Detailinformationen

Autor

David Selbach

Freier Autor

verfasst am

07.12.2018

im Heft

12/2018

Schlagworte

Wirecard, Dax-Aufstieg, Iris Stöckl, Jana Tilz

Das aktuelle Heft
Ausgabe 12/2018

Zum Inhalt

Abos und Einzelhefte

Wirecard

Dax ohne Rausch


Trotz des Medien-Hypes um den Einzug in die erste Börsenliga bleibt die Kommunikation von Wirecard auffällig zurückhaltend.


Das Fintech Wirecard war im Spätsommer an der Börse plötzlich mehr wert als die Deutsche Bank – und verdrängte die Commerzbank aus dem Dax. Die Kommunikatorinnen Iris Stöckl und Jana Tilz berichten, wie sie mit dem Hype umgehen und was sie daraus machen wollen. Dabei bleiben sie auffällig zurückhaltend. Emotional müssen sie wohl erst noch in der Dax-Liga ankommen.


prmagazin: Ende September ist Wirecard in den Dax aufgestiegen. Seitdem ist das Unternehmen buchstäblich in aller Munde. War das für Sie als Kommunikatorinnen stressig?


Iris Stöckl: "Wir wollen zeigen, dass wir „Thought Leader“ bei digitaler Payment- Technologie sind." (Foto: Bettina Theisinger)

Iris Stöckl: Ach, nein. Wir freuen uns doch, dass unsere Geschichte interessant ist, auch wenn man die Produkte nicht immer sehen und anfassen kann. Insofern war der Dax-Aufstieg sehr erfreulich für uns. Darauf wollen wir jetzt weiter aufbauen.

Wie viel Berichterstattung gab es? 

Jana Tilz: Ich würde behaupten: Wir waren in fast jedem deutschen Medium, oder jedes überregionale Medium hat mindestens einmal angerufen. Das war schon sehr intensiv. Ich habe oft noch nach Feierabend mit Journalisten gesprochen.

Hatten Sie keine Agenturhilfe?

Tilz: Wir schauen, dass wir den Medienkontakt persönlich übernehmen. Unser Dienstleister hat uns nur im Hintergrund unterstützt und Gespräche vorbereitet. 

Lagen Event-Pläne, interne Publikationen, Sprachregelungen in der Schublade?Stöckl: Natürlich haben wir uns in verschiedenen Abteilungen schon geraume Zeit vorher mit dem Dax-Szenario befasst. Das war also bereits monatelang Thema. Wir haben kurz vorher im Intranet ein CEO-Statement an alle Mitarbeiter vorbereitet. Aber das war es.

Keine Urlaubssperre in der PR?

Tilz: Nein. Wir haben uns vorher gut überlegt, welche Kernbotschaften wir platzieren wollen, damit wir einheitlich auftreten. Wir haben geschaut, dass es von den Terminen her passt, denn wir wollten die Interviewpartner hier im Haus nicht überfordern. So konnten wir das über mehrere Wochen hinweg ganz gut verteilen.

Ist die Kommunikation von Wirecard mit dem Dax-Aufstieg eine andere geworden?


Jana Tilz: "Wir waren in fast jedem deutschen Medium, oder jedes überregionale Medium hat mindestens einmal angerufen. Das war schon sehr intensiv." (Foto: Bettina Theisinger)


Tilz: Wir haben jetzt eine höhere Sichtbarkeit, auch durch Vorstandsinterviews. Das bringt eine High-Level-Platzierung, die wir so vorher nicht hatten.

Dass Ihr CEO Markus Braun früher eher selten Interviews gegeben hat, lag also daran, dass Wirecard nicht interessant genug war?

Stöckl: Ganz im Gegenteil, Wirecard war schon immer sehr interessant. Als B2B-Unternehmen haben wir uns mit Selbstdarstellung aber grundsätzlich eher zurückgehalten. Markus Braun ist kein Mensch, der sich auf dem Titelbild sehen muss. Er betrachtet das nun aber als Teil seines Jobs: Wir sind im Dax gelistet, und da hat ein CEO gewisse Aufgaben in der Kommunikation.

Frau Stöckl, Sie sind fast von Anfang an dabei. Wie hat sich die Kommunikation von Wirecard über die Jahre verändert?

Stöckl: Die erste wichtige Phase war, eine Beziehung zu den um die Jahrtausendwende noch deutlich zahlreicheren E-Commerce-Magazinen aufzubauen, zur Fachpresse. Dann haben wir intern und extern Experten sondiert, wie diese die Branchenentwicklung sehen. Etwa um die Zeit, als Jana Tilz ins Team kam, also ab 2015, wurden wir wesentlich internationaler. Schließlich kamen Übernahmen in den USA und Asien dazu, auch in diesen Regionen bauen wir gerade die Kommunikation weiter aus.

Inzwischen hat Wirecard rund 5.000 Mitarbeiter und ist weltweit präsent. Wann haben Sie aufgehört, ein Start-up zu sein?

Stöckl: Spätestens seit wir im September 2006 in den TecDax aufgenommen wurden, bezeichnen wir uns nicht mehr wirklich als Start-up. Grundsätzlich haben wir in den vergangenen Jahren aber immer hervorgehoben: Wir sind zwar ein global agierendes Unternehmen, pflegen jedoch im Innovationsbereich eine Start-up-Mentalität.

[...]

Dieser Text ist ein Auszug. Das vollständige Interview mit Iris Stöckl und Jana Tilz lesen Sie in der Dezember-Ausgabe des prmagazins. Darin unter anderem: Was die Kommunikatorinnen vom Attribut "deutsches Facebook" halten, wie sie das Fintech zum „Thought Leader“ bei digitaler Payment-Technologie und der Zukunft des Shoppings machen wollen – und warum die schlechten Noten für Wirecard bei Arbeitgeberbewertungsportalen wie kununu ein verzerrtes Bild zeichnen. 

Die prmagazin-Ausgabe 12/2018 - darin unter anderem:

Open-Source-PR: Martin Fensch hat bei Pfizer Deutschland die Licence to operate fest im Blick – und lässt deshalb alle Stakeholder mitreden.

Dax ohne Rausch: Die Kommunikation von Wirecard bleibt trotz des Hypes um den Aufstieg in die erste Börsenliga auffällig zurückhaltend.

Ausgabe kaufen, Abo/Probeabo abschließen