Parteisprecher (3): Die Grünen
Zurück an die Macht
Keine reißerischen Schlagzeilen, dafür konstante und glaubwürdige Botschaften: Mit diesem Rezept will Jens Althoff die Grünen zurück an die Regierung bringen. Teil drei unserer Porträtserie über die Pressesprecher der Bundesparteien in Berlin.

Grünen-Sprecher Jens Althoff: „Ich will nicht mit einer Eintagsfliege die schnelle Schlagzeile erzeugen.“ (Foto: Jan Zappner)
„Einst hat Siemens Atomkraftwerke gebaut, heute baut es so was“, tönt es aus dem Rechner von Jens Althoff. Es ist der Beginn eines Beitrags im RTL-Nachtjournal, der am Abend zuvor lief. Kurz darauf sieht man Grünen-Parteichef Cem Özdemir vor einem gigantischen Glaspalast, den Siemens an den Royal Victoria Docks in London errichtet hat: „The Crystal“ ist ein Forschungs- und Demonstrationszentrum des Technologiekonzerns, das zeigen soll, wie nachhaltig die Städte der Zukunft sein können.
„Man kann im Winter eine warme Wohnung haben, ohne dass man dazu fossile Energieträger braucht“, sagt Özdemir in die Kamera. Der Crystal belege, dass die Wirtschaft an solchen Lösungen arbeite. Die Politik hinke aber hinterher. Aufgenommen wurde die Aussage im August bei der so genannten Energie-Reise, auf der Özdemir das Siemens-Projekt und anschließend den weltgrößten Offshore-Windpark vor der Südostküste Englands besuchte.
Jens Althoff war bei beiden Terminen dabei. Der 39-Jährige arbeitet seit sieben Jahren in der Pressestelle der Bundespartei, seit drei Jahren als Sprecher. Immer wieder typisch grüne Themen wie den Klimawandel in die Öffentlichkeit zu bringen, ist in seinem Job die besondere Herausforderung.
Egal, welches Formats er sich dabei bedient und über welches Medium er kommuniziert: Der Schlüssel zum Erfolg ist für Althoff, fundierte Inhalte leicht verständlich und glaubwürdig zu vermitteln. „Nur so kann es gelingen, sie über einen längeren Zeitraum nachhaltig zu kommunizieren.“ Um fehlendes Interesse braucht er sich keine Sorgen zu machen: An der Spitze der Partei stehen mit Cem Özdemir und Claudia Roth zwei medienpräsente Vorsitzende. Zudem zeichnen sich die Grünen traditionell durch eine ausgeprägte Diskussionskultur aus.
In dem RTL-Video, das Althoff an diesem Freitagnachmittag anschaut, wirkt Özdemir souverän. Trotzdem ist sein Sprecher nicht vollständig zufrieden. „Es gab wie oft keine Maske“, sagt Althoff, der vor dem Rechner seine Hornbrille aufgesetzt hat, und zeigt auf das Gesicht seines Chefs. Özdemir brauche eigentlich keine Maske, aber der Standard habe sich verändert: „Die Zuschauer sind daran gewöhnt, dass die Menschen im Fernsehen alle immer besonders gut aussehen. Schlicht und einfach, weil mittlerweile alle geschminkt sind. Das setzt Maßstäbe, die auch wir nicht ignorieren können“, so Althoff.
Den Umgang mit den Medien hat der Sprecher nicht erst bei den Grünen gelernt, sondern sich schon zuvor jahrelang damit beschäftigt. Während seines Studiums der Fächer Politikwissenschaften, Rhetorik und Öffentliches Recht in Tübingen arbeitete er als freier Journalist bei verschiedenen Medien und konnte sich nach dem Abschluss nur schwer entscheiden, ob er in der Wissenschaft bleiben oder ein journalistisches Volontariat machen sollte. Nur eins stand für den damals 27-Jährigen fest: Er wollte nach Berlin.
Wie Grünen-Sprecher Jens Althoff die Medienarbeit der Partei organisiert, lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des prmagazins. Hier geht es zum E-Paper. |



