Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Journalist

verfasst am

11.06.2012

im Heft

6/2012

Bundeswehr

Wegtreten, Durchstarten!

Wer in der Kommunikationsbranche unterwegs ist, macht eine interessante Beobachtung: Auffällig viele erfolgreiche Kollegen haben ihre PR-Laufbahn bei der Bundeswehr begonnen. Reiner Zufall? Oder ist die Truppe ein besonders gut federndes Karrieresprungbrett? Glaubt man früheren Kameraden, so gilt Letzteres - und sie haben dafür gleich mehrere Erklärungen.

Nicolas Scheidtweiler leitete mit 29 Jahren das 35-köpfige Team des Nato-Radiosenders in Afghanistan. Heute hat er eine PR-Agentur.

Den Job hatte er sich anders vorgestellt. "Es war ein kleiner Praxisschock", erinnert sich Raik Packeiser. Der ehemalige Bundeswehr-Kommunikator, fing 2001 als Pressesprecher bei einem Immobilienverband an. Und seine Überraschung rührte mitnichten daher, dass er nach zehn Jahren Militär mit dem zivilen Wirtschaftsleben gefremdelt hätte. Im Gegenteil: "Es war viel weniger eigenständiges Arbeiten gefordert als bei der Truppe", sagt Packeiser, der beim Bund nach Offiziersschule und Studium zuletzt Öffentlichkeitsarbeit gemacht hatte. "Ich war eine hohe Umsetzungsgeschwindigkeit gewöhnt und viel mehr strategisches und konzeptionelles Arbeiten."

Das Intermezzo beim Verband währte entsprechend kurz. Packeiser wurde Marketingleiter bei einem IT-Unternehmen und machte sich 2004 mit der PR-Agentur Insignis selbstständig - gemeinsam mit Gilles Seifert, auch er ein ehemaliger Offizier. Die Zeit bei der Bundeswehr, sagt Packeiser, habe ihm Handlungssicherheit gegeben: "Ich habe Rhetorik und Gesprächsführung gelernt, weiß, wie ich Gesicht zeigen und Stellung beziehen kann, selbst wenn man mich beleidigt." Als Jugendoffizier stellte er Bundeswehr und Nato in Schulen und Universitäten vor, diskutierte auf Podien mit Pazifisten und Anti-Militaristen - stets in Uniform. Einmal erhielt er, am Ende im Rang eines Hauptmanns, sogar eine Morddrohung. So geriet der Job zum Stahlbad, das ein Kommunikator in der Wirtschaft bestens brauchen kann.

Packeiser ist nicht der Einzige, der seine PR-Laufbahn bei der Truppe startete. Immer wieder trifft man in der Branche auf ehemalige Jugend- und Presseoffiziere. Und die Bundeswehr-Vergangenheit scheint die Karriere zu beflügeln: Auffallend viele Führungsposten sind von Ex-Truppenkommunikatoren besetzt. Lars Witteck leitet die External Communications beim Konsumgüterkonzern Henkel. Mike-Peter Schweitzer ist Pressechef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Ulf Bauer, ebenfalls Ex-Jugendoffizier, vertritt das Tabakunternehmen British American Tobacco (BAT) als Head of European Union Affairs in Brüssel. Alexander Reinhardt, seit Anfang 2009 Leiter Corporate Media Relations beim Flugzeugbauer EADS, war lange Presse-informationsoffizier im deutschen Hauptquartier der SFOR im bosnischen Sarajevo.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Denn die Bundeswehr entlässt immer neue PR-Profis in die Wirtschaft. Als Großorganisation beschäftigt sie nahezu 200 hauptamtliche Sprecher in sieben Presse- und Informationszentren. Hinzu kommen 94 hauptamtliche Jugendoffiziere für den "sicherheitspolitischen Dialog" mit der deutschen Öffentlichkeit, zudem Redaktionssoldaten bei diversen Bundeswehrpublikationen und beim Truppenfunk Radio Andernach.

Die Frage drängt sich geradezu auf: Ist der Einsatz bei der Bundeswehr womöglich eine besonders gute Schule für Kommunikatoren?
"Ehemalige Zeitoffiziere beteuern jedenfalls häufig, dass ihnen die Kombination aus guter Ausbildung, einschließlich eines Universitätsstudiums, und der frühen Führungsverantwortung später sehr geholfen haben", sagt Oberst Michael Strunk, Leiter Lehre und Training an der Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation (AIK) in Strausberg bei Berlin.

Die Einrichtung wurde Anfang der 90er Jahre gegründet, um Presseoffiziere auszubilden und hohe Bundeswehrkader für den Umgang mit Journalisten fit zu machen. Strunk ist damit so etwas wie der oberste PR-Ausbilder der Streitkräfte. Im Aufbaulehrgang halten die Truppenkommunikatoren sogar ein kleines Manöver ab: Sie simulieren die Pressearbeit rund um die Gefechte im afghanischen Isa Khel, bei denen im April 2010 mehrere deutsche Soldaten fielen oder verwundet wurden. Als Dozenten setzt die AIK Presseoffiziere, Kommunikationstrainer und Journalisten ein, häufig Kriegsberichterstatter.

Stephan Abele, Inhaber der Hamburger Kommunikationsagentur Abele Consult und Vorstandschef des Deutschen Instituts für Public Relations (DIPR), war Anfang der 90er Jahre Jugendoffizier. Seine Ausbildung machte er beim Zentrum für Innere Führung in Koblenz und beim AIK-Vorläufer Schule für Psychologische Verteidigung in Waldbröl bei Köln. Als er sich 1978 nach dem Abitur beim Bund verpflichtet hatte, war er Hubschrauberpilot. Auf die Idee, dass Kommunikation etwas für ihn sein könnte, kam er erst im Dienst. So geht es offenbar vielen Presseund Jugendoffizieren, die später Karriere in der PR machen.


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Darin unter anderem:
Der Pionier: Rewe-Kommunikator Martin Brüning ist "PR-Manager des Jahres" - Altersfrage: Der demographische Wandel fordert die interne PR - Anziehungskraft: Employer Branding in der Agenturszene.

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