Luftverkehrswirtschaft
„Die Gegensätze waren beinahe ideologisch“
Klaus-Peter Siegloch ist seit Juni 2011 Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Lobbyarbeit für die Luftfahrt sei kein einfacher Job, betont der 66-Jährige. Aber man mache Fortschritte.

„Wir haben mehr erreicht, als Sie vielleicht glauben“: BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch ist von den Erfolgen seiner bisherigen Lobbyarbeit überzeugt. (Foto: BDL)
prmagazin: Hätten Sie sich während Ihrer journalistischen Laufbahn jemals vorstellen können, einen Verband der Luftverkehrsbranche zu leiten?
Siegloch: Na ja, ich bin immer schon sehr gern geflogen, habe also eine positive Einstellung zu dieser Branche. Und als mich Anfang 2011 ein Headhunter anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, nach meinem Ausscheiden beim ZDF in New York einen Verbandsposten in der Luftfahrt zu übernehmen, habe ich auch deshalb Ja gesagt.
So einfach war das?
Das nun auch wieder nicht. Ich habe von wohlmeinenden Freunden gehört, dass die Luftfahrt keine ganz einfache Branche ist. Und deshalb war es auch meine Bedingung an die CEOs der BDL-Mitglieder, die ich in den Wochen nach dem Anruf getroffen habe, dass ich den Job nur übernehme, wenn sie künftig stärker an einem Strang ziehen. Meine Erfahrung ist, dass das auch überwiegend geschieht – die Mitglieder wollen ja unseren Verband. Es kommt selten vor, dass ich sie an ihr Versprechen erinnern muss, wenn es darum geht, für den BDL eine gemeinsame Position zufinden.
Einen besonders geschlossenen Eindruck macht die Branche trotzdem nicht.
Vergessen Sie nicht: Der BDL ist gerade einmal ein Jahr alt, und es geht nicht alles von heute auf morgen. Aber wir haben es geschafft, in der Mehrzahl der Themen Gemeinsamkeit herzustellen. In manchen Punkten waren die Gegensätze – etwa zwischen Fluggesellschaften und Flughäfen – früher beinahe ideologisch. Die einen setzten sich für immer mehr Liberalisierung ein, die anderen fürchteten eine ruinöse Konkurrenz. Jetzt gibt es mit dem BDL einen Ort, wo man sich an einen Tisch setzt und über die Realität redet, und nicht über Ideologie.
In der Lobbyarbeit ist der BDL doch bislang keinen Zentimeter vorangekommen.
Wir haben mehr erreicht, als Sie vielleicht glauben. Die Erfolge von Lobbyarbeit verbreitet man nicht per Pressemitteilung, und sie sind auch nicht immer unmittelbar messbar. Nehmen Sie etwa das neue Schlichtungsverfahren für Auseinandersetzungen zwischen Passagieren und Fluggesellschaften. Hier hat die Luftfahrt eine gemeinsame Linie gefunden und diese im Dialog mit dem Justizministerium vertreten. Das hat sich auch im Gesetzentwurf niedergeschlagen.
Kritiker werfen Ihnen vor, dass Sie keine Ahnung von der Branche haben. Wie haben Sie sich eingearbeitet?
So wie ich das als Journalist gelernt habe und wie das jeder Journalist macht, der sich in ein Thema einarbeitet: lesen, lesen, lesen und viele Gespräche führen. Nach einem guten Jahr bin ich damit schon recht weit vorgedrungen. Hätten Sie mich nach einem Monat im Amt interviewt, wären die Lücken noch recht groß gewesen. Aber in erster Linie geht es auch darum, die Kommunikation der Branche zu verbessern, und dafür ist meine journalistische Erfahrung als Moderator und Gesprächsführer sehr hilfreich. Fachleute haben wir im BDL genug.
Das Interview ist ein Auszug aus dem Artikel „Langstreckenflug“ aus der September-Ausgabe des prmagazins. Hier geht es zum E-Paper. Darin unter anderem: |



