Detailinformationen

Autor

Christina Ullrich

Verantwortliche Redakteurin

verfasst am

06.06.2019

im Heft

06/2019

Schlagworte

BMW, Maximilian Schöberl, Mobilität der Zukunft

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Ausgabe 06/2019

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BMW

"Wir gehen unseren eigenen Weg"


"Ich halte nichts von marktschreierischen Aktivitäten. Wenn wir etwas ankündigen, ist das Verpflichtung": Maximilian Schöberl beim prmagazin-Interview in der "BMW Welt". (Foto: prmagazin/Alexander von Spreti)


Dieselskandal und EU-Kartellvorwürfe, neue Wettbewerber und Zoff um den Antrieb der Zukunft: Die deutsche Automobilindustrie steht unter Druck wie nie zuvor. BMW-Kommunikationschef Maximilian Schöberl über die Rolle des VDA, Auseinandersetzungen mit der Deutschen Umwelthilfe, den Hype um junge Helden – und wieso er trotz branchen- und weltpolitischem Chaos an seiner Strategie der Zurückhaltung festhält.


prmagazin: Herr Schöberl, Juso-Chef Kevin Kühnert fordert die Kollektivierung von BMW, die Grünen wollen das Ende des Verbrennungsmotors bis 2030. Das ist nicht die politische Hilfe, die Sie sich wünschen auf dem Weg in die Zukunft der Mobilität, oder?

Maximilian Schöberl: Es wäre in diesen Zeiten nicht realistisch, zu sehr auf politische Hilfe zu setzen. Aber es ist wichtig, mit der Politik im Dialog zu bleiben. Was die Äußerungen von Herrn Kühnert betrifft: Die Bundesrepublik Deutschland und die BMW Group verdanken ihren weltweiten Erfolg dem Prinzip der sozialen Marktwirtschaft. Deshalb vertrauen wir darauf, dass die soziale Marktwirtschaft auch weiterhin Grundlage für die wirtschaftspolitische Ausrichtung aller großen demokratischen Parteien bleibt.

Als Investition in die Zukunft fordert die Branche von der Politik die Förderung alternativer Antriebe. VW ist mit der Ankündigung vorgeprescht, sich auf Elektromobilität zu fokussieren. BMW dagegen plädiert für Technologieoffenheit. Warum gelingt es der Branche nicht mehr, bei Zukunftsthemen eine einheitliche Linie in Richtung Politik zu finden?

Das ist eine sehr gute Frage, und da müssen wir auch wieder stärker hinkommen. Es geht darum, mit offenem Visier eine gemeinsame Linie zu fahren. Das ist das Erfolgsrezept der Autoindustrie und ihrer Verbände seit vielen Jahrzehnten. 

Die Interessen der Hersteller scheinen aber sehr unterschiedlich zu sein. Ist eine gemeinsame Linie überhaupt denkbar?

In den Zielen sind wir nicht grundsätzlich uneinig. Wir setzen allerdings unterschiedliche Schwerpunkte. Jetzt müssen wir einen Grundkonsens definieren und nach außen vertreten. 

VDA-Präsident Bernhard Mattes fehle der Draht zur Kanzlerin, heißt es. Hat der Verband der Automobilindustrie wirklich noch eine Zukunft als Stimme der Branche?

Der VDA ist europaweit ein Beispiel dafür, wie man Interessen zusammenfassen und gemeinsam gegenüber der Politik vertreten kann. Nicht zu vergessen dabei: die große Zahl an Zulieferern! Den Respekt bei der Politik muss man sich erarbeiten. Das geht nur mit gemeinsamen Inhalten. Am Ende erwartet die Politik eine klare Industrieposition und kein Bündel unterschiedlicher Einzelmeinungen. Hier einen Grundkonsens herzustellen, ist Aufgabe des VDA.

Als VW seine E-Strategie verkündete, kommentierte BMW-Chef Harald Krüger im Handelsblatt, es sei der „völlig falsche Weg, alles auf eine Karte zu setzen“. Solche scharfen Töne sind ungewohnt von Herrn Krüger. Wieso diesmal so deutlich?

