Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock

Freier Journalist

im Heft

8/2012

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Bilfinger Berger

„Die meisten haben ihr Bild korrigiert“

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch ist nach Lothar Späth, ehemaliger Amtskollege in Baden-Württemberg und ab 1991 Jenoptik-Chef, der zweite deutsche Spitzenpolitiker, der als Topmanager in die Wirtschaft wechselt. Kommunikationschef Martin Büllesbach bescherte die Personalie ganz besondere Erfahrungen.

"Die Fokussierung auf die Marke Bilfinger bedeutet für manch eine operative Einheit einen echten Kulturwandel", sagt Kommunikationschef Martin Büllesbach. (Foto: Fernando Baptista)

prmagazin: Herr Büllesbach, die Berufung des früheren Ministerpräsidenten Roland Koch zum Vorstand von Bilfinger Berger hat für viel mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Wie haben Sie den Start des neuen Chefs 2011 erlebt?
Büllesbach: Als spannende und völlig neue Erfahrung. Ein gut geführtes, solides Unternehmen findet fast ausschließ- lich in der Finanzberichterstattung der Tages- und Wochenmedien statt. Eine breitere Medienaufmerksamkeit gibt es meist nur im Krisenfall oder wenn es zu großen Zusammenschlüssen oder Akquisitionen kommt. Aber auch dann ist die Aufmerksamkeit fast immer auf die Wirtschaftsmedien beschränkt, die nur eine bestimmte Zielgruppe erreichen. Mit dem Promi-Faktor, den ein ehemaliger Ministerpräsident mitbringt, ist der Strauß der Medien, die anrufen, viel bunter geworden. Die Zahl der Anfragen hat sich seit dem Wechsel verdoppelt.

Haben Sie geahnt, dass sich die Medien so stark für Koch interessieren würden?
Ja, aber trotzdem kommt es immer anders, als man denkt. Kochs ehemaliger Sprecher Dirk Metz hatte mir gesagt: Sie werden staunen, was da auf Sie zukommt. Er hatte recht. Allerdings lief der Wechsel trotz allem sehr unaufgeregt ab. Die Anfragen wurden abgearbeitet, auch durch die Bereitschaft von Herrn Koch, sich den Journalisten zu stellen.

Anfangs wurde der Wechsel kritisch hinterfragt. Wie haben Sie sich und Herrn Koch auf diese Situation vorbereitet?
Indem wir früh eine einfache, aber klare Strategie entwickelt haben, wie wir den Umstieg gestalten. Dazu gehörte klarzumachen, dass der Wechsel wirklich ernst gemeint ist und von Dauer. An den Finanzmärkten kam die Frage: Kann der das? Die IR-Kollegen haben Koch früh mit den relevanten Playern zusammengebracht, er nimmt an Roadshows teil, tritt bei Investoren und Analysten auf. Und das Feedback ist durchweg positiv. Zudem war uns wichtig, Kochs Vorgänger Herbert Bodner nach zwölf Jahren so zu verabschieden, dass seine Leistung von den Medien entsprechend gewürdigt wird.

Wie sind Sie das angegangen?
Uns war klar: Sobald Koch da ist, konzentriert sich das Interesse auf ihn. Deshalb war er in den ersten vier Monaten als Vorstandsmitglied zwar im Haus, trat aber nicht vor die Medien. Das blieb die Aufgabe von Herbert Bodner. Als er verabschiedet war, haben wir den Schalter umgelegt. Gleich an Kochs erstem Tag als Vorstandschef haben wir Journalisten eingeladen, zuerst die Regionalmedien, dann Schritt für Schritt alle für den Konzern wichtigen Wirtschaftsjournalisten.

Kamen auch Anfragen von den politischen Korrespondenten?
Ja, sofort. Aber jede Form der politischen Kommunikation - Teilnahme an Talkshows oder Interviews mit entsprechenden Magazinen - haben wir immer abgelehnt. Es gab nur ein, zwei Ausnahmen. Das waren Journalisten, die ihn schon lange begleitet und in der Regel ein Porträt der Person Roland Koch fertiggestellt haben. Heute kommen fast ausschließlich Journalisten auf uns zu, die in Wirtschaftsressorts für Bilfinger zuständig sind. Viele hatten eine feststehende Vorstellung von Roland Koch, die auf Medienberichten über den Ministerpräsidenten basierte. Ich glaube, innerhalb kurzer Zeit haben die meisten ihr Bild korrigiert.

Wie gehen Sie mit Anfragen an den Promi Roland Koch um?
Von Journalisten kommen solche Anfragen selten. Aber ich musste mich daran gewöhnen, dass Menschen persönlich auf ihn zugehen. Es kommen Briefe oder Anrufe von Menschen, die behaupten mit Herrn Koch "hundert Sachen zusammen gemacht zu haben". Damit wir die Anfragen richtig bewerten können, fragen wir auch mal bei seinem Büroleiter nach.

Hat der Politiker Roland Koch auch noch etwas zu sagen?
Herr Koch ist nicht unpolitisch geworden, nur weil er die Politik verlassen hat. Er wird sich weiterhin an den Stellen zu Wort melden, an denen er es für richtig hält. Aber das sind derzeit sicher nicht politische Talkshows.

 

Das Interview ist ein Auszug aus dem Artikel „Alles neu macht der Koch“ aus der August-Ausgabe des prmagazins. Hier geht es zum E-Paper.

Darin unter anderem:
Zeitenwende: Interne und externe Kommunikation verschmelzen zunehmend.
Zwitscherprofis: Ein Besuch in der Social-Media-Keimzelle der Allianz.

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