Detailinformationen

Autor

Peter Kirsch

Freier Autor

verfasst am

10.01.2021

im Heft

01/2021

Schlagworte

Ulf Böse, Decker & Böse, Dieselskandal, Volkswagen, Litigation-PR, Verbraucherrecht, Klagen, Klägeranwälte

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Ausgabe 01/2021

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Dieselskandal

„Da muss ich mich fragen, ob VW was gegen unser Rechtssystem hat“

(Screenshot: https://www.volkswagenag.com/de/group/Diesel/ea288.html)


Um einer weiteren Klagewelle im Dieselskandal zuvorzukommen, ist Volkswagen vor einigen Wochen in die Offensive gegangen und hat einen Angriff auf die Klägeranwälte gestartet. Im Dezember erklärte Christopher Hauss, Sprecher Litigation Communications des Konzerns, im prmagazin die Strategie der Wolfsburger. Verbraucheranwalt Ulf Böse von der Kanzlei Decker & Böse will das so nicht stehen lassen. 


prmagazin: Herr Böse, im Rahmen des Dieselskandals hat Volkswagen kürzlich eine Homepage freigeschaltet, auf der vor Klägerkanzleien gewarnt wird, die Verbraucher mit vermeintlich falschen Versprechen locken. Sie fühlen sich angesprochen?

Ulf Böse: Muss ich ja. Wir gehören zu den größten Kanzleien auf der Gegenseite. Wir versuchen, betrogenen Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Wir haben schon bei der ersten großen Klagewelle um den EA189-Motor eine zentrale Rolle gespielt und sind jetzt auch bei der zweiten Welle dabei, bei der es um Schadenersatzklagen für Besitzer eines Wagens mit einem EA288-Motor geht.

Volkswagen legt sich fest und sagt, dass die Chancen einer Klage bei einem EA288-Motor gleich null seien.


Klägeranwalt Ulf Böse: "Dass VW versucht, Anwälte, die den Opfern helfen wollen, selbst zum Täter zu machen, ist schon ein starkes Stück."


Das ist nicht nur wahnsinnig dreist, das ist auch nachweislich falsch. Es sind ja schon Klagen durchgegangen. Die Parallelen zum EA189-Motor sind mehr als auffällig. Dass Volkswagen jetzt versucht, Anwälte, die den Opfern helfen wollen, selbst zu Tätern zu machen – das ist schon ein starkes Stück. 

Wie erklären Sie sich die VW-Offensive?

Es ist eine Mischung aus Dreistigkeit, Verzweiflung und der Hoffnung, dass man es mit solchen Mitteln schafft, noch mehr Kläger als in der ersten Welle davon abzuhalten, vor Gericht zu ziehen. Auch damals war die Klagewelle verhältnismäßig klein, wenn man bedenkt, wie viele Modelle betroffen waren und wie wenige Menschen von ihrem Klagerecht Gebrauch gemacht haben. Das steht in keinem Verhältnis. Die Volkswagen-Erklärung jedenfalls, dass die eingebauten Abschalteinrichtungen bloß zum Motorenschutz gedacht sind, hat damals nicht funktioniert. Und auch dieses Mal taugt sie nicht. Alle technischen Daten sprechen dagegen. Darum sind die Klagen erfolgversprechend.

Macht sich die VW-Offensive bemerkbar? Wenden sich weniger Verbraucher an Sie?

Das können wir quantitativ noch nicht wirklich ermitteln. Aber klar ist, dass Volkswagen es schafft, die Debatte zu verzerren. Wer sich im Internet zu Klagemöglichkeiten informieren will, findet mit als Erstes die Volkswagen-Homepage. Sie ist nicht nur SEO-optimiert, der Konzern schaltet auch noch massiv Werbung, um bei den Suchmaschinen wirklich ganz oben angezeigt zu werden. Man versucht, hier seine Geldmacht zu nutzen, um massiv Meinungsbildung zu betreiben. Das Dreiste ist: Volkswagen argumentiert gar nicht mit technischen Fakten. Sie sagen einfach, mit einer Klage habe man keine Chance. Das war’s. Das geht weit über das hinaus, was der Konzern an kommunikativer Dreistigkeit bisher schon an den Tag gelegt hat.

Was meinen Sie?

[…]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Januar-Ausgabe des prmagazins, warum Klägeranwalt Ulf Böse sich fragt, ob VW etwas gegen unser Rechtssystem hat, welche Bedeutung Online-Mandantenakquise für Anwälte hat, warum Litigation-PR im Verbraucherrecht eine besondere Rolle spielt und wie Klagewillige seriöse von unseriösen Anwälten unterscheiden können.

Die prmagazin-Ausgabe 01/2021 – darin unter anderem:

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