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K2-Interview zur Tagung Krisenkommunikation

„Entscheidend ist, Position zu beziehen“

Rolf Kiefer, Leiter Kommunikation der DekaBank und Referent der K2-Tagung Krisenkommunikation, über die steigenden gesellschaftlichen Ansprüche an Unternehmen und besonders an Finanzdienstleister – und wie die DekaBank mit dieser Herausforderung umgeht.

Rolf Kiefer, Leiter Kommunikation der DekaBank

Wie haben sich die gesellschaftlichen Anforderungen an die DekaBank verändert?
Für Produktanbieter reicht es heute nicht mehr aus, nur gute Produkte anzubieten. Für das Image und damit für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist vielmehr entscheidend, wie die Gesellschaft das Unternehmen wahrnimmt. Wie positioniert es sich bei den großen, aktuellen gesellschaftspolitischen Themen: in sozialen Fragen, beim Umweltschutz, bei politischen Themen? Das gilt auch für Finanzdienstleister – durch die Finanzkrise vielleicht noch stärker als für andere Branchen.

Mit welchen neuen Anspruchsgruppen haben Sie zu tun?
Die Öffentlichkeit ist heute bei vielen Themen kritisch und engagiert, deshalb hat sich das Spektrum der Anspruchsgruppen erweitert. Waren es früher vorwiegend die tatsächlichen und potenziellen Kunden, kommen heute sehr stark Meinungsmultiplikatoren wie Umweltschutzverbände und andere Nichtregierungsorganisationen hinzu. Aber auch die eigenen Mitarbeiter und die Anteilseigner achten heute sehr stark auf die gesellschaftspolitische Komponente.

Wie unterscheiden Sie, welche Ansprüche an Ihr Unternehmen legitim sind – und welche nicht?
Wenn es um konkrete Vorwürfe gegen Unternehmen geht, in die beispielsweise unsere Fonds investiert sind, versuchen wir mithilfe unserer externen Partner wie der Analysegesellschaft imug, diesen nachzugehen und entsprechend zu reagieren. Haben Unternehmen gegen internationale Abkommen und Standards wie etwa das Oslo-Abkommen verstoßen, fällt eine Entscheidung sicher leichter, sich von einem bestimmten Investment zu trennen, als bei Themen, bei denen es eher um ethische Aspekte geht. Letztlich kommt es aber auch darauf an, ein eigenes Verantwortungsgefühl zu entwickeln und bei den Mitarbeitern zu verankern, dass bestimmte Engagements gesellschaftlich nicht mehr in unsere Zeit passen.

Fiel die Entscheidung, aus dem Handel mit Agrarrohstoffen auszusteigen, der DekaBank auch deswegen leicht, weil das Geschäftsfeld gar nicht signifikant war?
Die Entscheidung fiel deshalb leicht, weil sie unsere Anteilseigner und Partner bei den Sparkassen mitgetragen haben. Hier haben wir einen deutlichen Rückhalt erfahren. Dass wir nur am Rande in Rohstoffindizes investieren, war eher zweitrangig. Denn für die Reputation eines Unternehmens spielt es keine Rolle, ob es viel oder wenig damit zu tun hat.

Haben Sie damit nicht die Büchse der Pandora geöffnet? Bald könnten zum Beispiel Rüstungsgegner Sie öffentlichkeitswirksam auffordern, entsprechende Zertifikate nicht mehr anzubieten.
Das Thema Rüstungsgüter ist für uns sehr aktuell. Die DekaBank ist zum Beispiel nicht mehr in Unternehmen investiert, die an der Herstellung und Verbreitung von Landminen und Streumunition beteiligt sind – diese Waffen sind international geächtet. Ein Unternehmen kann sicher nicht auf jede Forderung, jedes Einzelereignis eingehen. Das erwartet auch niemand. Es muss aber deutlich machen, dass es sich mit den Themen ernsthaft und verantwortungsvoll auseinandersetzt. Das kann auch bedeuten, nach sorgfältiger Abwägung an einem Geschäft, einer Investition festzuhalten. Entscheidend ist, Position zu beziehen und sie glaubwürdig zu begründen.

 

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