Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

05.04.2019

im Heft

04/2019

Schlagworte

Stephanie Schunck, RWE, Energiewende, Hambacher Forst, E.ON, innogy

Das aktuelle Heft
Ausgabe 04/2019

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

RWE

"Wir haben jetzt ein Wachstumsthema"


Stephanie Schunck arbeitet seit mehr als einem Vierteljahrhundert im RWE-Konzern. Eine emotionale Situation wie die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst hat sie noch nicht erlebt. (Foto: Adrian Bedoy)


Der Hambacher Forst, zärtlich „Hambi“ genannt, ist zum Symbol für die „böse RWE“ geworden. Die Mitarbeiter des Essener Energieversorgers lecken noch ihre Wunden – und blicken zugleich nach vorn. Kommunikationschefin Stephanie Schunck über Brandanschläge und Telefonterror, den geplanten Befreiungsschlag durch das Tauschgeschäft mit E.ON und die Zukunft der innogy-Kommunikation nach der Zerschlagung der RWE-Tochter.
 


prmagazin: Frau Schunck, im vergangenen Jahr hätte wohl kaum einer unserer Leser mit Ihnen tauschen wollen. Die Räumung des Hambacher Forsts, ein toter Journalist, der Aktienkurs brach ein. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde RWE zum Feindbild. Wie haben Sie und Ihre Kollegen das verkraftet?

Stephanie Schunck: Das sind Ausnahmesituationen, die erlebt man nicht alle Tage. Selbst wenn wir in der Energiebranche schon viele Krisenthemen erlebt haben, wie zum Beispiel nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima. Aber die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst war dermaßen emotional, dass er den Kollegen nicht in den Kleidern hängen bleiben konnte. Es gab Beschimpfungen, Telefonterror und persönliche Attacken. Da braucht es einen guten Teamspirit, um das gemeinsam durchzustehen. Den haben wir.

Wurde RWE auch von Journalisten attackiert?

Nein, das ist eine professionelle Zusammenarbeit. Viele Journalisten haben sehr ausgewogen berichtet  und die Situation insgesamt dargestellt. Sie haben zum Beispiel auch das Thema Gewalt aufgegriffen – es gab Angriffe auf Mitarbeiter oder Brandanschläge auf Fahrzeuge von Partnerfirmen. Aber klar: Einige Journalisten verfolgen ihre eigene Agenda.


"Viele Journalisten haben sehr ausgewogen berichtet. Aber klar: Einige verfolgen ihre eigene Agenda": Stephanie Schunck über die Berichterstattung zur Räumung des Hambacher Forsts.


Sie denken dabei besonders an den Westdeutschen Rundfunk, oder?

Nein. Die Berichterstattung im WDR war sehr ausführlich, viele unterschiedliche Formate haben sich um das Thema gekümmert. Dass uns der eine oder andere Beitrag nicht gefreut hat, das muss man aushalten.

Umgekehrt ist auch RWE, insbesondere Ihr CEO Rolf Martin Schmitz, sehr unversöhnlich aufgetreten, zum Beispiel indem er im Interview gesagt hat, die Rettung des Hambacher Forsts sei eine „Illusion“. Das dürfte das Unternehmen viel Sympathie gekostet haben. Warum diese harte Haltung?

Das war die einzig mögliche, im Rahmen der bestehenden Genehmigung. Für die Aktivisten ist der  Hambacher Forst vor allem ein Symbol in einer politischen Auseinandersetzung. Bei der Entscheidung für oder gegen eine Rodung des Forsts ging es aber um weitreichende Konsequenzen für das Unternehmen und seine Beschäftigten. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen: Die Kollegen hier bei RWE tragen maßgeblich dazu bei, dass die Stromversorgung in diesem Land gut funktioniert. Sie fühlten sich auf einmal genau dafür kritisiert und manchmal diskreditiert – aus ihrer Sicht völlig zu Unrecht. Ein CEO muss auch mal gegenhalten und kann seine Haltung nicht aufgeben, nur um Sympathiepunkte auf der anderen Seite zu machen.

Ist es nicht Ihre Aufgabe als Kommunikatorin, das Entstehen einer solchen Wagenburgmentalität zu verhindern?

Wagenburgmentalität ist Unsinn. Es ist wichtig, im Dialog zu bleiben. Wir haben in den sozialen Medien eine  erfolgreiche Kampagne aufgelegt, haben uns unter dem Hashtag #rwe100 täglich aktiv den Diskussionen dort gestellt. In Chats konnten  Mitarbeiter Fragen an Führungskräfte stellen. Auf unseren internen und externen News-Plattformen haben wir quasi täglich die neuesten Entwicklungen erklärt und eingeordnet. Nicht zu vergessen unser Mitarbeitermagazin, das wir den Kolleginnen und Kollegen gedruckt nach Hause schicken – das erreicht die Mitarbeiter und auch ihre Familien.


"In der Region selbst ist die Zustimmung zu unserem Unternehmen trotzdem stabil und erfreulich hoch": Stephanie Schunck zum Image von RWE nach dem Streit um „Hambi“.


Viele Mitarbeiter dürften trotz all dieser Informationen überrascht gewesen sein, als auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung das Oberverwaltungsgericht Münster entschied: Der Hambacher Forst darf vorerst nicht gerodet werden, bis geklärt ist, ob die seltenen Fledermäuse dort geschützt werden müssen.

Die Entscheidung hat uns alle sehr überrascht. Das Verfahren lief ja bereits länger, aber wir hätten nie damit gerechnet, dass von dort ein Rodungsstopp kommt. 

Unter dem Strich: Wie schlimm hat das Image gelitten?

Man muss keine großen Reputationsbefragungen machen, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass das vergangene Jahr Spuren beim Image hinterlassen hat. Überregional ist RWE normalerweise im soliden Mittelfeld, obwohl wir keine Privatkunden haben, sondern vor allem an den Großhandelsmarkt für Strom liefern. Da hat es eine Delle wegen der Kohlediskussion gegeben. In der Region selbst ist die Zustimmung zu unserem Unternehmen trotzdem stabil und erfreulich hoch.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem 7-seitigen Interview. Lesen Sie in der April-Ausgabe des prmagazins, wie RWE zu den Empfehlungen der Kohlekommission kommuniziert, wie Stephanie Schunck und ihr Team den Deal mit E.ON begleiten und was der geplante Befreiungsschlag für innogy bedeutet.

Die prmagazin-Ausgabe 04/2019 – darin unter anderem:

Die Change-Managerin: Der PR-Posten bei Axa Deutschland war als Schleudersitz berüchtigt. Silvana Herold schaffte den Neuanfang.

"Wir haben jetzt ein Wachstumsthema": RWE-Kommunikatorin Stephanie Schunck über „Hambi“ und die grüne Zukunft des Energiekonzerns.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen