aufwendige Präsentationen.

Lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Auf alle Agenturarten lässt sich das sicher nicht übertragen, da es ja inzwischen eine Vielzahl unterschiedlicher Agenturen gibt und jede für sich sehr unterschiedlich komplexe Aufgaben lösen muss. Generell ist es aber eine ganz gute Orientierung.

 

E.ON: Roland Schilhab, Pressesprecher

„Wir streben eine Win-Win-Situation an“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Wir streben eine Win-Win-Situation an und bieten bei Pitches in unseren Augen faire Honorare an.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Das ist genau die Größenordnung, die wir bislang angeboten haben und weiterhin anbieten werden.

Lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Grundsätzlich ja. Voraussetzung für einen fairen Pitch ist aber ein klares, eindeutiges Briefing. Das vermindert Aufwand bei der Agentur und erleichtert die Entscheidungsfindung.

 

Fresenius: Matthias Link, Leiter Konzernkommunikation

„Wir wollen einen schlanken und schnellen Prozess“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Es hängt vielmehr davon ab, wie Agenturen und Auftraggeber sich im Pitch verhalten. Als Auftraggeber liegt mir von vorneherein an einem möglichst schlanken, schnellen und effizienten Prozess. Man muss nicht zehn Agenturen durch drei Runden laufen lassen, um die richtige zu finden. Umgekehrt muss eine Agentur wissen, wie sie im Pitch überzeugen kann, ohne kostenlos komplette Konzepte auf den Tisch zu legen.

 

K+S: Michael Wudonig, Pressesprecher

„Wir brauchen Messkriterien“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
In der Regel vergüten wir bei Pitches von Agenturen deren kreative Leistung.

Ist die Höhe der empfohlenen Pitch-Honorare angemessen?
Sie ist dann angemessen, wenn von einem entsprechenden Aufwand seitens der Agenturen ausgegangen werden kann. Die Pitch-Leistungen sind allerdings qualitativ sehr heterogen.

Lassen sich die Empfehlungen auf alle Agenturarten und Kommunikationsdisziplinen anwenden?
Nein. Es müsste Messkriterien geben, anhand derer „kleine“ und „komplexe“ Aufgabenstellungen quantifizierbar werden.

 

Deutsche Post DHL: Silje Skogstad, SVP Global Media Relations Corporate Communications

„Aufwandsentschädigung kann angemessen sein“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Ohne uns auf konkrete Fälle beziehen zu können, möchte ich Ihnen allgemein Ihre Frage so beantworten, dass eine „Aufwandsentschädigung für aufwendige Pitch-Leistungen zu zahlen durchaus angemessen sein kann“. Das muß aber jedes Unternehmen für je unterschiedliche Pitch-Anforderungen im Einzelfall entscheiden.

 

Volkswagen: Christina Merzbach, Konzernkommunikation Vertrieb und Marketing

„Invest für mögliche Beauftragung“

Müssen Agenturen für Pitches bezahlt werden?
Die Leistungen einer Agentur im Rahmen eines Pitches können immer auch als Invest im Hinblick auf eine mögliche Beauftragung betrachtet werden. Das Eventteam der Volkswagen-Konzernkommunikation arbeitet grundsätzlich ohne Lead-Agentur im klassischen Sinn. Wir sehen uns selbst als eine Art Inhouse-Agentur, die die Leistungen von Spezialisten und Dienstleistern direkt einkauft und steuert. Zweitens stehen bei der hohen Schlagzahl von Veranstaltungen Agenturausschreibungen nicht im Fokus.


Aktuelle Kommentare

11.01.2014 14:48

alf arnold

Liebes Redaktionsteam. Nach der Lektüre würde mich doch interessieren, seit wann ThyssenKrupp in dieser Form agiert und ob dies für alle Geschäftsbereiche gilt.

Herzliche Grüße, Alf Arnold, CEO Salzkommunikation Berlin, www.salz-berlin.de

Anmerkung der Redaktion:
Die Umfrage wurde im März 2011 durchgeführt.

 
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