Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

10.10.2019

im Heft

10/2019

Schlagworte

Global Women in PR, GWPR, NextGen Leadership, Mentoring, Susanne Marell, Katharina Balkmann, Michelle van der Veen, Sandrina Mahlberg

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Ausgabe 10/2019

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Next Generation Leadership

"Etwas bewegen"


Die GWPR NextGens Sandrina Mahlberg, Katharina Balkmann und Michelle van der Veen sowie NextGen-Initiatorin Susanne Marell (von rechts) im Gespräch mit prmagazin-Autor David Selbach.


Die Initiative NextGen Leadership innerhalb des GWPR-Netzwerks will junge Frauen in der Kommunikationsbranche auf Führungsaufgaben vorbereiten – ähnlich wie das Mentoring es tut. Ein Gespräch mit Initiatorin Susanne Marell (JP | Kom) und den drei NextGen-Kommunikatorinnen Katharina Balkmann (JP | Kom), Michelle van der Veen (Grayling) und Sandrina Mahlberg (Deutsche Bahn).


prmagazin: In der Kommunikationsbranche arbeiten überwiegend Frauen. Die meisten Führungskräfte sind aber nach wie vor Männer. Eigentlich verblüffend, oder?

Katharina Balkmann: Sollte es sein, es verblüfft aber niemanden wirklich. Hier bei JP | Kom gibt es drei Geschäftsführer, Susanne ist die einzige Frau. Außerdem haben wir noch fünf Teamleiter, darunter eine Frau.

Sandrina Mahlberg: Bei uns in der DB-Kommunikation ist es ganz ähnlich. Antje Neubauer (bis September 2019 Leiterin PR & Marketing; Anm. d. Red.) ist gegangen, und jetzt rückt ein Mann nach.

Michelle van der Veen: Bei Grayling sieht es ein wenig anders aus. Unser Board besteht aus fünf Leuten, davon drei Frauen. Aber der CEO ist natürlich ein Mann.

Haben Sie eine Theorie, woran das liegen könnte?

van der Veen: Wenn altersbedingt die Entscheidung für oder gegen Familie kommt – an dem Punkt war ich selbst gerade –, dann verliert man die Frauen. Einige kommen gar nicht wieder, einige nur in Teilzeit. Ich merke, dass Männer sich solche Fragen gar nicht erst stellen. Die gehen einfach immer weiter.

Bei der hohen Frauenquote in der Kommunikation genügt es also, ein Mann zu sein, um Karriere zu machen? Weil keine Frauen zur Verfügung stehen?

van der Veen: (lacht) Ein bisschen sehe ich dieses Phänomen durchaus. Im Ernst: Die Männer bei uns im Team fallen zumindest mehr auf, weil sie einen Sonderstatus haben.

Das heißt, auch die sonst so weltoffene Kommunikation orientiert sich weiter an Rollenklischees aus den 1950ern?

Susanne Marell: Na ja. Romy Fröhlich, Professorin für Kommunikationswissenschaft aus München, hat bei einem der allerersten GWPR-Treffen auf eine Studie in diesem Zusammenhang hingewiesen. Ergebnis: In der Kommunikationsbranche gibt es insgesamt überproportional viele weibliche Führungskräfte, die keine Kinder haben. Das liegt aber vor allem an der Art des Berufs mit seiner 24/7-Erreichbarkeit und nicht in erster Linie an einem überkommenen Rollenverständnis im Sinne „entweder Karriere oder Kinder“.

Mahlberg: Vielen Männern wird es aber schon schwer gemacht. Ich habe häufiger von Männern  gehört: Ich würde gern Elternzeit nehmen, aber mein Chef hat sehr deutlich durchblicken lassen, dass das keine Option ist.

Marell: Das stimmt. Männer, die auf dem Sprung vom mittleren ins obere Management sind, kriegen nach der Elternzeit Dinge zu hören wie: Das machst Du aber nur bei einem Kind.

Wie halten Sie es selbst damit, Frau Marell? Sie dürften ja häufiger vor der Frage stehen, ob Sie einem Mann die Elternzeit durchgehen lassen oder nicht.

Marell: Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. In meiner Zeit bei Edelman war ich zuerst schon überrollt, als plötzlich so viele Männer Elternzeit machen wollten, das muss ich zugeben. Wir haben immer mit 20 Schwangerschaften im Jahr gerechnet. Und auf einmal kamen noch zehn Männer dazu – da habe ich an mir arbeiten müssen, dass ich nicht auch mit den Augen rolle und sage: Muss das denn wirklich sein? Was irre ist, denn mein Mann hat damals bei uns die Kinderbetreuung übernommen, damit ich nicht pausieren musste. Wir alle haben wohl unbewusst Klischees im Kopf, die wir überwinden müssen.

van der Veen: Ich habe das gerade alles mit meinem Partner hinter mir. Er hat als einer der ersten in der Führungsriege seiner Agentur überhaupt mehr als zwei Monate Elternzeit genommen. Und das war ein Riesenthema dort. Alle waren überfordert.

Wie ist das bei Ihnen beiden, Frau Balkmann und Frau Mahlberg? Wissen Sie schon, ob Sie Kinder wollen?

Balkmann: Bei mir ist das überhaupt noch kein Thema.

Mahlberg: Für mich ist es gerade eine Entscheidung, die ich nicht treffen kann. Weil in meinem Kopf die Frage herumgeht: Was macht das mit Deiner Karriere? Ich habe davor ziemlichen Respekt.

Sind Sie es leid, danach gefragt zu werden?

Mahlberg: Ich wurde das bisher nur einmal gefragt – von einer weiblichen Chefin. Sonst noch nie.

Balkmann: Ich wurde das nach meiner letzten Beförderung gefragt, von einer älteren Freundin. Nach der Beförderung sagte sie: Toll, dann kannst Du ja jetzt ein Kind kriegen, oder? Und ich dachte nur:  Das hätte ich doch vorher auch gekonnt! Warum werde ich damit jetzt konfrontiert? [...]

Dieser Text ist ein Auszug. Das komplette Interview lesen Sie auf 7 Seiten in der Oktober-Ausgabe des prmagazins. Darin unter anderem: wieso die NextGens Frauennetzwerke für sinnvoll halten und wie ihnen GWPR-Mentorinnen an entscheidenden Punkten ihrer Karriere geholfen haben.

Die prmagazin-Ausgabe 10/2019 – darin unter anderem:

Die Standhafte: Stefanie Hansen hat sich bei dem Mineralölkonzern BP Europa in zwanzig Jahren an die Spitze gearbeitet.

KI-Trenderkennung: Auch klassische Medienbeobachter nutzen verstärkt intelligente Crawler und Trendanalyse-Tools mit Künstlicher Intelligenz.

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