Wir sind nicht diejenigen, die in einem inflationären Maß provozieren oder aggressiv unterwegs sind. Aber wenn wir eine deutliche Aussage machen müssen, dann machen wir sie. Und das kommt dann auch an. 

Ist der Grund für Krügers Vehemenz auch darin zu suchen, dass VW – gemessen an Branchengepflogenheiten – ein paar Mal zu oft Foul gespielt hat? Erst der Dieselskandal. Dann der Antrag auf Kronzeugenregelung im Gefolge von Daimler nach Vorwürfen der EU-Kommission wegen Absprachen bei der Abgasreinigung. BMW ist nach derzeitigem Kenntnisstand als einziger der drei Konzerne unzweifelhaft sauber, und sitzt trotzdem mit im Dieselsumpf. Warum kommunizieren Sie Ihre positive Sonderrolle nicht offensiver?

Zunächst mal bin ich froh über die Sonderrolle von BMW. Die BMW-Kultur ist eine andere, wir pflegen einen offenen Umgang mit Problemen. Verantwortung, Wertschätzung, Transparenz, Vertrauen und Offenheit sind unsere Grundwerte. Jeder Mitarbeiter und jede Führungskraft sind sich bewusst, dass das keine hohlen Phrasen sind, sondern dass diese jeden Tag gelebt werden müssen. Grundsätzlich gilt: Ein bewusstes, gezieltes Vorgehen zur unzulässigen Manipulation von Abgasemissionen ist für uns nicht akzeptabel. Das haben wir auch ganz klar in der Öffentlichkeit gesagt.

Wirklich abgenommen hat Ihnen die Öffentlichkeit die Saubermann-Rolle aber nicht.

In der Tat haben äußerst kritische, zum Teil auch undifferenzierte Stimmen streckenweise die öffentliche Diskussion bestimmt. Die Auswertungen unabhängiger Prüfinstitute bestätigen aber: BMW hat bei Diesel-Fahrzeugen im Herstellervergleich eine führende Position bei niedrigen Stickoxid-Emissionen. Diese Fakten führen wir immer wieder ins Feld, wenn mal wieder jemand vorsätzlich oder aus mangelndem Wissen die ganze Industrie über einen Kamm schert.

Dennoch zeigt BMW nicht mit dem Finger auf die Wettbewerber. Warum nicht offensiver?

Es nützt nichts, dauernd mit dem Finger auf andere zu zeigen. Wir brauchen einen anständigen Umgang innerhalb der Branche. 

Stehen Sie selbst denn noch in regelmäßigem Austausch mit VW-Kommunikationschef Peik von Bestenbostel und Politikchef Thomas Steg? Oder herrscht da erst mal Sendepause?

Nein, es gibt keine Sendepause. Ich habe sowohl mit den VW-Kollegen wie auch mit Jörg Howe von Daimler einen guten Austausch. Wir alle sind immer respektvoll und ehrlich miteinander umgegangen und sehen uns innerhalb unserer Häuser auch ein bisschen als Makler in schwierigen Situationen.

[...]

Dieser Text ist ein Auszug aus einem 8-seitigen Interview. Lesen Sie in der Juni-Ausgabe des prmagazins, welche Strategie Maximilian Schöberl im Umgang mit Kritikern wie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) verfolgt, was er vom marktschreierischen Auftreten neuer Wettbewerber wie Tesla hält, wie BMW wieder in die Offensive kommen will und wie er den BMW-Mitarbeitern erklärt, dass Daimler neben Rivale nun auch Kooperationspartner ist.

Die prmagazin-Ausgabe 06/2019 – darin unter anderem:

Vernetzer: Vom No-Name zum Ziel US-amerikanischer Notstandsmaßnahmen: Die Arbeit von Huawei-Kommunikator Carsten Senz hat sich völlig verändert.

"Wir gehen unseren eigenen Weg": BMW-Kommunikationschef Maximilian Schöberl hält an seiner Strategie der Zurückhaltung fest – trotz aller Kritik.

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