Detailinformationen

Autor

Manuel Heckel

Freier Journalist

im Heft

7/2012

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Stromnetzbetreiber

Wirbeln für die Wende

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Energiewende zur Chefsache erklärt. Möglichst schnell sollen neue Stromautobahnen entstehen - mit größtmöglicher Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Betreiber stellt der Netzausbau vor große Herausforderungen. Zwar bleibt der Widerstand der gefürchteten Wutbürger bislang lokal. Trotzdem ist in der Kommunikation Luft nach oben.

(Foto: Michael Urban/ddp)

Die Politik trumpfte bei der Vorstellung des Netzentwicklungsplans Ende Mai richtig groß auf. Neben Umweltminister Peter Altmaier (CDU), ganz frisch im Amt, standen Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zu dritt nahmen sie bei der Bundesnetzagentur das 350 Seiten starke Konvolut entgegen, das die Schritte festhält, die nötig sind, um das Stromübertragungsnetz in den kommenden zehn Jahren zukunftsfähig zu machen. Für den Plan sind in erster Linie die vier Übertragungsnetzbetreiber zuständig: 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW.

Unter den wachsamen Augen der Bundesnetzagentur haben sie aufgedröselt, wo neue Leitungen entstehen müssen. Es ist ein Schlüsselprojekt der Energiewende, das machte auch die geballte Politprominenz bei der Übergabe in der Bonner Behörde deutlich. Richtig rund lief es bislang nicht: Die Vorhaben, die unter dem bis 2011 geltenden Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) geplant wurden, kommen nur sehr schleppend voran.

Ende Mai zählte die Bundesnetzagentur gerade mal 214 fertiggestellte von 1.834 geplanten Leitungskilometern. Bei deutlich mehr als der Hälfte der 24 Projekte rechnet die Bonner Behörde mit Zeitverzug zwischen einem und fünf Jahren. Denn aus PR-Sicht teilt der Ausbau der 380- und 220-Kilovolt-Leitungen eben das Schicksal vieler Infrastrukturprojekte: Gegen das Vorgehen der beteiligten Unternehmen regt sich Widerstand. Niemand lässt sich gern einen Masten vor die Nase setzen. Die einen sorgen sich um den Wert ihres Hauses, die anderen um Landschaft und Tiere, wieder andere fürchten Belastungen durch Elektrosmog. Zahlreiche Bürgerinitiativen sorgen für Wirbel.

Klicken Sie auf das Bild für eine Übersicht der vier Stromnetzbetreiber.

Mit dem Netzentwicklungsplan betreten die Betreiber der deutschen Stromnetze nun kommunikatives Neuland. Die Öffentlichkeit soll künftig früher und öfter zu Wort kommen - in Form offener Konsultationen. Dieses Instrument ist festgeschrieben im Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) , das der Deutsche Bundestag 2011 verabschiedete. Der aktuelle Plan befindet sich derzeit in der zweiten von mindestens drei Phasen, in denen sich interessierte Bürger zu Wort melden dürfen. Bei der ersten Runde im Herbst lud die Bundesnetzagentur ein. 75 Verbände, Firmen und Bürgerinitiativen folgten dem Aufruf, dazu kamen zahlreiche Briefe, Faxe und E-Mails von Privatpersonen. Nach einer ersten Überarbeitung dieses "Szenarienrahmens" sind jetzt die Netzbetreiber an der Reihe, die Öffentlichkeit einzuladen.

Dafür arbeiten 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW, die in ihrer jeweiligen Region allein kommunizieren, zusammen. Sie verzichten dabei sogar weitgehend auf das eigene Firmenemblem und haben stattdessen ein neues Logo gestalten lassen. Über die gemeinsame Plattform www.netzentwicklungsplan.de kamen allein in den ersten vier Wochen etwa 150 Stellungnahmen herein. Bis zum 10. Juli haben die Bürger noch Zeit, sich zu äußern. Neben der Website, die im Mai 60.000 Zugriffe verzeichnete, setzen die Betreiber vor allem auf direkte Kommunikation. "Wir erleben eine Renaissance der schlichten Veranstaltung", sagt Sabine Clausecker, Vorstand der Berliner Kommunikationsagentur CB.e, die die vier Netzbetreiber bei der gemeinsamen Prozesskommunikation unterstützt. Mit Journalistenworkshops, Infoveranstaltungen und einem parlamentarischen Frühstück werden die Inhalte des Dokuments beworben.

Über den Sommer werden wiederum die Anmerkungen der Öffentlichkeit eingewoben, im Herbst lädt die Bundesnetzagentur ein weiteres Mal zur Konsultation ein - und übergibt den Plan dann an die Bundesregierung, damit daraus im parlamentarischen Prozess Gesetz werden kann. Anschließend beginnen die Genehmigungsverfahren in den Bundesländern. Die Konsultationen in allen Ehren: Entscheidend ist das Kommunikationsklima vor Ort. Wenn die jetzt grob skizzierten Trassen wirklich entstehen, kann die Stimmung in den betroffenen Dörfern und Gemeinden jederzeit noch umschlagen. Das haben die Netzbetreiber gelernt: "Die Erkenntnis ist da: Ohne Dialog baut man keine Stromtrassen", sagt der Pressesprecher von 50Hertz Volker Kamm. Die Unternehmen versuchen daher schon lange, in den betroffenen Regionen Präsenz zu zeigen.

 

Allein unterwegs

Die Trennung von Netzbetrieb und Energieversorgung erleichtert den vier deutschen Betreiberunternehmen die Kommunikation.

Das sogenannte Unbundling hat sich für die Kommunikation ausgezahlt. Von der durch die EU-Kommission forcierten Trennung von Netzbetrieb und Energieversorgung habeman profitiert, heißt es bei den Betreibern. Das Interesse der Medien sei gewachsen, sagt 50Hertz-Sprecher Volker Kamm. Wo früher Anrufe in den Pressestellen der Holding ankamen und manchmal dort versackten, sprechen jetzt die Betreiber direkt. Seit sie nicht mehr unter den Flaggen von RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW segeln, müssen sie sich zudem nicht mehr für angeblich überhöhte Strompreise und schlechten Service rechtfertigen. "Früher wurden viele negative Emotionen mit hineingezogen", sagt Amprion-Sprecher Marian Rappl, "das hat sich durch die scharfe Trennung sehr geändert."

Für den Neuling unter den Netzbetreibern, TransnetBW, bringt die Abnabelung allerdings zugleich große Aufgaben mit sich, auch in der Kommunikation: An der Internetseite, die bislang vor allem Geschäftskunden ansprechen musste, wird eifrig getextet, in ersten Journalistenworkshops baut Sprecherin Angela Brötel den direkten Draht zu den regionalen Medienvertretern auf. "Wir müssen da erst mal Basisarbeit leisten", sagt sie.


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