Detailinformationen

Autor

Olaf Wittrock

Freier Autor

verfasst am

07.12.2020

im Heft

12/2020

Schlagworte

Deutsche Fußball Liga, DFL, Christian Pfennig, Bundesliga, Covid-19-Pandemie, Corona, Deutscher Fußball-Bund, DFB, Kommunikation, PR, Kommerzialisierung, Sport

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Ausgabe 12/2020

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Deutsche Fußball Liga

"Keine Sonderrolle für Profis"


"Es ist wichtig, deutlich zu machen: Wenn Du kein Produkt zu verkaufen hast, sind Arbeitsplätze bedroht": Christian Pfennig, Direktor Marketing & Kommunikation der Deutschen Fußball Liga, über Folgen der Covid-19-Pandemie für die Bundesliga (Foto: Fernando Baptista).


Während das öffentliche Leben in der Covid-19-Pandemie vielerorts stillsteht, rollt in der Bundesliga unverdrossen der Ball. Verantwortlich dafür ist auch die Deutsche Fußball Liga (DFL). Ein gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) entwickeltes Konzept zum Neustart unter Corona-Bedingungen rückte die DFL stärker denn je in den Fokus der Öffentlichkeit. Christian Pfennig, Direktor Marketing & Kommunikation, spricht über die außergewöhnlichsten Bundesliga-Saisons aller Zeiten, frustrierte Fans, Missverständnisse und die Kommerzialisierung des Sports.


prmagazin: Herr Pfennig, sind Sie Fußballfan?

Christian Pfennig: Klar.

Ist das eine Voraussetzung für den Job hier?

Man sollte sich zumindest für Fußball begeistern können. In Deutschland sind aber wohl die meisten Menschen fußballinteressiert.

Warum ist es hilfreich für die Arbeit, ein Fan zu sein? Oder anders gefragt: Was ist Fußball aus Sicht der DFL?

Fußball, oder konkret die Bundesliga, ist zunächst einmal ein traditionsreicher sportlicher Wettbewerb. Die Bundesliga ist zudem eine gesellschaftliche Institution. Und natürlich ist sie auch ein Wirtschaftsfaktor. All das macht die Arbeit bei der DFL spannend, facettenreich und manchmal auch herausfordernd.

Eine der Hauptaufgaben der DFL ist der Verkauf der Fernsehrechte an den Ligaspielen. So gesehen wäre die Bundesliga in erster Linie ein Produkt, das es zu vermarkten gilt.

Nein, die Bundesliga ist immer alles drei: Sport, Wirtschaft und Gesellschaft. Das kann man nicht trennen. Sie lebt davon, dass Millionen Menschen den Wettbewerb spannend finden und sich darüber austauschen. Fußball ist vielleicht eins der letzten gemeinsamen Themen unserer Gesellschaft. Die Bundesliga steht darüber hinaus auch für 56.000 Arbeitsplätze, sodass es unverantwortlich wäre, die wirtschaftliche Seite außer Acht zu lassen.

Nun musste die Bundesliga wegen steigender Covid-19-Zahlen während des Lockdowns im Frühjahr pausieren. Schon Mitte Mai hat sie den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Die DFL hatte für den „Re-Start“ gemeinsam mit dem DFB ein Hygienekonzept vorgelegt. Mitten in der Pandemie konnten wieder Bundesliga-Spiele stattfinden, während das öffentliche Leben anderswo stark zurückgefahren war. Das ist schwer zu vermitteln, oder?

Wir haben von Beginn an gesagt, dass die Eindämmung des Virus oberste Priorität hat. Wir haben nichts gefordert, sondern uns auf den Re-Start vorbereitet. Unser Ziel, das wir immer kommuniziert haben, war: Sobald Politik und Behörden grünes Licht geben, zeigen wir, dass wir verantwortungsvoll damit umgehen können. Das haben wir mit einem umfassenden medizinisch-hygienischen Konzept unterstrichen.


"In der Liga und unter den 36 Klubs ist wahrscheinlich noch nie so viel miteinander gesprochen worden": Während der Pandemiewelle im Frühjahr ging es vor allem darum, die Klubs mitzunehmen, sagt Christian Pfennig. (Foto: Fernando Baptista)


Sie haben nicht direkt etwas gefordert – aber Ihr Geschäftsführer Christian Seifert hat schon deutlich davor gewarnt, was bei einem Saisonabbruch und ohne weitere TV-Einnahmen passieren würde. Er sagte, mehrere Klubs stünden dann vor dem finanziellen Ruin.

Die DFL hat von Beginn an die Fakten offen auf den Tisch gelegt. Wir haben erklärt, warum es nicht nur um sehr gut verdienende Profis geht, sondern um eine Branche, an der viele Existenzen hängen. Zugegeben, für den einen oder anderen war das vielleicht neu. Denn über lange Zeit ist der Profifußball damit etwas verschämt umgegangen. Es ist aber wichtig, diese Zusammenhänge deutlich zu machen – und die Logik dahinter: Wenn Du kein Produkt zu verkaufen hast, sind naturgemäß Arbeitsplätze bedroht. Da ist es uns genauso gegangen wie vielen anderen Unternehmen auch.

Was war Ihr kommunikatives Konzept für die erste Pandemiewelle im Frühjahr?

