Detailinformationen

Autor

Peter Kirsch

Freier Autor

verfasst am

07.12.2020

im Heft

12/2020

Schlagworte

Dieselskandal, Volkswagen, Schadenersatzklagen, Klägeranwälte, Litigation Communications, Litigation-PR, Christopher Hauss

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Ausgabe 12/2020

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Dieselskandal

"Wir wollen den einseitigen Infos etwas entgegenhalten"

(Screenshot: www.volkswagenag.com)


Nach dem Dieselskandal wurde Volkswagen mit einer Welle von Schadenersatzklagen überzogen. Jetzt wehrt sich der Autobauer gegen die massiven Akquisebemühungen der Klägeranwälte. Was man sich von der kommunikativen Gegenoffensive verspricht, erklärt Christopher Hauss, Sprecher Litigation Communications des VW-Konzerns.


prmagazin: Herr Hauss, googelt man nach den Begriffen „Volkswagen“ und „Abgasskandal“, findet sich eine kürzlich freigeschaltete Homepage Ihres Unternehmens, auf der Sie den Kunden von einer Schadenersatzklage gegen VW abraten. Was steckt dahinter?

Christopher Hauss: Wenn unsere Kunden nach Informationen suchen, dann ist Google für sie meist die erste Anlaufstelle. Allerdings stößt man bei einer Google-Suche beinahe ausschließlich auf Anzeigen und Websites von Klägerkanzleien, die den Eindruck erwecken, dass eine Klage zu einem neuen, weit verbreiteten Dieselmotor, dem EA288, gegen Volkswagen in jedem Fall vielversprechend wäre. Das spiegelt aber nicht die Realität wider. Denn 99 Prozent der Klagen gegen uns gehen verloren. Bevor Kunden also klagen und der Eindruckentsteht, dass Volkswagen weiter schummeln würde, wollen wir ein entsprechendes Informationsangebot machen. Wir wollen den einseitigen Informationen der Klägerkanzleien etwas entgegenhalten.

Die von Ihnen genannten Anwälte werben tatsächlich mit einer 98-prozentigen Erfolgsquote. Wie kann das sein?


Christopher Hauss: „Um Mandanten zu gewinnen, erwecken die Klägerkanzleien wieder und wieder den Eindruck, dass VW weiter schummelt.“


Das weiß ich nicht. Ich vermute, dass sich deren Quote auf Schadenersatzklagen von Besitzern eines EA189-Motors bezieht. Tatsächlich waren bei diesem Vorgängermotor zahlreiche Klagen erfolgreich, auch vor dem Bundesgerichtshof. Bei dem EA288 handelt es sich aber um einen ganz anderen Motortyp. Beim EA189 hat das Kraftfahrtbundesamt gesagt: Da ist eine unzulässige Abschalteinrichtung drin. Beim EA288 bestätigen die zuständigen Behörden, dass dies gerade nicht der Fall ist. Das ist ein Riesenunterschied.

Das Landgericht Regensburg beurteilte am 6. Februar 2020 den Verkauf eines Autos mit EA288-Motor als vorsätzlich sittenwidrige Schädigung. Anders formuliert: Auch im EA288 ist eine Abschalteinrichtung enthalten.

Jede Diesel-Motorsteuerung verfügt über Abschalteinrichtungen, etwa in Form von sogenannten Thermofenstern, um den Motor vor bestimmten Schäden zu schützen. Das ist Industriestandard, auch nicht illegal, solange sie nicht das Emissionsverhalten auf unzulässige Art und Weise beeinflusst. Und das passiert nicht. Das Urteil wird in der nächsten Instanz deshalb korrigiert. Da sind wir sehr zuversichtlich. Allerdings erwecken Anwaltskanzleien den Eindruck, Abschalteinrichtungen seien per se unzulässig. Das wird weder von Gerichten noch durch das Kraftfahrtbundesamt bestätigt. Durch die Akquisebemühungen der Klägerkanzleien entsteht der Verdacht, in einem Volkswagen ist etwas drin, was da nicht reingehört und verboten ist. Dagegen richten wir uns auch kommunikativ.

Unabhängig von der rechtlichen Lage: Ist das für den Verbraucher nicht ein schräges Signal? Er findet im Internet ausgerechnet von Volkswagen eine Seite, auf der steht, dass es keinen Sinn macht, gegen Volkswagen zu klagen?

Wir raten dezidiert nicht vom Klagen ab, wir ermöglichen den Menschen nur, sich selbst ein Bild von den Fakten zu machen. Wir stellen Informationen bereit. Und wenn 99 Prozent der Klagen zum EA288 verloren gehen, dann können wir auch mit Fug und Recht behaupten, dass sich eine Klage nicht lohnt. Natürlich steht es den Kunden am Ende frei, den Rechtsweg zu beschreiten – aber sie sollten das auch auf einer guten Informationsbasis machen. Und gerade bei komplexen und schwierigen Themen erwarten die Kunden auch einfach, von dem entsprechenden Unternehmen informiert zu werden.

Warum spielen Sie diese Informationen nicht über neutrale Dritte, über journalistische Medien?

[…]

Dieser Text ist ein Auszug. Lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des prmagazins, wie Volkswagen im Netz auf das Thema aufmerksam macht, welches Feedback der Konzern für seine Offensive bekommt und wieso man die vermeintlich aussichtslosen Klagen nicht einfach ins Leere laufen lässt.

Die prmagazin-Ausgabe 12/2020 – darin unter anderem:

Der Diplomat:
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