Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

05.11.2020

im Heft

11/2020

Schlagworte

Sigrid Dalberg-Krajewski, Delivery Hero, Dax, Wirecard

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Ausgabe 11/2020

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Delivery Hero

"Solche Häme hatten wir nicht erwartet"


Sigrid Dalberg-Krajewski: "Die deutschen Medien wollen dieselben Fehler wie bei Wirecard offenbar nicht noch einmal machen." (Foto: Jan Zappner)


Delivery Hero ist seit August im Dax gelistet, als Nachrücker für die Skandalfirma Wirecard. Der Aufstieg in Deutschlands Firmen-Olymp hat dem jungen Berliner Unternehmen große Aufmerksamkeit verschafft. Kommunikationschefin Sigrid Dalberg-Krajewski berichtet von ihren Vorbereitungen – und wie sie damit umgeht, dass deutsche Medien die Berliner ausgesprochen kritisch begleiten.


prmagazin: Wann haben Sie das erste Mal in Betracht gezogen, dass Delivery Hero in den Dax aufsteigen könnte?

Sigrid Dalberg-Krajewski: Als ich im Februar hier anfing, war das überhaupt kein Thema. Wir dachten, das dauert noch ein oder zwei Jahre. Dann eskalierte der Wirecard-Skandal. Und im Lauf des Sommers wurde immer klarer, dass wir kurzfristig nachrücken könnten. 

Wie läuft so etwas dann ab? Wird man von der Deutschen Börse vorgewarnt?

Nein. Man kann anhand der Marktkapitalisierung ausrechnen, wann es soweit sein wird. Und man weiß, dass die offizielle Information der Börse gegen zehn Uhr abends kommt, als Mitteilung auf der Website. An dem betreffenden Tag saßen wir also alle um zehn am Rechner und haben wieder und wieder unsere Browser aktualisiert. Um 22:01 Uhr war es soweit, wir haben unsere eigenen Pressemitteilungen rausgeschickt und mehrere vorbereitete Interviews freigegeben. So kam die Sache ins Rollen.

Hatten Sie den Bereich Investor Relations für den Dax-Aufstieg verstärkt?

Bei den Investor Relations haben wir fast gar nichts verändert. Die nötigen Strukturen gibt es schon seit 2016 – das Unternehmen hat sie ein Jahr vor dem Börsengang aufgebaut. Die rechtlichen Anforderungen sind nämlich die gleichen, egal ob ein Unternehmen im SDax, im MDax oder jetzt eben im Dax gelistet ist. Was sich grundlegend ändern musste, war die restliche Kommunikation.

Inwiefern?

Uns war klar, dass das Interesse der Medien enorm steigen würde. Redaktionen schauen viel genauer hin, wenn ein Unternehmen im Dax ist. Man muss noch vorsichtiger mit den Zahlen umgehen, die man herausgibt. Journalisten kommen viel eher mit speziellen Anfragen auf einen zu. Ein Dax-Unternehmen muss ganz besonders transparent und konsistent kommunizieren.

Wie haben Sie das hinbekommen?

Zunächst einmal haben wir zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Dann haben wir Prozesse und Standards für alles Mögliche entwickelt: für Briefings, für Interviews, für die Bildsprache von Fotomaterial. Wir wollten professioneller werden, strukturierter. Bei Wortlautinterviews mit Mitarbeitern ist jetzt zum Beispiel immer ein Kollege aus der Kommunikation dabei. Das war früher nicht so.

Was für Inhalte hatten Sie für den großen Tag konkret vorbereitet?

Pressemitteilungen und passende Posts für die sozialen Medien. Dazu gab es ein Grußwort des CEO – an die Mitarbeiter weltweit, aber auch an Investoren. Darin hat er erklärt, was der Dax ist und warum er so wichtig für das Unternehmen ist. Und wir haben natürlich Interviews begleitet.

Gab es viele Interviewanfragen?

Jede Menge, auch bevor der Dax-Einstieg offiziell war. Vorher waren wir natürlich noch ziemlich zurückhaltend. Nach dem Motto: Ja, prima, machen wir gern, aber es gibt noch nichts Konkretes zu bereden. Wir können nur hypothetisch sprechen. Lauter „Was wäre wenn“-Storys.


Sigrid Dalberg-Krajewski: "Der Dax-Einstieg hat uns einen Professionalisierungsschub verpasst."


Wie viele Redaktionen interessierte das?

Fünf Interviews dieser Art sind mit deutschen und internationalen Medien gelaufen. Als der Dax-Einstieg offiziell war, haben wir am Vormittag des nächsten Tags mehreren Redaktionen Interviews mit unserem CEO Niklas Östberg oder CFO Emmanuel Thomassin angeboten. Fast alle haben das Angebot angenommen, zirka 20 insgesamt. Die Berichterstattung war insgesamt durchaus kritisch.

Hat Sie das überrascht?

Schon. Wir waren auf kritische Fragen vorbereitet, hatten dazu Material in der Schublade. Aber dass uns insbesondere von deutschen Medien eine solche Welle von Misstrauen und Häme entgegenschlagen würde, das hatten wir nicht erwartet. Da schwang beinahe so etwas wie Entrüstung mit.

Das lag vor allem an Wirecard. Gerade war ein digitales, deutsches Dax-Unternehmen tief gefallen, jetzt kam der nächste Internetkonzern …

… und da schaut man besonders kritisch hin, richtig. Die deutschen Medien wollen dieselben Fehler offenbar nicht noch einmal machen. Sie haben Wirecard lange ziemlich wohlwollend begleitet, es musste erst die britische Financial Times kommen, um den Skandal aufzudecken. Nun achten alle darauf, uns neutral bis kritisch zu beäugen.

[...]

Dieser Text ist ein Auszug aus einem 7-seitigen Interview in der November-Ausgabe des prmagazins. Lesen Sie darin, wie Sigrid Dalberg-Krajewski und ihr Team mit dem schweren Wirecard-Erbe umgehen, wie die Kommunikationschefin Delivery Hero nach dem Dax-Aufstieg positionieren will und warum der Einzug in die erste deutsche Börsenliga dem Unternehmen einen Professionalisierungsschub gebracht hat.

Die prmagazin-Ausgabe 11/2020 – darin unter anderem:

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"Solche Häme hatten wir nicht ewartet": Sigrid Dalberg-Krajewski vom Dax-Aufsteiger Delivery Hero über das schwere Wirecard-Erbe.

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