Detailinformationen

Autor

Peter Kirsch

Freier Autor

verfasst am

07.09.2020

im Heft

09/2020

Schlagworte

Corona-Warn-App, Deutsche Telekom, SAP, Harald Lindlar, Hilmar Schepp

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Ausgabe 09/2020

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Corona-Warn-App

"Wir stürzen uns jeden Tag ins Gefecht"


Die deutsche Corona-Warn-App galt als Vorzeigelösung. Dann hagelte es Meldungen über angebliche technische Probleme (Screenshot: https://www.telekom.com)


Damit die Bundesregierung in Sachen Corona-Warn-App einheitlich kommuniziert, sprechen sich sage und schreibe sieben Organisationen miteinander ab. Hauptverantwortlich sind die Deutsche Telekom und SAP, die das Tool entwickelt haben. Die zuständigen Kommunikatoren Harald Lindlar und Hilmar Schepp sprechen exklusiv mit dem prmagazin über die Angst vor Datenmissbrauch, „Kinderkrankheiten“, unangemessene Skandalisierung – und wie Medien versuchen, die Beteiligten gegeneinander auszuspielen.


prmagazin: Als die Corona-App angekündigt wurde, gab es nicht nur Hoffnungen, sondern auch jede Menge Ängste und Skepsis – gerade was den Datenschutz angeht. Wie sind Sie kommunikativ damit umgegangen?

Hilmar Schepp: Wir haben die Medienberichterstattung und die Reaktionen in sozialen Netzwerken im Vorfeld sehr genau verfolgt. Es gab daher zwei zentrale Ansatzpunkte für uns: absolute Transparenz und Freiwilligkeit.


Hilmar Schepp, Sprecher für Strategie und Technologie SAP: "Da begegnen Sie Kommentaren, die 'sagen': 'Habe ich doch gewusst, dass die App nicht funktioniert.' Das ist kommunikativ eine Herausforderung."


Harald Lindlar: Die Rolle der Kommunikation war in diesem Projekt etwas ganz Besonderes. Wir saßen vom ersten Tag an auf Augenhöhe mit am Tisch. So konnten wir nicht bloß reagieren, sondern frühzeitig agieren und bei den Entwicklern einfordern, was wir brauchen für eine breite Akzeptanz der App.

Schepp: Seitens der Entwicklung stand von Anfang an fest: Wenn jemand die App nutzt, dürfen keine persönlichen Daten aufgenommen werden. Das haben wir auch ins Zentrum unserer Kommunikation gestellt. Außerdem war die Entwicklung der App als Open-Source-Projekt angelegt. Wir waren also maximal transparent, jede Bürgerin, jeder Bürger konnte und kann nach wie vor alles einsehen. Zudem war klar, dass es in der App keinen Schnickschnack gibt, keine Sonderfunktionen. Sie ist komplett auf ihren Zweck reduziert: Infektionsketten zu durchbrechen.

Deutschland gilt als nicht sonderlich innovationsfreudiges Land. Hat das die Kommunikation zur Einführung der App erschwert?

Lindlar: Das ist diesmal ganz anders: Die Erwartungen an die Technologie sind sehr hoch. Natürlich gibt es Skeptiker, aber der Großteil der Bevölkerung vertraut auf eine App „Made in Germany“. Den Menschen ist der höhere Zweck klar. Sie haben gemerkt: Da ist nicht ein Unternehmen, das bloß Geld verdienen will, oder eine Partei, die auf den Wahlkampf schielt. Jedem war klar: Wir brauchen dieses Instrument, um gemeinsam Corona zu bekämpfen.

Welche neuen Herausforderungen ergaben sich nach dem Launch der App?


Harald Lindlar, Vice President Corporate Communications Deutsche Telekom: "Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es, dass die Presse nicht so schnell skandalisiert."


Schepp: Es gab zwei Phasen. In der ersten haben wir das Projekt innerhalb von 50 Tagen entwickelt und auf den Markt gebracht. In der zweiten Phase, im Regelbetrieb, geht es jetzt darum, Feinheiten zu justieren. Die Menschen haben die App heruntergeladen und „arbeiten“ damit. Selbstverständlich kommen da Dinge ans Tageslicht, die in einer Testphase unentdeckt blieben: technische Fehler oder auch nicht ganz so verständliche Begleittexte beispielsweise. Da begegnen Sie dann Kommentaren, die „sagen“: „Habe ich doch gewusst, dass die App nicht funktioniert.“ Das ist kommunikativ eine Herausforderung.

Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Lindlar: Durch permanente Erklärung. Einmal sagen reicht nicht. Wir stürzen uns jeden Tag wieder ins Gefecht, auch in sozialen Medien, und sagen, wie die App funktioniert. Es gibt Kinderkrankheiten, aber die beheben wir. Wir justieren nach. Es ist ein Prozess, der optimiert wird. Das gilt es immer und immer zu wiederholen.

Am 23. Juli schrieb die Bild-Zeitung: „Regierung blamiert sich mit Corona App“. Es ging darum, dass viele Nutzer möglicherweise über Wochen keine Warnmeldung erhalten hatten, obwohl sie Kontakt mit Corona-Infizierten hatten.

Lindlar: Das ist ein schönes Beispiel für die Tücken der Technologiekommunikation. [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der September-Ausgabe des prmagazins, welche Lehren die App-Kommunikatoren Harald Lindlar und Hilmar Schepp aus der Kritik an der Corona-Warn-App ziehen, was sie an der Medienberichterstattung kritisieren, wie die zahlreichen Akteure in der App-Kommunikation zusammenarbeiten und warum Unternehmensmarken und Eitelkeiten bei dem Thema keine Rolle spielen.

Die prmagazin-Ausgabe 09/2020 – darin unter anderem:

Der Techniker:
Kurz vor der Corona-Krise hat Martin Kunz den Umbau der ADAC-Kommunikation abgeschlossen – gerade noch rechtzeitig.

Tönnies: André Vielstädte über eine riesige Lust am Skandal, Konditionsprobleme in der Dauerkrise und die Prominenz seines Chefs.

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