Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Journalist

im Heft

3/2013

Unternehmensberater

„Beratern fehlt das Empathie-Gen“

Wenn Unternehmen sich neu erfinden wollen, sind meist Unternehmensberater beteiligt. Sie entwerfen im Auftrag des Vorstands neue Strukturen und Prozesse, entwickeln Strategien – und neuerdings übernehmen sie oft auch die interne Change-Kommunikation. Susanne Arndt, Managing Partner von Deekeling Arndt Advisors in Frankfurt und Düsseldorf, trifft in Pitches immer öfter auf Managementberatungen wie Booz, Berger und Capgemini. Als echte Konkurrenz für ihr Geschäft sieht sie die Consultants bislang nicht.

Große Worte, schöne Charts - und jetzt auch Kommunikation: Unternehmensberater wie McKinsey und Roland Berger jagen PR-Agenturen seit einiger Zeit Aufträge ab. (Foto: peshkova/Fotolia.com)
Susanne Arndt, Managing Partner von Deekeling Arndt Advisors.

prmagazin: Mit welchem Argument treten Unternehmensberater in Sachen Change-Kommunikation gegen Sie an?
Arndt: Sie werben damit, dass ihre Leute besser verstehen, wie die Strategie funktioniert. Und wenn sie den Strategieprozess ebenfalls begleiten, dann betonen sie, dass sich Strategen und Kommunikatoren kennen und dass der Kunde alles aus einer Hand bekommt. Bei einigen Vorständen rennen sie damit offene Türen ein, denn auf den ersten Blick scheint es reizvoll, das Thema Kommunikation quasi in einem Aufwasch von derselben Truppe erledigen zu lassen. Auf den zweiten Blick erweist sich das aber oftmals als Trugschluss.

Warum? Können Unternehmensberater keine Kommunikation?
Lassen Sie es mich so sagen: Viele klassische Managementberatungen verstehen Kommunikation rein als Information. Sie denken Kommunikation strukturell und prozessual. Da bekommen Sie ausgefeilte Pläne für den Einsatz verschiedener Instrumente: hier die Basisräsentation, dort ein Town-Hall-Meeting. Nur habe ich manchmal das Gefühl, dass vielen Unternehmensberatern das Empathie-Gen fehlt. Und so vergessen sie Inhalte und Emotionen. In der Kommunikation geht es eben nicht nur um das Ausrollen von fixen Plänen.

Die Inhalte könnte die Unternehmenskommunikation selbst erstellen.
Natürlich, wir verstehen uns ja auch nicht als Konkurrenz zur Unternehmenskommunikation, sondern als Partner. Wir beraten die Kollegen aus Kommunikation, HR und Strategie, um den Change erfolgreich umzusetzen. Und dabei helfen oft die Außenperspektive und die Erfahrung aus vielfältigen anderen Change-Prozessen. Aber Inhalte allein reichen auch nicht aus. Wenn wir als Beratung einen Change-Prozess begleiten, dann geht es um Einbindung, Beteiligung und Befähigung. Wir versuchen etwa, über Workshops in einen Dialog mit den Führungskräften einzutreten und ihnen zu erklären, wie sie Botschaften für ihre eigenen Leute übersetzen können, wir geben ihnen eine Hilfestellung, um selbst zu kommunizieren. Inhalte werden so nicht nur verschriftlicht, sondern auch erklärt, diskutiert und verarbeitet.

Nehmen wir an, eine Unternehmensberatung hat die Kompetenz, es genauso zu machen wie Sie. Das verringert doch immerhin die Gefahr von Reibungsverlusten.
Theoretisch. Praktisch sehe ich es eher andersherum. Wenn in einem großen Change-Projekt Unternehmensberater und eine Beratung für Change-Kommunikation zusammenarbeiten, verteidigt jeder seinen eigenen Ansatz und seine Denk- und Vorgehensweise. Und das ist gut für den Prozess – denn dann macht sich die Beratung zum Beispiel zum Anwalt der Mitarbeiter, denkt aus den Wahrnehmungsperspektiven von Führungskräften und Mitarbeitern, und nicht nur aus den prozessualen Notwendigkeiten. Genau um diesen Perspektivwechsel geht es. Ich bezweifle, dass Unternehmensberater das hinbekommen. Zumal die Kommunikation manchmal auch den Prozessansatz infrage stellen muss. Hier entstehen dann automatisch Interessenkonflikte, die man besser lösen kann mit zwei unabhängigen Beratungsgesellschaften.

Also machen die Managementberater Ihnen noch keine Konkurrenz?
Wir sind schon öfter nachträglich zu Projekten gerufen worden, bei denen die Kommunikation ursprünglich von einer Strategie- beziehungsweise Managementberatung mit erledigt werden sollte. Unternehmensberater neigen dazu zu denken: Wir machen oben mal die Strategie, und die Kommunikation reicht sie dann nach unten durch. Damit kommt man heute aber nicht mehr weit. Insofern sind wir ziemlich entspannt.

Das Interview ist Bestandteil des Artikels „Angriff von oben“, den Sie im März-Heft des prmagazins lesen.

Die März-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
Der Multitasker: Nach dem gefloppten BAE-Deal justiert Rainer Ohler bei EADS die PR-Route
Angriff von oben: Unternehmensberater wildern im Revier von PR-Agenturen

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