Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock

Freier Journalist

im Heft

9/2014

Wirtschaftskanzleien

„Die Markttransparenz wächst“

Der Brite Aled Wyn Griffiths hat 1997 in Köln den Juve-Verlag mitgegründet, der sich als wichtigster Fachverlag für Wirtschaftsanwälte in Deutschland etabliert hat. Der Chefredakteur der Zeitschrift Juve Rechtsmarkt über die personelle Aufrüstung der Kanzlei-PR, den Anspruch der Kanzleipartner auf Mitsprache und den wachsenden Druck auf Anwaltssozietäten, sich zu öffnen.

Aled Wyn Griffiths, Chefredakteur der Zeitschrift Juve Rechtsmarkt, Köln

prmagazin: Top-Wirtschaftskanzleien haben bis vor wenigen Jahren so gut wie keine strategische PR betrieben. Inzwischen haben nahezu alle Pressestellen aufgebaut und teilweise auch Agenturen engagiert. Ist der Austausch mit den Kanzleien professioneller geworden?
Griffiths:
Als wir Juve vor 17 Jahren gegründet haben, gab es nur zwei PR-Beauftragte in Kanzleien. Jetzt sind es Dutzende, die natürlich die Arbeit erleichtern und die Antwortzeiten deutlich verringert haben. Aber die Arbeit für Fachjournalisten ist gar nicht so anders als damals. Für uns ist nach wie vor der Kontakt zu den Partnern zentral. Sie sind diejenigen, an die sich unsere Fragen richten. Bei der Tagespresse sieht das vielleicht anders aus, da Kanzleien auf diesem Gebiet stark in PR investiert haben.

prmagazin: Die Kanzleien sind fast alle als Partnerschaften organisiert, mit teils vielen hundert Anteilseignern, die im Tagesgeschäft mitmischen. Lässt sich ein solcher Verbund kommunikativ überhaupt zentral steuern?
Griffiths:
Ja und nein. Einerseits haben viele Kanzleien in den vergangenen Jahren Bereiche wie Pressearbeit, Personalentwicklung und Marketing professionalisiert, das heißt, sie haben Profis eingestellt, die es den Partnern ermöglichen, einen erheblichen Teil der Kommunikationsarbeit abzugeben und vor allem wesentlich besser zu koordinieren. Andererseits haben die Partner ein berechtigtes Interesse daran, die Kommunikation mitzugestalten, da sie einen detaillierteren Einblick in ihre Arbeit und die von Wettbewerbern haben als die PR-Manager. Und sie sind Gesellschafter. Die Kommunikationspolitik muss daher eine ganz andere sein als die eines Konzerns.

prmagazin: Sie veröffentlichen seit vielen Jahren Rankings zum Markt, zu Umsätzen und Gehältern. Die Branche schielt offensichtlich stark auf solche Vergleiche, gibt sich bei diesen Angaben aber zugleich gern geschlossen. Entsteht angesichts der allgemeinen Governance-Trends ein größerer Druck zur Offenheit im Umgang mit Geschäftszahlen?
Griffiths:
Der Druck entsteht nicht aufgrund von Corporate-Governance-Anforderungen, sondern eher durch zunehmende Transparenz. Das ist auch die Überschrift, unter der alle unsere Publikationen stehen, ob es sich um unmittelbare Vergleiche in Umsatztabellen und Rankings handelt oder um Hintergrundberichte. Wie in allen Branchen wird diese Transparenz von den einen begrüßt, während andere sie lieber verhindern würden. Aber mit zunehmender Markttransparenz wird es immer schwieriger, sich dieser zu entziehen.

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PR-Helfer

Die großen Wirtschaftssozietäten nehmen für ihre laufende PR-Arbeit keine Agenturhilfe in Anspruch. Anders ist das bei mittelgroßen Kanzleien und einzelnen Anwälten. Ein Seitenblick auf die Welt der Dienstleister abseits der Topadvokaten.

Fragt man bei Topkanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer, MS Hasche Sigle oder Hengeler Mueller, mit welchen Agenturen sie zusammenarbeiten, ist die Antwort stets die gleiche: dauerhaft mit keiner. Die großen Branchenspieler kaufen allenfalls punktuell Expertise zu, etwa für Event, Recruiting, Litigation, Brand Reputation und Krise. Wen sie engagieren, hängt vom Einsatzfeld ab, in der Regel sind es die üblichen Verdächtigen wie Hering Schuppener, Citigate Dewe Rogerson, Brunswick oder auch Borgmeier PR. Ausgewiesene Kanzlei-PR-Spezialisten spielen selten eine Rolle.

Anders ist das in einer „zweiten Welt“, in der es um die stark an Fachmedien ausgerichteten Kommunikation von Rechtsthemen geht. Hilfe nehmen auf diesem Feld überwiegend mittelgroße Kanzleien und auch einzelne Anwälte in Anspruch. Für diese Kunden bietet eine ganze Reihe  kleinerer und größerer Spezialagenturen ihre Dienste an. Hinzu kommen einige Kanzlei-Strategieberater, die sich teils in Abstimmung oder Kooperation mit den PR-Agenturen an die Arbeit machen.

Immer wieder begegnen einem in diesem Zusammenhang beispielsweise dictum media, kommposition, newskontor oder Bachinger. Namen wie Ursula Triller, Sebastian Brunner, Eva Engelken, Cathrin Christoph sowie kleinere Anbieter wie echtzeitPR, recht,kommunikativ!, Res Jura und vom stein. Mit Schwerpunkt auf Kanzleimarken- beziehungsweise Kanzleistrategie sind unter anderem zB3 und Susanne Kleiner tätig. NAÏMA Strategic Legal Services gilt mit Uwe Wolff als einer der Pioniere der Litigation-PR, ähnlich wie die von Stephan Holzinger gegründete Beratung Holzinger Associates. Die Irion Kanzlei für Medienrecht berät in Krisen – in Kooperation mit unterschiedlichen PR-Beratern.

Eine besondere Stellung nimmt PR für Insolvenzverwalter ein, die ebenfalls zu den Juristen zählen. Hier ist unter anderem rw konzept stark vertreten, aber auch größere Namen wie Instinctif Partners (ehemals Stockheim Media) und Ergo Kommunikation gewinnen immer wieder PR-Mandate.

 

 

Die September-Ausgabe des prmagazins ist da. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
● Schwach verteidigt: Topkanzleien tauchen bei kritischer Berichterstattung ab
● Grenzgänge: Großkonzerne hinterfragen die Struktur ihrer PR-Abteilungen

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