Detailinformationen

Autor

Sandra Middendorf

Freie Journalistin

im Heft

7/2011

Energiebranche

Wer lenkt die Lobbyisten?

Der deutsche Atomausstieg zwingt die Kernkraftwerksbetreiber zur strategischen Kehrtwende, den Solarunternehmen drohen massive Subventionskürzungen. Neue Gesetze und die gesellschaftliche Debatte setzen die Lobbyisten der Konzerne unter Strom. Wer steuert eigentlich die Interessenvertreter in Berlin? Ein Schlaglicht auf Köpfe und Berichtslinien in der politischen Kommunikation.

(Foto: ddp)

E.ON

Joachim Lang

Joachim Lang

„Im Aufbau neuen Vertrauens und gegenseitigen Verständnisses mit Politik und Öffentlichkeit liegt eine weitere wichtige Herausforderung für E.ON“, sagte der Chef der Düsseldorfer Johannes Teyssen, als er im Mai 2010 das Konzept für die damals geplante Umstrukturierung des Konzerns vorstellte. Eine der Maßnahmen betraf die Kommunikation: Die Abteilung Corporate Communications und der Bereich Economic and Public Affairs wurden im Ressort des Vorstandsvorsitzenden unter dem Namen Political Affairs and Corporate Communications zusammengefasst. In letzterem ist auch der Leiter der Berliner E.ON-Repräsentanz Joachim Lang organisatorisch verankert. Der 43-Jährige berichtet an Kommunikationschef Guido Knott nach Düsseldorf. Bevor Lang 2007 zu E.ON wechselte, arbeitete er als Referatsleiter im Bundeskanzleramt. In dieser Funktion war er für die Koordinierung der Europapolitik, für die Wirtschafts- und Währungsunion sowie die EU-Finanzpolitik zuständig. Zuvor war er von 1999 bis 2006 Referent des Ersten Parlamentarischen Geschäftsführers Norbert Röttgen in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Lang ist Jurist und hat in Münster promoviert. Seit 2002 ist er Lehrbeauftragter an der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, seit 2006 zudem Gastdozent an der NRW School of Governance der Universität Duisburg-Essen.

 

RWE

Peter Heinacher

Peter Heinacher

RWE hat 2008 die Energiepolitik als eigene Abteilung von der Kommunikation abgespalten. An ihrer Spitze steht seit dem 15. Februar 2008 Peter Heinacher. Er leitete zuvor bei der Deutschen Telekom den Zentralbereich Politische Interessenvertretung und Regulierungsgrundsätze und anschließend die konzernweite Corporate-Responsibility-Strategie der Bonner. Davor arbeitete er als Journalist, unter anderem seit 1987 für das Handelsblatt, wo er zuletzt das Ressort Weltwirtschaft verantwortete. Heinacher hat sein Büro am RWE-Hauptsitz in Essen und pendelt regelmäßig nach Berlin und Brüssel. Das Büro an der Spree, das seiner Abteilung unterstellt ist, führt seit zwei Jahren Peter Leo Gräf. Wie sein Vorgesetzter hat der 47-Jährige eine journalistische Vergangenheit. 2006 räumte er seinen Posten als stellvertretender Chef des Parlamentsbüros der WirtschaftsWoche in Berlin und ging als Leiter des Referats Redenschreiben und Präsentationen sowie stellvertretender Leiter Policies & Guidelines in die Kommunikationsabteilung der Dresdner Bank nach Frankfurt am Main. Von dort wechselte der promovierte Politologe 2009 nach Berlin-Mitte, in die RWE-Räume in der Friedrichstraße.

Vattenfall

Alexander Jung

Alexander Jung

Beim schwedischen Konzern Vattenfall arbeiten 20 Leute in der Abteilung Public & Regulatory Affairs Deutschland und damit an der Schnittstelle zur Berliner Energiepolitik. Chef des Bereichs ist Alexander Jung. Der 47-Jährige ist seit vielen Jahren bei Energieunternehmen tätig, da runter Veag Vereinigte Energiewerke und Bewag. Zu Vattenfall kam der Jurist 2004, leitete zunächst drei Jahre lang das Vorstandsbüro Deutschland, danach bis 2010 das Vorstandsbüro der 2007 geschaffenen Business Group Central Europe, in der die deutsche und die polnische Organisation von Vattenfall zusammengefasst wurden. Anfang 2011 wechselte er in die politische Kommunikation des Unternehmens. Jung gilt als enger Vertrauter des finnischen Deutschland-Chefs Tuomo Hatakka und berichtet direkt an ihn. Zudem steht er in intensivem Kontakt zur Presseabteilung. Ein zweiter Berichtsweg führt in den Politikbereich der Konzernzentrale nach Stockholm. „Diese enge Verzahnung ist sehr wichtig“, sagt er, das habe die Energiewende einmal mehr gezeigt. „Denn der deutsche Alleingang beim Atomausstieg sorgte auch in der schwedischen Politik und Öffentlichkeit für einigen Erklärungsbedarf. Die vergangenen Monate waren schon eine spezielle Zeit. Das war oft wie energiepolitisches Simultandolmetschen.“

