Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

06.08.2019

im Heft

08/2019

Schlagworte

Alexander Leinhos, Vodafone, 5G-Auktion, Hannes Ametsreiter

Das aktuelle Heft
Ausgabe 08/2019

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Vodafone

"Sehr bewegte Lage"


„So sehr hat uns so lange kaum ein Thema beschäftigt“, sagt Vodafone-Kommunikationschef Alexander Leinhos über die 5G-Auktion. (Foto: Hojabr Riahi)


Alexander Leinhos, Leiter Externe Kommunikation des Mobilfunkers Vodafone, hat rund um die Versteigerung der 5G-Frequenzen Wortlautinterviews mit dem CEO lanciert, Hintergrundgespräche geführt und sofort nach der Auktion eine Kaskade von Inhalten losgetreten. Welche Strategie dahintersteckte – und was das gebracht hat.


prmagazin: Herr Leinhos, Sie sind für Ihre Kommunikation rund um die 5G-Auktion von Journalisten gelobt worden – vor allem weil Sie so schnell mit einer ganzen Fülle von Material rauskamen. Wie haben Sie das gemacht?

Alexander Leinhos: Mit einem im Umfang winzigen, aber im Output riesigen Team. Allen voran mit den Kollegen Dirk Ellenbeck und Tobias Krzossa, ohne die all das nicht möglich gewesen wäre. Aber zur Frage: Wir hatten die Inhalte fertig in der Schublade liegen – den Kommentar von Ametsreiter, die Pressemeldung, die autorisierten Interviews, die entsprechenden Tweets und die LinkedIn-Beiträge. So konnten wir schnell reagieren, obwohl ich selbst am 12. Juni, als die Auktion endete, gar nicht da war.

Wo waren Sie denn?

In Berlin. Bevor ich ins Flugzeug stieg, hatte mich unser Chefregulierer morgens angerufen und gesagt: Du, es könnte sein, dass die Auktion heute zu Ende geht. Mein erster Gedanke war: In den vergangenen hundert Tagen haben wir dieses Gespräch schon fünfmal geführt. Jedes Mal hieß es, die Auktion könnte zu Ende gehen. Jedes Mal haben wir alles scharf geschaltet. Und dann war es doch noch nicht vorbei. Also bin ich erst mal losgeflogen.

Standen Sie permanent in Kontakt mit den Unterhändlern? 

Die Auktion fand zwar im sogenannten „Bunker“ der Bundesnetzagentur in Mainz statt, aber die eigentliche Zentrale für unser Team war hier in Düsseldorf. Dort saßen die Experten, die Spieltheoretiker, die Strategen – und viele große Bildschirme. Mit denen stand ich ständig in Kontakt, war auch immer mal wieder selbst im „War Room“. Am Tag, als die Auktion endete, lief der Kontakt natürlich übers Telefon.

Wann war klar, dass es jetzt wirklich gelaufen ist? 

Ein Bieter hatte sein Gebot für einen bestimmten Frequenzblock zurückgezogen, nahm aber dafür einem anderen Beteiligten anderswo wieder etwas weg. Da dachten wir zuerst: Das dauert jetzt noch. Doch dann gab er diesen einen Block überraschend wieder auf. Und das war es dann. Aber das kam erst später am Tag wirklich raus.

Wo hat die Nachricht Sie erreicht?

Ich saß um 17:45 Uhr mit dem Welt-Redakteur Thomas Heuzeroth in der Springer-Passage, wir tranken einen Eis-Cappuccino und unterhielten uns über Gott und die WELT, natürlich auch über die Auktion. Dann kam der Anruf aus Düsseldorf. Heuzeroth war natürlich froh, dass ich da war, weil er jede Frage sofort stellen konnte. Ich bin dann ins Hotel gefahren und habe mich darum gekümmert, dass wir schnell mit unserer Pressemeldung rausgehen konnten. Und die ersten großen Interviews noch in den Abend online reinliefen.

Am nächsten Tag kamen Sie auch mit dem Video über den ersten 5G-Anruf Deutschlands raus. Vodafone-CEO Hannes Ametsreiter telefonierte vom Parkdeck aus mit seinem Technikvorstand. 

Das kam gut an. Der Call lief bei einer Reihe von Medien, von denen ich es nicht gedacht hätte. Das Handelsblatt hat sogar damit aufgemacht. Am Morgen brachten wir den Kommentar von Hannes Ametsreiter, als Botschaft an die Politik.

Er forderte darin, die Auktionserlöse über ein „5G-Bündnis“ in den Netzausbau zu reinvestieren.

Genau. Von diesen 6,6 Milliarden Euro könnten wir Netzbetreiber 50.000 neue Sendemasten bauen. Damit könnte man Deutschlands Funklochprobleme ein für alle Mal lösen. 

Am 14. Juni, zwei Tage nach Ende der Auktion, verbreiteten Sie dann ein sehr emotionales Video. Es zeigt, wie die sehbehinderte Skisportlerin Noemi Ristau zum ersten Mal in ihrem Leben ganz allein einen Hang hinunterfährt. Ihre Trainerin, die sonst immer dabei war, sagt ihr über eine 5G-Verbindung an, in welche Richtung sie fahren soll. Zielgruppe: Endkunden? 

Richtig. Das Video hatte unser Marketing natürlich schon Wochen vorher produzieren lassen. Kollegen haben mich zwischendurch immer wieder scherzhaft gefragt: Wann wollt Ihr das denn bringen? Im Sommer? 

Es wurde tatsächlich Sommer ...

Aber es hätte nichts gebracht, das Video vorher zu veröffentlichen, in einer Zeit voller Kritik und Streit. [...]

Dieser Text ist ein Auszug aus einem 8-seitigen Interview in der August-Ausgabe des prmagazins. Darin spricht Alexander Leinhos über seine kommunikationsstrategischen Ziele rund um die 5G-Auktion, über die Lobby-Arbeit des neuen Spielers 1&1 und berichtet, wie die Versteigerung aus dem Ruder lief.


Die prmagazin-Ausgabe 08/2019 – darin unter anderem:

Die Grenzenlose: Kristina Faßler leitet bei WeltN24 Kommunikation, Marketing und Sales aus einer Hand. Und ist zudem Sendersprecherin.

"Sehr bewegte Lage": Vodafone-Kommunikationschef Alexander Leinhos über die PR-Schlacht rund um die 5G-Lizenzversteigerung.

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