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Autor

Redaktion

verfasst am

07.12.2020

im Heft

12/2020

Schlagworte

Grenke AG, Short Attack, Leerverkäufer, Fraser Perring, Stefan Wichmann, Krisen-PR, Der Spiegel, Finanzdienstleister

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Ausgabe 12/2020

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Grenke

"Im Strafrecht würde man es Lynchjustiz nennen"

(Screenshot www.tagesschau.de)


Nach der Short Attack durch Leerverkäufer Fraser Perring hat die Grenke AG den Berater Stefan Wichmann mit der Krisen-PR beauftragt. Das prmagazin sprach mit ihm über einen möglichen Deal mit dem Spiegel, „short gegangene“ Journalisten, bereitwillig in Kauf genommene Kollateralschäden – und warum die nächste Krise den MDax-notierten Finanzdienstleister nicht mehr kalt erwischen wird.


prmagazin: Herr Wichmann, wie kommt so ein Mandat wie das für Grenke überhaupt zustande?

Stefan Wichmann: Meist durch persönliche Referenz. In der Branche wissen einige, dass ich eine Menge Krisen – als Kommunikationschef in und für Unternehmen als Trouble Shooter – in den Griff bekommen habe. Schon seit meiner Zeit bei der Deutschen Telekom. In diesem konkreten Fall hatte mich eine große, internationale Anwaltskanzlei dem Vorstand der Grenke AG empfohlen.

Wann wurden die ersten Signale für negative Berichterstattung sichtbar?


Stefan Wichmann: "Ich denke, dass es einen Deal gab zwischen Fraser Perring und dem Spiegel."


Einen Tag vor der Veröffentlichung dieses sogenannten Reports der selbst ernannten Analysefirma Viceroy. Das ist aber erst im Nachhinein klar geworden. Der Spiegel hatte – ohne jeden Hinweis auf Viceroy – eine Liste von mehr als 40 Fragen geschickt. Zum Teil extrem detailliert. Mit einer Frist von 24 Stunden. Da war klar, dass da eine Geschichte kommt, die sich gar nicht verhindern lässt. Von einer Short Attack ahnte zu dem Zeitpunkt aber noch niemand etwas. Ich auch nicht. Die Vermutung war eher, dass ein Neider, ein Wettbewerber oder ein geschasster Mitarbeiter dem Unternehmen oder dem Gründer Wolfgang Grenke persönlich schaden wollte.

Gab es für diesen Fall einen Krisenplan? Auch für die Kommunikation?

Nein. Nichts, soweit ich weiß. Aber ich behaupte, dass für eine Short Attack kaum ein Unternehmen einen Verteidigungsplan in der Schublade hat. Viel wichtiger ist vorzubeugen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Denn im Ernstfall geht es so schnell, dass Sie kaum Zeit haben, die Schublade zu öffnen.

Wann kamen die Angreifer aus der Deckung?

Am nächsten Tag, am Dienstag, dem 15. September, mittags. Da wurde der Viceroy-Report ins Internet gestellt. Nahezu zeitgleich liefen die ersten Meldungen über diverse Online-Kanäle. Allerdings wurde darin Fraser Perring schon als Leerverkäufer mit dubiosen Methoden beschrieben. Und der Spiegel folgte erst mit Verspätung.

Wieso Verspätung?

Ich denke, dass es einen Deal gab zwischen Perring und dem Spiegel. Zur gleichen Zeit oder vielleicht sogar vorab sollte – so war vermutlich der Plan – der Spiegel mit einer Exklusivmeldung an die Agenturen gehen. Ich bin überzeugt, wenn dieses Kalkül aufgegangen wäre, dann wäre die Grenke-Aktie geradezu implodiert – um vielleicht 60, 70 oder sogar mehr Prozent.

Und warum ist sie nur um weniger als die Hälfte eingebrochen?

In der Nacht zuvor hatten der Finanzvorstand der Grenke AG, Sebastian Hirsch, und ich auf etwa zwei Drittel der Spiegel-Fragen die Antworten formuliert, die diese Vorwürfe als das enttarnten, was sie waren: in vielen Punkten an den Haaren herbeigezogen. Da waren die Redakteure vermutlich gezwungen, ihre fertig geschriebene Geschichte an vielen Stellen umzuschreiben und mit der Rechtsabteilung erneut abzustimmen. Das dürfte Zeit gekostet haben.

Hat Perring versucht, auch andere Medien zu instrumentalisieren?

[…]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des prmagazins, wie andere Medien mit dem Fall Grenke umgingen, bis zu welchem Grad ein externer Krisenberater frei agieren kann, wie der Austausch mit Behörden, Prüfgesellschaften und dem Vorstand lief und wieso Grenke auf die nächste Krise besser vorbereitet ist.

Die prmagazin-Ausgabe 12/2020 – darin unter anderem:

Der Diplomat:
Bernd Hops vermittelt bei Infineon nach der Cypress-Übernahme zwischen internationalen Firmenkulturen und in Handelskriegen.

"Keine Sonderrolle für Profis": DFL-Mann Christian Pfennig über Bundesliga in der Corona-Pandemie und die schrägsten Saisons aller Zeiten.

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