Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock

Freier Journalist

verfasst am

01.07.2010

im Heft

7/2010

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Bauindustrie

„Ein Imageschaden ist nicht entstanden“

Heiko Stiepelmann

Heiko Stiepelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Pressesprecher im Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, über die Folgen der Skandale für die Branche und Ursachen reflexartiger Berichterstattung.

prmagazin: Ihre Branche hat zuletzt in der Öffentlichkeit viel Kritik einstecken müssen. Wie ist es um das Bild der Bauunternehmen derzeit bestellt?
Heiko Stiepelmann: Für unsere Unternehmen wichtig ist vor allem das Bild bei ihren Auftraggebern. Und die können Schadensfälle, wie sie zuletzt passiert sind, sehr gut einschätzen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass da kein Imageschaden entstanden ist. Dazu muss man auch bedenken: Viele komplexe Hoch- und Tiefbauprojekte können hierzulande nicht mal zwei Hände voll Unternehmen leisten. Und diese genießen weltweit einen hervorragenden Ruf.

Der ist aber in Gefahr, wenn es in Zeitungen heißt, auf hiesigen Baustellen werde gepfuscht.
Das stimmt. In den Medien waren die Darstellungen zuletzt sehr negativ. Wenn transportiert wird, deutsche Bauleistungen seien nicht sicher – und das ist noch etwas anderes als bloß Pfusch am Bau –, dann können wir uns das nicht erlauben. Denn das beeindruckt nicht nur Auftraggeber, sondern auch Eltern, Schüler, Lehrer – und erschwert so zum Beispiel auch unsere Nachwuchsarbeit.

Was wollen Sie dagegen tun?
Wir haben uns entschieden, jetzt erst mal nicht gegen den Sturm anzulaufen, wir müssen aber die Imageschäden wieder aufarbeiten, wenn sich die Lage beruhigt hat. Zum Beispiel in Gesprächen mit Auftraggebern, Politikern und Journalisten, in denen wir etwa erklären, was die deutsche Bauindustrie weltweit leistet und vor allem was wir für die Sicherheit tun.

Es scheint, als müssten Sie in der Politik auch Einiges wieder ins Lot bringen. Der Kölner Oberbürgermeister hat der Branche kriminelle Machenschaften vorgeworfen, in Hamburg nennt Jens Kerstan von den Grünen, die dort ja mitregieren, Hochtief eine Heuschrecke.
Ja, solche Töne sind schon anders als bei früheren Auseinandersetzungen und teilweise grenzwertig. Die Schwierigkeit im Umgang damit ist: Die Politiker haben oft kaum Fachwissen und hängen stark an der öffentlichen beziehungsweise veröffentlichten Meinung. Da kann es passieren, dass beim nächsten Mal ein Politiker sagt: Dieses oder jenes große Infrastrukturprojekt machen wir nicht, das ist uns zu unsicher. Das könnte gerade Bauprojekte im innerstädtischen Bereich betreffen. Vor allem natürlich U-Bahn-Projekte. Wenn die Gegner von Großprojekten jetzt Auftrieb bekommen, trifft das die ganze Branche.

Haben Sie eigentlich wegen der Ereignisse in Köln auch Anrufe bekommen?
Ja, klar. Auch wenn wir natürlich nicht auf einzelne Schadensfälle reagieren, was sich schon aufgrund unserer Neutralität im Wettbewerb versteht. Eine der ersten Reaktionen war zum Beispiel: Da sei schludrig gearbeitet worden, womöglich durch irgendwelche schlecht bezahlten und unqualifizierten Billigkräfte. In diesem Fall mussten wir auch als Verband klarstellen, dass das schlicht Unsinn ist. Schon, weil gerade Spezialtiefbau-Baustellen wie in Köln mit hochqualifiziertem Stammpersonal betrieben werden.

Und woran liegt es, dass solche Vorurteile fast reflexartig hochkommen?
Schwer zu sagen. Es hängt sicher damit zusammen, wie Medien heute funktionieren: Redaktionen sind wesentlich knapper besetzt, es gibt kaum noch Spezialisierung. Heute setzen sich da oft Leute an ein Thema, die das erst mal von Grund auf recherchieren müssten. Parallel werden aber viele Seiten gefüllt mit einem Thema. Und das Ergebnis ist dann womöglich ein Mainstream, in den sich alle einreihen – dann haben es auch Vorurteile leichter.

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