Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Journalist

im Heft

1/2012

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Serie Seitenwechsler: Christian Plöger

„Ein Inhaber entscheidet freier“

Christian Plöger arbeitete lange begeistert als Journalist, baute für Springer eine Lokalredaktion auf, war Berlin-Korrespondent des Magazins Impulse. Seit April 2009 arbeitet er als Kommunikationschef der mittelständischen Jagdfeld Gruppe, die das Berliner Hotel Adlon und das Grand Hotel Heiligendamm an der Ostsee gebaut hat. Im Gespräch mit dem prmagazin berichtet er, wieso der Mann an der Spitze eines Familienunternehmens so wichtig ist. Und wie er die erste PR-Krise gleich nach dem Seitenwechsel erlebte. Teil drei unserer Reihe über Medienleute, die ihr Glück in der PR suchen.

prmagazin: Herr Plöger, Sie haben sechs Jahre lang beim Magazin Impulse über Familienunternehmer berichtet. Ist Ihr Chef Anno August Jagdfeld ein typischer Mittelständler?
Plöger:
Typisch an ihm ist, dass er wie die meisten Mittelständler zwar recht genau weiß, was er in den kommenden Jahren mit dem Unternehmen vorhat, es gibt aber keine Zehnjahrespläne oder großartigen Strategieschriftsätze. Auch typisch ist, dass Entscheidungen am Ende immer von ihm allein abhängen. Das ist klar, schließlich haftet er persönlich für Erfolg und Misserfolg der Firma. Aber er ist auch nicht der Patriarch, der keinen Widerspruch duldet. Er ist sehr ruhig und geduldig, nimmt Ratschläge an. Das war mir alles wichtig. Er ist zwar gebürtiger Rheinländer und ich Westfale. Aber wir kommen trotzdem ganz gut klar.

Warum braucht das Unternehmen überhaupt einen Pressesprecher? Das ist bei Betrieben dieser Größe doch eher ungewöhnlich.
Stimmt, üblicherweise erledigt die Marketingabteilung das Thema PR mit. Die Jagdfeld Gruppe steht aber spätestens seit dem Hotel Adlon viel stärker in der Öffentlichkeit als vergleichbare Mittelständler. Wir haben einfach Projekte, die für die Öffentlichkeit besonders interessant sind. Und nicht zuletzt sind die Jagdfelds eine bekannte Unternehmerfamilie, selbst wenn sie nicht in den Klatschspalten stattfinden.

Die Familie hat Sie gleich nach Ihrem Start auf Trab gehalten: Im Sommer 2009 wurden Vorwürfe laut, die Jagdfelds hätten Aufträge des Adlon-Immobilienfonds an Familienmitglieder vergeben, das Unternehmen weise „mafiaartige“ Strukturen auf. War das für einen PR-Anfänger nicht heftig?
Ja, es ging zeitweise hoch her, eine richtige Eskalationsspirale. Das war eine große Herausforderung für mich – damals war ich erst ein paar Monate dabei. Zum Glück haben wir das inzwischen hinter uns. Die große Mehrheit der Fondsanleger hat Herrn Jagdfeld das Vertrauen ausgesprochen, die Zeit der Negativschlagzeilen ist hoffentlich erst einmal vorbei.

Sie hatten sich den PR-Job beim Mittelständler bestimmt ruhiger vorgestellt.
Naja, ich habe zwischendurch schon mal gedacht: Es wäre sicher einfacher, einen neuen Mars-Riegel auf den Markt zu bringen. Andererseits liebe ich Herausforderungen. Vor allem: In der Krise ist mir meine Arbeit erleichtert worden, weil ich durch die kurzen Wege nur zur Hälfte Pressesprecher bin, dafür aber oft direkt in unternehmerische Entscheidungen eingebunden werde. Niemand kommt zu mir und sagt: Wir haben jetzt was beschlossen, verkünde das mal. Ich kann mich einbringen und habe enormen Freiraum, wie ich Themen in der Kommunikation umsetze.

Das bedeutet aber auch, dass Sie von Anfang an in Sachen PR allein klarkommen mussten. War das nicht ein Sprung in ziemlich kaltes Wasser?
Der Umgang mit Journalisten hat mir keine Sorgen gemacht. Als Ex-Kollege weiß ich, was Redaktionen brauchen. Vor allem weiß ich, was gerade Mittelständler im Umgang mit der Presse oft falsch machen. Eine größere Herausforderung waren die Inhalte. Die Jagdfeld Gruppe entwickelt große Immobilienprojekte und legt unter anderem Fonds zu deren Finanzierung auf. Da musste ich mich erst einmal gründlich einarbeiten, damit ich den Anfragen der Fachpresse gewachsen war.

Sie haben Politik studiert und Ihre Doktorarbeit in Soziologie geschrieben, über einen alten Nazi, der nach dem Krieg in den bundesdeutschen Medien Karriere gemacht hat. Mit Immobilien und Wirtschaft hat das wenig zu tun ...
Stimmt. Aber Herr Jagdfeld, der selbst Diplom-Kaufmann und Steuerberater ist, hat mir bei unseren Kennenlern-Gesprächen gesagt, dass er genau das interessant fand. Und er hat erzählt, dass in den USA jede größere Immobilienfirma mindestens einen Soziologen beschäftigt, weil Entwickler dort teilweise ganze Kleinstädte entwerfen. Außerdem ist das eben so im Mittelstand: Ein Firmeninhaber entscheidet sehr viel freier und denkt nicht in üblichen Karrieremustern. Übrigens hat mir der sozialwissenschaftliche Blick in dem neuen Job tatsächlich schon oft geholfen.


Das ganze Porträt von Christian Plöger lesen Sie in der Januar-Ausgabe des prmagazins.

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