Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

06.05.2020

im Heft

05/2020

Schlagworte

Universitätsklinikum Freiburg, Corona-Pandemie, Benjamin Waschow

Das aktuelle Heft
Ausgabe 05/2020

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Universitätsklinikum Freiburg

"Die Aufregung legt sich einfach nicht"


"Der Stress bewegt sich auf einem Level, das ich noch nie erlebt habe", sagt Benjamin Waschow, Kommunikationschef der Uniklinik Freiburg, im prmagazin-Interview.


Seit Wochen bereiten sich die Ärzte der Uniklinik Freiburg auf den Höhepunkt der Corona-Pandemie vor. Seit Wochen bringt das Virus Benjamin Waschow und seine Kollegen an die Belastungsgrenze. Das prmagazin hat mit dem Kommunikationschef per Video-Chat gesprochen. Über eine Abteilung im Ausnahmezustand.


prmagazin: Herr Waschow, wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass sich mit der Corona-Pandemie eine größere Krise anbahnt? 

Benjamin Waschow: Mitte Februar hat die Klinik eine Corona-Taskforce gebildet, um sich vorzubereiten. Damals war das Coronavirus auch in den Medien schon Thema, aber noch unter ferner liefen. Ende Februar habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass auch bei Journalisten ganz schön Emotion im Spiel ist. Der SWR war hier, um einmal durchzuspielen, wie es aussieht, wenn ein Patient mit Corona eingeliefert wird. Also haben die Kollegen sich Schutzanzüge angezogen und Masken aufgesetzt. Und noch während des Drehs ruft die Badische Zeitung sehr aufgeregt an: Sie wüssten aus erster Hand, dass wir einen Corona-Patienten hätten, alle Mitarbeiter müssten Schutzanzüge tragen. Sie würden das jetzt bringen, Leugnen sei nicht mehr möglich. 

Konnten Sie die Berichterstattung noch abwenden? 

In diesem Fall konnten wir das dann doch schnell aufklären. Die Zeitung hat dann daraus tatsächlich eine kurze Meldung gemacht. 

Wann kam der erste echte Corona-Fall? 

Kurz darauf, am 27. Februar. Und dann war erst mal unklar, wie die Abläufe der Kommunikation sind. Ich habe mich beim Landkreis, zu dem das zuständige Gesundheitsamt gehört, erkundigt, wurde weiter an das Landesgesundheitsamt und von dort weiter ans baden-württembergische Sozialministerium verwiesen – das lief alles über die Pressestellen. Es stellte sich heraus, dass das Ministerium den Erstaufschlag hatte, und alles, was danach passierte, sollten wir kommunizieren. Das Ganze dauerte vom frühen Nachmittag bis um 21 Uhr, als die Pressemitteilung des Sozialministeriums kam. Anschließend haben wir unsere Pressemeldung rausgeschickt. Und dann ging es los.

Seitdem sind Sie im Ausnahmezustand? 

Ab diesem Zeitpunkt eskalierte die Situation. Die ersten Hochrechnungen kamen rein, wie viele Intensivbetten wir brauchen werden. Es wurde fast rund um die Uhr gearbeitet. Und auch kommunikativ lief es hoch. Wir kommunizieren seitdem auch mit den Ministerien, geben Dienstpläne raus. Das alles hat mit klassischer PR nichts zu tun – wir machen das, damit eine Stelle den Überblick behält. Das Positive daran ist, dass ich immer über alles Bescheid weiß. 

Und wie viele Presseanfragen zur Pandemie und zu Covid-19 gehen bei Ihnen im Moment pro Tag ein?

Das schwankt, im Schnitt bis zu zehn. Am Wochenende um den 21. März sind die Anfragen noch einmal durch die Decke geschossen, weil unsere Klinik eine der ersten war, die französische Covid-19-Patienten aufgenommen hat. Allein aus Frankreich kamen an die 15 Anfragen. Einige Fernsehteams standen direkt vor den Toren der Uniklinik. Wir machen seit Wochen nichts außer Corona.


"Ende Februar habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass auch bei Journalisten ganz
schön Emotion im Spiel ist", sagt Benjamin Waschow im Video-Interview mit dem prmagazin.


Worum geht es bei den Anfragen? 

Am Anfang waren das noch vernünftige Sachen. Wie bereitet sich die Uniklinik vor? Wie schlimm ist das Virus? Mittlerweile werden die Fragen einfältiger. Ein Autor hat uns ernsthaft gefragt, welches Klopapier für den Hintern am besten ist ... Inzwischen scheinen sich die Redaktionen intern auch nicht mehr abzustimmen. Wir bekommen dieselben Anfragen aus derselben Redaktion – dreimal am Tag, von drei unterschiedlichen Leuten. Vielleicht liegt es daran, dass die sich nicht mehr sehen, weil sie im Homeoffice arbeiten. 

Die Uniklinik Freiburg ist bei überregionalen Medien beliebt, weil Sie dafür bekannt sind, schnell und unkompliziert Experten für Interviews zu vermitteln. Wurde Ihnen das jetzt zum Verhängnis? Kamen auch in Sachen Corona besonders viele Redaktionen zuerst auf Sie zu? 

Vielleicht. Wir bemühen uns, immer schnell und zuvorkommend zu reagieren, unsere Experten stehen parat, und wir reservieren den Redakteuren sogar einen Parkplatz. Deshalb kommen viele gern wieder. Der SWR zum Beispiel, aber auch der WDR, trotz der langen Anfahrt. Als es dann mit Corona losging, wurde es aber fast zu viel.

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Mai-Ausgabe des prmagazins, wie das Kommunikationsteam der Uniklinik Freiburg seine Experten in den Medien platziert, wie es auf die gestiegenen Anforderungen an die interne Kommunikation reagiert und warum sich die Corona-Krise von anderen Krisen stark unterscheidet.

Die prmagazin-Ausgabe 05/2020 – darin unter anderem:

Sparkasse Reloaded:
 Der DSGV hat seine Kommunikation grundlegend neu organisiert. In der Corona-Krise hat sich das bereits bewährt.

"Die Aufregung legt sich einfach nicht": Covid-19 bringt das Kommunikationsteam der Uniklinik Freiburg an die Belastungsgrenze.

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