Wir haben uns zu jedem Zeitpunkt um größtmögliche Transparenz und Klarheit bemüht. Wir haben den Stand der Dinge umfassend beschrieben und gleichzeitig gesagt, dass wir nicht für alles eine Patentlösung haben und – wie alle anderen Lebensbereiche bis heute – „auf Sicht“ fahren müssen. Wir haben immer betont, dass es – je nach Pandemie-Lage – nötig werden könnte, bestimmte Beschlüsse, Maßnahmen, Entscheidungen im Ligabetrieb vielleicht auch wieder zurückzunehmen. Und ganz wichtig: Wir haben immer versucht, unsere Lage mit Blick auf das gesamtgesellschaftliche Geschehen einzuordnen. An der einen oder anderen Stelle ist das als Demut bezeichnet worden. Bei einer derartigen Ausnahmesituation ist das aber eigentlich selbstverständlich.

Wie sah Ihre Kommunikationsstrategie aus?

Bei der externen Kommunikation stand im Zentrum, schnell und breitflächig klare Signale in unübersichtlichen Situationen zu setzen und damit Orientierung zu bieten. Mindestens genauso relevant war die interne Kommunikation. Hier ging es vor allem darum, die Klubs mitzunehmen. Es gab zum Beispiel noch nie so viele Mitgliederversammlungen, auch digital. Wir haben darüber hinaus viele andere formelle und informelle Wege des Miteinanders gefunden. Das betrifft die Kommunikation mit Gremien genauso wie den Dialog mit den Medienverantwortlichen der Klubs. In der Liga und unter den 36 Klubs ist wahrscheinlich noch nie so viel miteinander gesprochen worden.

Die Logik hinter dem Konzept für den sogenannten Sonderspielbetrieb lautete: Wir entwickeln ein Arbeitsschutzkonzept. Fußballspieler sind letztlich auch bloß Menschen bei der Arbeit?

Das medizinisch-hygienische Konzept wird dem Arbeitsschutz zugeordnet und ist daher auch vom Bundesarbeitsministerium und der Berufsgenossenschaft genehmigt worden. Es geht dabei in erster Linie um diejenigen, die im Stadion einer Erwerbsarbeit nachgehen – von den Spielern über die Trainer und das medizinische Personal bis hin zu Kameraleuten und Journalisten.

Das klingt weit weg vom Fußball als gesellschaftlicher Institution, von Fan-Sein und Freude am Spiel.

Das eine schließt das andere nicht aus. Wie gesagt: Profifußball ist auch eine Wirtschaftsbranche – und dazu gehört der Arbeitsschutz. Völlig losgelöst davon ist und bleibt die Bundesliga eine gesellschaftliche Institution. Aber klar ist auch: Fans und Zuschauer sind ein wesentlicher Bestandteil der Fußballkultur.

Hat die gesellschaftliche Akzeptanz des Fußballs durch den Geisterspielbetrieb gelitten?

Heute sind unsere Fernsehquoten und die Daten unserer Marktforschung wieder ungefähr auf dem Niveau wie vor der Coronakrise. Natürlich hatten aber viele Menschen zum Start des ersten Lockdowns andere Sorgen. Der Fußball stand verständlicherweise nicht an erster Stelle. Es gab zumindest anfangs erhebliche Diskussionen darüber, ob die Bundesliga wieder starten sollte. Mit einigem Abstand würde ich sagen: Diese Debatte wurde auch stellvertretend für die gesamte Gesellschaft geführt und hat so Denkanstöße gegeben.

Welche denn?

Es geht um Grundsatzfragen: Wie gehen wir mit dieser nie da gewesenen Situation um? Inwieweit darf die Angst vor dem Virus unser Handeln bestimmen? Unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Konzepten können Lebens- und Arbeitsbereiche langsam wieder hochgefahren werden? Diese Fragen müssen immer neu beantwortet werden.

Und wie haben Sie auf Kritik an der schnellen Wiederaufnahme des Spielbetriebs reagiert?

Faktenbezogen und unaufgeregt.

Viele haben sich auch einfach geärgert, dass sie in ihren eigenen Vereinen nicht kicken durften, „die da oben“ aber schon.

[...]

Dieser Text ist ein Auszug aus einem 8-seitigen Interview in der Dezember-Ausgabe des prmagazins. Darin spricht Christian Pfennig unter anderem darüber, warum der Profifußball in der Pandemie keine Sonderrolle spielt, was er von der neuen Taskforce zur „Zukunft des Profifußballs“ erwartet, wofür es die „Arbeitsgemeinschaft Fankulturen“ gibt, weshalb der Sport entgegen allen Vorwürfen nicht dem Kommerz geopfert wird und wie das verbreitete Unwissen über die Zuständigkeiten der DFL zustande kommt.

Die prmagazin-Ausgabe 12/2020 – darin unter anderem:

Der Diplomat:
Bernd Hops vermittelt bei Infineon nach der Cypress-Übernahme zwischen internationalen Firmenkulturen und in Handelskriegen.

"Keine Sonderrolle für Profis": DFL-Mann Christian Pfennig über Bundesliga in der Corona-Pandemie und die schrägsten Saisons aller Zeiten.

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