Detailinformationen

Autor

Christina Ullrich

Verantwortliche Redakteurin

verfasst am

08.10.2018

im Heft

10/2018

Schlagworte

Continental, Brandbrief, Felix Gress, Führungskräftekommunikation

Das aktuelle Heft
Ausgabe 10/2018

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

Continental

"In der Sache richtig, im Ton unpassend"


Nach der zweiten Gewinnwarnung innerhalb weniger Wochen hat der Continental-Vorstand seine Top Führungskräfte zur Ordnung gerufen. Der „Brandbrief“, zu dessen Autoren auch Kommunikationschef Felix Gress zählt, provozierte einen medialen Aufschrei. Motiviert man so seine wichtigsten Leistungsträger, Herr Gress?
 


prmagazin: Für Ihren sogenannten Brandbrief an die Führungskräfte mussten Sie im September viel Kritik einstecken. Warum haben Sie dieses Mittel gewählt und nicht den mündlichen Austausch mit den Top-Managern gesucht?

Felix Gress: Ich kann die externe Wahrnehmung nachvollziehen, aber der Brief hat natürlich eine Vorgeschichte. Es gab im Vorfeld viel mündliche Kommunikation mit den Führungskräften, zum Beispiel in Meetings und Webcasts. Der Vorstand hat aber den Eindruck gewonnen, dass auf diesem Weg nicht die gewünschte Wirkung erzielt werden konnte.

Was ist die gewünschte Wirkung?


Felix Gress: "Im Rückblick wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, das eine oder andere ausführlicher zu erläutern."



Wir wollen Veränderungsbereitschaft sicherstellen. Continental steht vor einem der größten Umbauten der Unternehmensgeschichte. Unsere Industrien sind im Umbruch – Stichwörter: E-Mobilität, Vernetzung, automatisiertes und autonomes Fahren. Damit der Schritt in diese neue Ära der individuellen Mobilität gelingt, ist es entscheidend, dass die Führungskräfte jetzt die richtigen Prioritäten setzen.

Und was sind die richtigen Prioritäten?

Unsere Führungskräfte dürfen sich in dieser Situation nicht nur ums Tagesgeschäft kümmern, sondern müssen grundlegende organisatorische Fragen stärker auf dem Radarschirm haben. Das war nicht bei allen der Fall.

Sie mussten damit rechnen, dass der Brief öffentlich wird. Zuerst berichtete die Hannover-sche Allgemeine Zeitung darüber, dann – via  dpa – die gesamte Wirtschaftspresse. Kann man Führungskräfte motivieren, indem man sie öffentlich in den Senkel stellt?

Wir haben den Brief nicht an die Öffentlichkeit durchgesteckt – und es hätte auch keiner öffentlichen Verstärkung der Worte bedurft. Aber natürlich war uns klar, dass er an die Medien gelangen kann. Wir haben das in Kauf genommen. Es ging uns darum, bewusst anders zu kommunizieren als bisher, um aus dem Erwartungshorizont auszubrechen. Das kann motivierend wirken. 

Managerberater Stefan Wachtel schreibt im manager magazin von mehr als 100 internen Rückmeldungen auf den Brief. Stimmt das?

Ja, wir haben viel Feedback bekommen – sowohl über unser soziales Intranet „ConNext“ als auch auf persönlichem Weg. Offenbar haben wir einen Nerv getroffen. 

Welchen Tenor hatten die Rückmeldungen?

Die meisten Führungskräfte sagen, dass sie den Brief in der Sache vollkommen richtig finden, aber im Ton völlig unpassend. Viele waren darüber erstaunt, teils auch verunsichert. Schade ist, dass bei manchen der falsche Eindruck entstanden ist, der Vorstand würde sich von der Bewertung ausnehmen und die Verantwortung auf die Führungskräfte abschieben. Tatsächlich ist in dem Schreiben die Rede von „gemeinsam“: „gemeinsam Vertrauen zurückgewinnen“, „unserer gemeinsamen Fußarbeit“. Aber bei einem Brief muss man natürlich damit rechnen, dass etwas falsch interpretiert wird.

Hätten Sie im Rückblick besser einen anderen Ton gewählt?

Die Reaktionen auf so etwas sind nicht alle vorhersehbar. Im Rückblick wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, das eine oder andere ausführlicher zu erläutern. [...]

Dieses Interview ist ein Auszug. Lesen Sie im Oktober im prmagazin, was Felix Gress im Rückblick anders machen würde, warum der Brief trotz aller Kritik die gewünschte Wirkung erreicht hat – und wie Continental die emotionale Situation nun konstruktiv nutzen will.


Die Oktober-Ausgabe 2018 ist da. Darin unter anderem:

The Perfect Match: Wie Ex-Reporterin Nicola Leske die diversen Interessen bei SAP managt, dem wohl globalsten Unternehmen Deutschlands.

Management-Tools: Wer will, dass Manager anderer Unternehmensfunktionen ihm zuhören, muss ihre Sprache sprechen.

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