ENBW

Andreas Renner

Andreas Renner

EnBW-Cheflobbyist Andreas Renner dürfte nicht nur mit den Belangen des Konzerns, sondern auch mit denen des neuen Anteilseigners bestens vertraut sein. Nach dem Absprung des französischen Großaktionärs EDF kaufte das Land Baden-Württemberg 45 Prozent der Anteile am drittgrößten deutschen Energieversorger. Damit hat Renner einen seiner alten Arbeitgeber zurück: Vor seiner Zeit bei dem Energieversorger war er nicht nur zwei Jahre lang Minister für Arbeit und Soziales in Stuttgart, sondern wirkte zudem im Landratsamt Ludwigsburg, im Regierungspräsidium Stuttgart und als Oberbürgermeister der Stadt Singen. Vor zwei Jahren wagte der heute 42-jährige Diplom-Verwaltungswissenschaftler den Schritt in die Wirtschaft und begann als Bereichsleiter Regenerative Energien bei EnBW in Brüssel. Schon ein Jahr später wechselte Renner erneut Abteilung und Aufgaben: Seit 2009 steht er der Konzernrepräsentanz in Berlin mit zwölf und der in Brüssel mit vier Mitarbeitern vor. Beide Büros gehören in der Konzernhierarchie zur Abteilung Wirtschaft und Politik, die Bernd Michael Zinow vom Karlsruher Hauptsitz des Unternehmens aus steuert.

Solarworld

Milan Nitzschke

Milan Nitzschke

Auch Solarworld hat einen Experten für die diplomatische Überzeugungsarbeit in Berlin. Ein eigenes Büro in der Hauptstadt leistet sich der deutsche Marktführer zwar nicht, schickt aber Milan Nitzschke, Leiter Public Affairs und Public Relations, vom Unternehmenssitz in Bonn regelmäßig an die Spree. Kontakt mit der Politik zu pflegen, ist für denDüssel dorfer alles andere als neu: Zwischen 1994 und 2002 arbeitete der Diplom-Volkswirt im Abgeordnetenbüro von Mechthild Rothe, Mitglied im Europäischen Parlament und Berichterstatterin für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. 2002 wechselte er als Referent zum Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE), dessen Geschäftsführer er im Jahr 2004 wurde. Seit März 2008 ist Nitzschke bei Solarworld. Bis zum Frühjahr dieses Jahres hatte er die Abteilung Nachhaltige Unternehmensentwicklung, Kommunikation und Marketing unter sich, dann wurde das Marketing selbstständig, weil das Unternehmen zu groß geworden war, um Marketing und Kommunikation weiter aus einer Abteilung zu steuern. Seitdem kümmert sich Nitzschke ausschließlich um die Kommunikation mit Presse und Politik. Er berichtet an Solarworld-Chef Frank Asbeck, neben dem er als einziger im Unternehmen zitiert werden darf.

SMA Solar Technology

Volker Wasgindt

Volker Wasgindt

Nicht nur um die Ziele des eigenen Unternehmens zu kommunizieren, fährt Volker Wasgindt regelmäßig nach Berlin. Ab und zu ist der 42-Jährige auch im Dienst des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) in der Hauptstadt. Wasgindts Arbeitgeber SMA Solar Technology ist Weltmarktführer bei Wechseltrichtern, die Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln und ein zentraler Teil von Solarstromanlagen sind. Er berichtet an Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon – und aus alter Gewohnheit außerdem an den Aufsichtsratsvorsitzenden Günther Cramer, den die Hauptversammlung im Mai 2011, nach 30 Jahren an der Unternehmensspitze, zum obersten Aufseher wählte. Cramer ist seit 2009 auch Präsident des BSW und Wasgindt dadurch in die Verbandsarbeit eingebunden. Seit drei Jahren arbeitet der Geograf mit Schwerpunkt Ökologie und Umwelt im Unternehmen. Sein Büro hat er bis heute in der Firmenzentrale in Niestetal bei Kassel. Die ersten zwei Jahre leitete er Presse und Public Affairs, seit Beginn dieses Jahres steht er der Abteilung Public Affairs vor. Anfang 2011 hatte SMA Solar den Bereich Presse und Public Affairs in zwei Abteilungen aufgeteilt. „Diese Entscheidung war der starken Expansion unseres Unternehmens und dem damit verbundenen wachsenden Arbeitsaufkommen geschuldet“, sagt Wasgindt. Zwischen 2008 und 2010 hatte sich der Umsatz des im TecDax notierten Konzerns auf 1,9 Milliarden Euro fast verdreifacht. 2010 wurden rund 1.200 Mitarbeiter eingestellt, im Jahr zuvor zählten die Hessen sogar 1.500 Neuzugänge.

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